06.09.2012

Der Sui­zid des ira­ni­schen Flücht­lings Moham­mad Rah­se­par im Würz­bur­ger Flücht­lings­la­ger am Anfang die­ses Jah­res hat bun­des­wei­te Pro­tes­te von Flücht­lin­gen aus­ge­löst. Nach­dem Flücht­lin­ge aus Würz­burg mit einem mona­te­lan­gen Pro­test­camp in der Innen­stadt auf ihre ver­zwei­fel­te Lage auf­merk­sam mach­ten, folg­ten Asyl­su­chen­de aus neun Städ­ten ihrem Bei­spiel.

Immer wie­der tra­ten Flücht­lin­ge hier­bei in den Hun­ger­streik. Die nun­mehr sechs­mo­na­ti­gen Flücht­lings­pro­tes­te gip­feln jetzt in einem gemein­sa­men Pro­test­marsch von Würz­burg nach Ber­lin. Zu Fuß wer­den Flücht­lin­ge aus ver­schie­de­nen Lagern ihre For­de­rung nach einer Abschaf­fung der Flücht­lings­la­ger und der Resi­denz­pflicht sowie eines Abschie­be­stopps zu den poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in Ber­lin tra­gen.

Am Sams­tag, den 08. Sep­tem­ber, um 14 Uhr fin­det die Auf­takt­kund­ge­bung am Markt­platz in Würz­burg statt. Direkt im Anschluss wird der ca. ein­mo­na­ti­ge Pro­test­marsch begin­nen. Die 600 km lan­ge Rou­te wird die Flücht­lin­ge von Würz­burg über Thü­rin­gen, Sach­sen-Anhalt, Sach­sen und Bran­den­burg nach Ber­lin füh­ren. Auf der Rou­te sol­len sich Flücht­lin­ge und Unter­stüt­ze­rIn­nen dem Marsch anschlie­ßen.

Auf dem Weg wird mit Ver­an­stal­tun­gen und Demons­tra­tio­nen vor Ort auf die aus­weg­lo­se Situa­ti­on vie­ler Flücht­lin­ge in Deutsch­land auf­merk­sam gemacht: Oft­mals sind Flücht­lin­ge gezwun­gen, über Jah­re hin­weg unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen in Flücht­lings­la­gern zu leben, unter­lie­gen (fak­ti­schen) Arbeits­ver­bo­ten und dür­fen auf­grund der so genann­ten Resi­denz­pflicht ihr Bun­des­land bzw. ihren Land­kreis nicht ver­las­sen. Gleich­zei­tig hängt über vie­len das Damo­kles­schwert der Abschie­bung. Akut bedroht sind zum Bei­spiel Roma aus dem Koso­vo, die mit Sam­mel­char­tern in Obdach­lo­sig­keit und Elend abge­scho­ben wer­den. Zudem wur­den zum Bei­spiel vie­le Asyl­su­chen­de aus Afgha­ni­stan und dem Irak nicht als Flücht­lin­ge aner­kannt, son­dern leben ledig­lich gedul­det in Deutsch­land bis ihre Abschie­bung mög­lich wird. Die täg­li­che Angst vor der Abschie­bung und die Iso­la­ti­on von der Gesell­schaft stel­len eine immense psy­chi­sche Belas­tung dar. So ist auch die Selbst­tö­tung von Moham­mad Rah­se­par lei­der kein Ein­zel­fall. Allein in 2010 wur­den vier Sui­zi­de und 46 Sui­zid­ver­su­che von Flücht­lin­gen in Deutsch­land doku­men­tiert.

Die Lan­des­flücht­lings­rä­te und PRO ASYL schlie­ßen sich den For­de­run­gen der Flücht­lin­ge an und rufen zur Unter­stüt­zung des Pro­test­mar­sches auf. Die Flücht­lin­ge sind drin­gend auf Spen­den für Ver­pfle­gung, Logis­tik und Öffent­lich­keits­ar­beit wäh­rend des Mar­sches ange­wie­sen. Spen­den­kon­to: För­der­ver­ein Kara­wa­ne e.V. | GLS Gemein­schafts­bank eG | Stich­wort: Pro­test­marsch Ber­lin | Kon­to­num­mer: 4030780800 | Bank­leit­zahl: 43060967

Der gesam­te Pro­test­marsch wird auf www.refugeetentaction.net doku­men­tiert wer­den.

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