07.11.2012

Heu­te beschäf­tigt sich der Bun­des­tag im Rah­men einer aktu­el­len Stun­de mit dem The­ma Resi­denz­pflicht. Hin­ter­grund ist ein Antrag der Frak­ti­on Die Lin­ke, der die Abschaf­fung des Geset­zes for­dert. Zeit­gleich pro­tes­tie­ren seit Wochen zahl­rei­che Flücht­lin­ge in Ber­lin, Frank­furt am Main und ande­ren Städ­ten gegen die Rege­lung, die es Asyl­su­chen­den und Gedul­de­ten ver­bie­tet, sich frei im Bun­des­ge­biet zu bewe­gen. In man­chen Bun­des­län­dern – etwa in Bay­ern – wird den Betrof­fe­nen noch nicht ein­mal gestat­tet, ihren Regie­rungs­be­zirk oder gar ihren Land­kreis zu ver­las­sen.

Die Resi­denz­pflicht ist eine euro­pa­weit ein­zig­ar­ti­ge Schi­ka­ne gegen­über Schutz­su­chen­den. Sie sorgt dafür, dass die Betrof­fe­nen von ihren Aus­län­der­be­hör­den gede­mü­tigt und im Wie­der­ho­lungs­fall bestraft wer­den kön­nen, nur weil sie etwa auf dem Weg von ihrer Unter­kunft in die für sie zustän­di­ge Kreis­stadt kurz das Ter­ri­to­ri­um eines ande­ren Bun­des­lan­des oder eines ande­ren Krei­ses durch­que­ren muss­ten.

Ob Geneh­mi­gun­gen zum Ver­las­sen des Auf­ent­halts­ge­stat­tungs­be­reichs auf Antrag erteilt wer­den, steht im Ermes­sen der Aus­län­der­be­hör­den. Die Bestim­mun­gen über die Resi­denz­pflicht sind offen für jede denk­ba­re Schi­ka­ne und wer­den von vie­len Behör­den in der Pra­xis auch so genutzt.

Allein der dem Beam­ten­recht ent­lehn­te Begriff „Resi­denz­pflicht“ ist blan­ker Hohn für die Betrof­fe­nen, die nicht sel­ten gezwun­gen wer­den, in abge­le­ge­nen her­un­ter­ge­kom­me­nen Sam­mel­la­gern zu leben – von „resi­die­ren“ kann bei Asyl­su­chen­den in Deutsch­land kei­nes­falls die Rede sein.

Die Begrün­dun­gen für die Ein­füh­rung der Resi­denz­pflicht sind so faden­schei­nig wie die für ihre Bei­be­hal­tung. Die Erreich­bar­keit für die Behör­den wäh­rend des Asyl­ver­fah­rens ist durch eine Wohn­sitz­adres­se gege­ben. Die Rei­se­frei­heit muss man dazu nicht ein­schrän­ken. Auch Rege­lun­gen, die mit der Ver­tei­lung der Kos­ten für Asyl­be­wer­ber zu tun haben, erfor­dern kei­ne Beschrän­kung der Bewe­gungs­frei­heit.

Eine gan­ze Rei­he von Bun­des­län­dern hat Locke­run­gen der Resi­denz­pflicht beschlos­sen und gestat­tet Asyl­su­chen­den und Gedul­de­ten, sich im Lan­des­ge­biet frei zu bewe­gen. Pro Asyl for­dert die Bun­des­län­der auf, bis zum tätig wer­den des Bun­des­ge­setz­ge­bers die­sen Weg wei­ter­zu­ge­hen, um die Här­ten der Rege­lung abzu­mil­dern. Doch reicht eine Locke­rung der Resi­denz­pflicht, die die­se auf das Gebiet der ein­zel­nen Bun­des­län­der beschränkt, nicht aus. Die Resi­denz­pflicht ist eine unnüt­ze Schi­ka­ne, sie gehört bun­des­weit abge­schafft.

 Die Flücht­lings­pro­tes­te dau­ern an – nicht nur in Ber­lin (21.11.12)

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