21.11.2012
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Demonstration der Flüchtlinge im Oktober in Berlin. Foto: flickr / Leif Hinrichsen <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de">(CC BY-NC-SA 2.0)</a>

In Berlin, Frankfurt am Main und anderen Städten protestieren Flüchtlinge seit Monaten gegen Ausgrenzung und bessere Lebensbedingungen in Deutschland. Auch in anderen Ländern kämpfen Flüchtlinge für ihre Rechte.

In Ber­lin gehen trotz der Käl­te die Pro­tes­te gegen die deut­sche Asyl­po­li­tik wei­ter. Am Ora­ni­en­platz ver­su­chen die dort seit Wochen aus­har­ren­den Flücht­lin­ge und Unter­stüt­zer der­zeit, ihr Zelt­la­ger win­ter­fest zu machen. Rund 40 Akti­vis­ten fin­den sich täg­lich dort ein, um sich aus­zu­tau­schen und gemein­sam poli­ti­sche Aktio­nen zu pla­nen. So wol­len die Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten Bus­se nach Ros­tock orga­ni­sie­ren um sich Anfang Dezem­ber an Demons­tra­tio­nen anläss­lich der  Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz zu betei­li­gen. Dabei wol­len sie auch meh­re­re Flücht­lings­la­ger in Schles­wig-Hol­stein besu­chen und sich mit den dort unter­ge­brach­ten Asyl­su­chen­den ver­net­zen.

Hun­ger­streik wie­der auf­ge­nom­men

Auch am Bran­den­bur­ger Tor gehen die Pro­tes­te wei­ter. Anfang Novem­ber hat­ten die dort tage­lang schutz­los in der Käl­te aus­har­ren­den Flücht­lin­ge ihren Hun­ger­streik abge­bro­chen, nach­dem sich die Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Maria Böh­mer (CDU), mit ihnen getrof­fen und ihnen einen Gesprächs­ter­min mit Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten aller Frak­tio­nen zuge­si­chert hat­te. Zuvor hat­ten die Behör­den ver­sucht, die Pro­tes­te durch über­zo­ge­ne Auf­la­gen und Poli­zei­schi­ka­nen zu ver­hin­dern. Die Poli­zei­ak­tio­nen und der Hun­ger­streik hat­ten zunächst auf Twit­ter (#rfcamp, #refu­ge­e­camp) hohe Wel­len geschla­gen, wor­auf­hin schließ­lich zahl­rei­che Medi­en über die Pro­tes­te berich­tet hat­ten.

Aus Ent­täu­schung über Aus­sa­gen der Bun­des­re­gie­rung, die in der Ant­wort auf eine klei­ne Anfra­ge ver­kün­de­te, nach Abbruch des Hun­ger­streiks  bestehe kein Gesprächs­be­darf mehr,  haben die Flücht­lin­ge ihren Hun­ger­streik am Wochen­en­de wie­der auf­ge­nom­men.  „Wir füh­len uns von den poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen nicht ernst genom­men, hin­ge­hal­ten und mit Gesprä­chen ohne Kon­se­quen­zen abge­speist“, so die Flücht­lin­ge in ihrer Erklä­rung. „Offen­bar sieht die Bun­des­re­gie­rung nur Gesprächs­be­darf wäh­rend eines Hun­ger­streiks. Des­halb neh­men wir den am 01.11.2012 aus­ge­setz­ten Hun­ger­streik am heu­ti­gen Tag wie­der auf.“ Das Gespräch mit den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten soll Medi­en­be­rich­ten zufol­ge am 22. Novem­ber statt­fin­den.

In Frank­furt am Main haben Flücht­lin­ge und Unter­stüt­ze­rin­nen mit einer vier­wö­chi­gen Mahn­wa­che bis Mit­te Novem­ber 1500 Unter­schrif­ten für die Abschaf­fung der Resi­denz­pflicht, Schutz vor poli­ti­scher Ver­fol­gung, zügi­ge Asyl­ver­fah­ren, die Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen in Woh­nun­gen und das Recht auf Arbeit gesam­melt. Die Flücht­lin­ge wol­len in den kom­men­den Tagen mit wei­te­ren Mahn­wa­chen in der Innen­stadt auf ihre Lage auf­merk­sam machen.

Pro­tes­te in wei­te­ren Städ­ten

Gegen die jüngs­ten Abschie­bun­gen von Asyl­su­chen­den nach Ser­bi­en und ins Koso­vo pro­tes­tier­ten Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten direkt an den Flug­hä­fen Düs­sel­dorf und Stutt­gart. Im meck­len­bur­gi­schen Land­kreis Lud­wigs­lust-Par­chim pro­tes­tier­ten 50–60 Men­schen gegen die „frei­wil­li­ge Aus­rei­se“ meh­re­rer Flücht­lings­fa­mi­li­en nach Ser­bi­en und Maze­do­ni­en, die Flücht­lings­in­itia­ti­ven zufol­ge durch Dro­hun­gen der Behör­den erzwun­gen wor­den waren.  Gegen die Ent­rech­tung von Flücht­lin­gen sind wei­te­re Kund­ge­bun­gen geplant, unter ande­rem in Bit­ter­feld, Han­no­ver und Wei­den. Die Kund­ge­bun­gen rich­ten sich unter ande­rem gegen die Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen in Lagern und gegen demü­ti­gen­de Sach­leis­tun­gen. Anläss­lich der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz in Ros­tock rufen die Jugend­li­chen ohne Gren­zen zur Blei­be­rechts­de­mons­tra­ti­on auf.

Flücht­lings­pro­tes­te in ande­ren Län­dern

Auch in ande­ren Staa­ten kämp­fen Flücht­lin­ge für mehr Rech­te. Unter ande­rem in Wien und Den Haag pro­tes­tie­ren Flücht­lin­ge gegen ras­sis­ti­sche Geset­ze und für Schutz vor Ver­fol­gung. In Polen for­der­ten inhaf­tier­te Flücht­lin­ge und Migran­ten mit einem Hun­ger­streik das Recht auf Infor­ma­ti­on in einer für sie ver­ständ­li­chen Spra­che, das Recht auf Kon­takt mit der Außen­welt, das Recht auf medi­zi­ni­sche Behand­lung, die Ein­hal­tung von Kin­der­rech­ten und ein Ende von Miss­brauch und Gewalt. Auf der Pazi­fik-Insel Nau­ru, auf der Aus­tra­li­en Asyl­su­chen­de sys­te­ma­tisch inhaf­tiert, ende­te am 13. 11. ein Mas­sen­hun­ger­streik von 300 Flücht­lin­gen, ein­zel­ne set­zen den Streik gegen den Zwangs­ge­wahr­sam auf der Insel fort. 

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