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Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan im Januar 2017. Foto: dpa

In Deutschland und Europa steht viel auf dem Spiel: Flüchtlinge haben Anspruch auf Solidarität, Schutz, Freiheit und eine menschenwürdige Zukunft. Die Menschenrechte sind unteilbar, ihre universelle Gültigkeit ist die Grundlage unserer politischen Positionen und Forderungen zur Bundestagswahl 2017.

Noch nie sind so vie­le Men­schen für den Schutz von Flücht­lin­gen ein­ge­tre­ten. Doch ihre Erwar­tun­gen an eine Poli­tik, die auf Huma­ni­tät, ratio­na­len Argu­men­ten und Men­schen­rech­ten basiert, wer­den zuneh­mend igno­riert. Rechts­po­pu­lis­ten mach­ten und machen mobil – vor allem auch gegen Flücht­lin­ge. Und aus Angst vor Wahl­ver­lus­ten pas­sen sich eta­blier­te poli­ti­sche Par­tei­en deren Ansich­ten an.

Vor der Bun­des­tags­wahl 2017 gilt mehr denn je: Der Hass der Weni­gen darf nicht die gesam­te poli­ti­sche Debat­te nach Rechts ver­schie­ben.

Doch wer sich dem Druck von Rechts beugt, hat schon ver­lo­ren! Men­schen­rech­te sind unver­äu­ßer­lich und nicht rela­ti­vier­bar; für die demo­kra­ti­schen poli­ti­schen Par­tei­en müs­sen sie Leit­li­nie ihres Han­delns sein. Wir appel­lie­ren daher an die­se Par­tei­en, sich ihrer Ver­ant­wor­tung für eine huma­ni­tä­re und gerech­te Flücht­lings­po­li­tik zu stel­len. Beson­ders drin­gend sind fol­gen­de The­men­be­rei­che:

»Nicht die Lage in Afgha­ni­stan hat sich geän­dert, son­dern die innen­po­li­ti­sche
Dis­kus­si­on«

Bär­bel Kof­ler, Men­schen­rechts­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung (Febru­ar 2017)

Dass Afgha­ni­stan wirk­lich sicher ist, dar­an glaubt nicht ein­mal die Bun­des­re­gie­rung. Die Aus­sa­ge der Men­schen­rechts­be­auf­trag­ten Bär­bel Kof­ler, nicht die Lage in Afgha­ni­stan habe sich geän­dert, son­dern die innen­po­li­ti­sche Dis­kus­si­on, ver­deut­licht den wah­ren Hin­ter­grund der im Dezem­ber 2016 gestar­te­ten Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan: Es geht um Wäh­ler­stim­men. Popu­lis­ti­sche Stim­mungs­ma­che ersetzt reflek­tier­tes poli­ti­sches Han­deln.

Der poli­ti­sche Druck hat bereits erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­amts für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF): Beka­men 2015 noch annä­hernd 80 Pro­zent der afgha­ni­schen Asyl­su­chen­den Schutz, sank die Zahl in den ers­ten vier Mona­ten 2017 auf 46,6 Pro­zent.

Dies alles geschieht ganz offen­sicht­lich wider bes­se­res Wis­sen. Der UNHCR erläu­ter­te bereits im Dezem­ber 2016 in einer Stel­lung­nah­me auf Anfra­ge des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums, dass es unmög­lich ist, »bestimm­te [afgha­ni­sche] Regio­nen […] als siche­re und zumut­ba­re inter­ne Schutz­al­ter­na­ti­ve« anzu­se­hen.

In der Stel­lung­nah­me wur­de eben­falls betont, dass sich die Sicher­heits­la­ge »ins­ge­samt noch­mals deut­lich ver­schlech­tert hat«. Wer die rea­le Gefah­ren­la­ge in Afgha­ni­stan zur Kennt­nis nimmt, weiß: Abschie­bun­gen sind unver­ant­wort­lich und gefähr­den Men­schen­le­ben.

»…Jeden Tag explo­diert hier eine Bom­be, ges­tern war‘s auch so, ich weiß nicht, wie­vie­le Leu­te gestor­ben sind.«

Aus Deutsch­land abge­scho­be­ner afgha­ni­scher Flücht­ling in Kabul gegen­über dem Deutsch­land­funk (Febru­ar 2017)

PRO ASYL for­dert:

  • Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan sofort stop­pen!
  • Sorg­fäl­ti­ge Asyl­ver­fah­ren, die der indi­vi­du­el­len Situa­ti­on Schutz­su­chen­der und der Gefah­ren­la­ge in Afgha­ni­stan Rech­nung tra­gen.

Die Ent­schei­dungs­pra­xis des BAMF hat sich für Schutz­su­chen­de deut­lich ver­schlech­tert. Unter dem Druck der Bun­des­re­gie­rung, mög­lichst vie­le Ver­fah­ren zügig zu erle­di­gen und so recht­zei­tig zur Bun­des­tags­wahl ver­meint­li­che Erfol­ge zu ver­mel­den, wer­den Anhö­run­gen im Asyl­ver­fah­ren häu­fig nur noch ober­fläch­lich durch­ge­führt und in gro­ßer Zahl feh­ler­haf­te Ent­schei­dun­gen pro­du­ziert.

Leid­tra­gen­de sind die schutz­su­chen­den Men­schen. PRO ASYL hat das, zusam­men mit ande­ren zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen, bereits im Novem­ber 2016 kri­ti­siert.

»Der Anhö­rer sag­te zu mir: „OK, wei­ter! Ich muss mir das nicht anschau­en, ich glau­be dir“. Aber im Bescheid stand dann eben, dass man mir nicht glaubt. Mein Asyl­an­trag wur­de abge­lehnt.«

Afgha­ni­scher Flücht­ling über sei­ne Anhö­rung beim BAMF

Jah­re­lang wur­de beim BAMF Per­so­nal abge­baut, so dass bereits vor dem Herbst 2015 hun­dert­tau­sen­de Asyl­an­trä­ge nicht bear­bei­tet waren. Als die Vor­ga­be der Bun­des­re­gie­rung ein­ging, bis zum Wahl­jahr min­des­tens eine hal­be Mil­li­on anhän­gi­ger Asyl­an­trä­ge abzu­ar­bei­ten, wur­de es hek­tisch.

Seit­dem wer­den ver­mehrt unzu­rei­chend aus­ge­bil­de­te Anhörer*innen und Dolmetscher*innen beschäf­tigt, indi­vi­du­el­le Flucht­grün­de wer­den in den beschleu­nig­ten Ver­fah­ren häu­fig nicht auf­ge­klärt oder schlicht igno­riert.

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Sin­ken­de Schutz­qua­li­tät, mehr Ableh­nun­gen: Inhalt­li­che Ent­schei­dun­gen im Jah­res­ver­gleich 2015/2016. Quel­le: BAMF, Gra­fik: PRO ASYL

In die­sem Jahr »pro­du­ziert« das BAMF bis­lang durch­schnitt­lich mehr als 70.000 Asyl­ent­schei­dun­gen pro Monat, dar­un­ter eine stark gestie­ge­ne Zahl von Ableh­nun­gen. Ver­wal­tungs­ge­rich­te müs­sen sich mit zehn­tau­sen­den Kla­gen gegen die feh­ler­haf­ten Ent­schei­dun­gen aus­ein­an­der­set­zen. PRO ASYL ist täg­lich mit Anfra­gen hil­fe­su­chen­der Betrof­fe­ner befasst.

PRO ASYL for­dert:

• Rechts­staat­li­che und fai­re Asyl­ver­fah­ren. Die Qua­li­tät der Ver­fah­ren muss Vor­rang haben vor Quan­ti­tät und Schnel­lig­keit.

Die beson­de­re Schutz­wür­dig­keit der Fami­lie ist im Arti­kel 6 des Grund­ge­set­zes und in Arti­kel 8 der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­an­kert. Und auch die Regie­rungs­par­tei der Kanz­le­rin schreibt sie sich fei­er­lich in ihre Grund­sät­ze.

»Wir ste­hen für eine wer­te­ori­en­tier­te Poli­tik, in der Fami­lie und Ehe die Grund­pfei­ler unse­rer frei­en und soli­da­ri­schen Gesell­schaft bil­den.«

Grund­sät­ze der CDU

Bloß: Davon ist gegen­wär­tig nur noch wenig übrig. Bereits am 5. Novem­ber 2015 beschlos­sen CDU, CSU und SPD: »Zur bes­se­ren Bewäl­ti­gung der aktu­el­len Situa­ti­on soll der Fami­li­en­nach­zug für Antrag­stel­ler mit sub­si­diä­rem Schutz für einen Zeit­raum von zwei Jah­ren aus­ge­setzt wer­den«.

Im Klar­text: Bei stei­gen­den Flücht­lings­zah­len und Druck von Rechts wer­den im Grund­ge­setz garan­tier­te Rech­te ein­fach aus­ge­setzt.

Nach einem ent­spre­chen­dem Beschluss des Bun­des­ta­ges im März 2016 zur Aus­set­zung des Fami­li­en­nach­zugs beka­men vor allem syri­sche Flücht­lin­ge oft nur noch sub­si­diä­ren Schutz. Bis min­des­tens März 2018 blei­ben ihre Fami­li­en in den Kon­flikt­re­gio­nen damit Bom­ben, Ter­ror und Todes­angst aus­ge­setzt.

Jetzt for­dern Uni­ons­po­li­ti­ker bereits eine Ver­län­ge­rung der Aus­set­zung. Vie­le zurück­ge­blie­be­ne Ange­hö­ri­ge, vor allem Frau­en, kön­nen nicht mehr war­ten und wagen nun selbst mit klei­nen Kin­dern die gefähr­li­che Flucht.

Neue Hür­den beim Fami­li­en­nach­zug betref­fen die Geschwis­ter aner­kann­ter min­der­jäh­ri­ger Flücht­lin­ge. Sie bekom­men seit einem Erlass des Aus­wär­ti­gen Amtes vom 20. März 2017 nur noch dann ein Visum, wenn in Deutsch­land aus­rei­chen­der Wohn­raum vor­han­den ist. Grund­sätz­lich muss laut AA auch der Lebens­un­ter­halt gesi­chert sein. Dau­er­haf­te Fami­li­en­tren­nun­gen sind mit die­sen Restrik­tio­nen vor­pro­gram­miert.

»Ehe und Fami­lie ste­hen unter dem beson­de­ren Schut­ze der staat­li­chen Ord­nung.«

Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land; Arti­kel 6, Absatz 1

Wer gemäß der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on als ver­folgt aner­kannt ist, hat Anspruch auf Fami­li­en­nach­zug. Aber auch die Hoff­nung die­ser Men­schen schei­tert all­zu oft.

So kön­nen z.B. nach­zugs­be­rech­tig­te Ange­hö­ri­ge in Syri­en kein Visum bean­tra­gen, da die deut­sche Bot­schaft in Damas­kus seit 2012 geschlos­sen ist. Vie­le Betrof­fe­ne wei­chen zur deut­schen Bot­schaft im Liba­non aus, wo allein die Ant­wort auf eine Ter­min­an­fra­ge zur Visu­mer­tei­lung zehn bis zwölf Mona­te dau­ert. Wie vie­le visabe­rech­tig­te Men­schen wäh­rend­des­sen in den Kriegs- und Kri­sen­re­gio­nen getö­tet wer­den, ist unbe­kannt.

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Fadi ist schon seit über 1,5 Jah­ren in Deutsch­land als Flücht­ling aner­kannt. Sei­ne Fami­lie kann er trotz­dem nur auf dem Han­dy sehen – ohne ein Visum konn­te sie aus dem Kriegs­ge­biet nur in den Sudan flie­hen. Dort gibt es bis Dezem­ber kei­ne Ter­mi­ne in der Bot­schaft. Foto: Najem Al-Khal­af

PRO ASYL for­dert:

• Schluss mit ver­wei­ger­ter Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung bei sub­si­diä­rem Schutz.

• Kei­ne Ver­wei­ge­rung von Geschwis­ter­nach­zug bei aner­kann­ten min­der­jäh­ri­gen Flücht­lin­gen.

• Zügi­ge Visa­er­tei­lung für nach­zugs­be­rech­tig­te Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge im Aus­land.

Zwi­schen den Mit­glieds­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on fehlt die Soli­da­ri­tät. Eine gemein­sa­me Auf­nah­me­po­li­tik für Flücht­lin­ge ist im Jahr 2015 geschei­tert. Die poli­ti­sche Situa­ti­on hat sich dadurch ver­schärft.

Deutsch­land hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren den Staa­ten an der EU-Außen­gren­ze oft die Unter­stüt­zung bei der Flücht­lings­auf­nah­me ver­wehrt. Im Herbst 2015 war Deutsch­land dann selbst auf Soli­da­ri­tät ange­wie­sen, die eben­so ver­wei­gert wur­de.

Seit Schlie­ßung der Bal­kan­rou­te und dem Inkraft­tre­ten des EU-Tür­kei-Deals im März 2016 haben nun erneut Grie­chen­land und Ita­li­en den größ­ten Teil der Ver­ant­wor­tung bei der Flücht­lings­auf­nah­me zu tra­gen.

Die Mit­glieds­staa­ten der EU müs­sen end­lich eine neue gemein­sa­me Flücht­lings­po­li­tik orga­ni­sie­ren!

> 15.000

Men­schen sit­zen unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen auf den Inseln in der Ägä­is fest.

Grie­chen­land soll sei­ner­seits Flücht­lin­ge mög­lichst umge­hend in die Tür­kei abschie­ben. Fak­tisch sit­zen in Grie­chen­land mehr als 60.000 Schutz­su­chen­de fest. Über 15.000 Men­schen wer­den in Elend­sla­gern auf den Ägäi­schen Inseln fest­ge­hal­ten, sie sol­len zurück in die Tür­kei.

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Das EU Hot­spot-Lager in Moria auf Les­bos im Janu­ar 2017. Foto: pic­tu­re alli­an­ce / AP pho­to / Petros Tsak­ma­kis

Die Mit­glieds­staa­ten der EU müs­sen end­lich eine neue gemein­sa­me Flücht­lings­po­li­tik orga­ni­sie­ren, in der das Schick­sal der Schutz­su­chen­den, huma­ni­tä­re Ver­ant­wor­tung, rechts­kon­for­me Asyl­ver­fah­ren und inner­eu­ro­päi­sche Soli­da­ri­tät im Mit­tel­punkt ste­hen.

Dazu zäh­len unter ande­rem die Über­nah­me von Flücht­lin­gen aus Län­dern an der EU-Außen­gren­ze, die Been­di­gung von Zwangs­über­stel­lun­gen im Rah­men des Dub­lin-Ver­fah­rens, fai­re Asyl­ver­fah­ren und men­schen­wür­di­ge Auf­nah­me­be­din­gun­gen in allen EU-Mit­glieds­staa­ten.

Neu ein­rei­sen­de Schutz­su­chen­de, die es trotz aller Hin­der­nis­se via Grie­chen­land in ein ande­res EU-Land schaf­fen, sol­len laut EU-Kom­mis­si­on seit März 2017 im Rah­men des Dub­lin-Ver­fah­rens wie­der nach Grie­chen­land über­stellt wer­den kön­nen.

PRO ASYL wird Betrof­fe­ne bei ihren Ein­zel­fall­kla­gen dage­gen unter­stüt­zen – falls nötig bis zum Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te.

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Die im Herbst 2015 groß ange­kün­dig­te EU-Relo­ca­ti­on ist auch nach fast zwei Jah­ren noch nicht rich­tig ange­lau­fen. Den aktu­el­len Stand ver­öf­fent­licht die EU fort­lau­fend hier.

PRO ASYL for­dert:

• Die Mit­glied­staa­ten der EU müs­sen die Ver­ant­wor­tung für schutz­su­chen­de Men­schen tei­len – die EU-Mit­glie­der an den Außen­gren­zen dür­fen nicht allei­ne gelas­sen wer­den.

• Eine fai­re gemein­sa­me Auf­nah­me­po­li­tik muss orga­ni­siert wer­den.

• Kei­ne Zwangs­ver­tei­lung – die legi­ti­men Bedürf­nis­se von Asyl­su­chen­den sind bei der Wahl des auf­neh­men­den EU-Lan­des zu berück­sich­ti­gen.

Vor Euro­pas Gren­zen tobt der Krieg in Syri­en mit uner­bitt­li­cher Här­te, die Lage in Afgha­ni­stan ist unsi­che­rer als je zuvor. Die Dik­ta­tur in Eri­trea, die Ter­ror­mi­li­zen in Soma­lia sowie die kata­stro­pha­le Men­schen­rechts­si­tua­ti­on in vie­len ande­ren Län­dern und Regio­nen trei­ben die Schutz­su­chen­den über das Mit­tel­meer.

Ange­sichts die­ser Lage ist die Poli­tik der EU nicht geprägt von Huma­ni­tät und Hilfs­be­reit­schaft, son­dern von Grenz­auf­rüs­tung, Abschot­tung, Inhaf­tie­rung, Ent­rech­tung und Abschie­bung.

Das Men­schen­recht auf Asyl wird in Euro­pa uner­reich­bar, die Euro­päi­sche Uni­on unter­mi­niert ihre eige­nen Wer­te.

In der Ägä­is mel­den NATO-Schif­fe gesich­te­te Boo­te an tür­ki­sche Behör­den, um Flucht­ver­su­che zu ver­hin­dern. Die Bal­kan-Rou­te ist ver­rie­gelt. Im zen­tra­len Mit­tel­meer wird die Abwehr­po­li­tik fort­ge­setzt: Afri­ka­ni­sche Staa­ten wer­den als Flucht­ver­hin­de­rer ein­ge­kauft, geret­te­te Boots­flücht­lin­ge sol­len nach Liby­en aus­ge­schifft wer­den, deut­sche Beam­te schu­len die dor­ti­ge Küs­ten­wa­che.

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Die liby­sche Küs­ten­wa­che sabo­tiert am 21. Okto­ber 2016 eine Ret­tungs­mis­si­on der Sea Watch. Meh­re­re Men­schen ertrin­ken. Foto: Chris­ti­an Ditsch

Über den EU-Treu­hand­fonds für Afri­ka sol­len 2017 ins­ge­samt 200 Mil­lio­nen Euro an Liby­en flie­ßen, um die Süd­gren­ze des Lan­des sowie die See­gren­ze im Mit­tel­meer zu schlie­ßen. Die EU setzt damit auf ein Part­ner­land zur »Migra­ti­ons­kon­trol­le«, in dem es laut Aus­wär­ti­gem Amt zu »aller­schwers­ten, sys­te­ma­ti­schen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen« kommt.

Die Aus­füh­run­gen des Aus­wär­ti­gen Amtes sind unmiss­ver­ständ­lich: »Authen­ti­sche Han­dy-Fotos und -vide­os bele­gen die KZ-ähn­li­chen Ver­hält­nis­se in den soge­nann­ten Pri­vat­ge­fäng­nis­sen. […] Exe­ku­tio­nen nicht zah­lungs­fä­hi­ger Migran­ten, Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gun­gen, Erpres­sun­gen sowie Aus­set­zun­gen in der Wüs­te sind dort an der Tages­ord­nung.«

Nach dem Mot­to »Aus den Augen, aus dem Sinn« zielt Euro­pas Poli­tik auf ein Unsicht­bar­ma­chen von Flücht­lin­gen und der tat­säch­li­chen Ursa­chen von Flucht.

Men­schen, die es trotz allem bis an die Außen­gren­zen der EU schaf­fen und dort Asyl bean­tra­gen, erhal­ten kei­nen Zugang zu einem fai­ren Ver­fah­ren. In Grie­chen­land wer­den sie statt­des­sen – auf euro­päi­schen Druck hin – einem so genann­ten Zuläs­sig­keits­ver­fah­ren unter­wor­fen, in dem die Flucht­grün­de der Betrof­fe­nen über­haupt kei­ne Rol­le spie­len. Es wird ein­zig geprüft, ob sie in den ver­meint­lich »Siche­ren Dritt­staat« Tür­kei abge­scho­ben wer­den kön­nen.

Jedoch: In der Tür­kei gibt es für Flücht­lin­ge kei­ne Sicher­heit. Ein Schutz gemäß der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on wird dort nicht gewährt, tür­ki­sche Gren­zer schie­ßen an der Gren­ze zu Syri­en auf Flücht­lin­ge, rechts­staat­li­che Grund­la­gen ver­lie­ren zuneh­mend ihre Gül­tig­keit.

PRO ASYL for­dert:

• Siche­re und lega­le Flucht­we­ge für Schutz­su­chen­de; kei­ne Zurück­wei­sun­gen, Abschie­bun­gen oder Inhaf­tie­run­gen von Flücht­lin­gen an den EU-Außen­gren­zen.

• Zugang zu einem fai­ren und indi­vi­du­el­len Asyl­ver­fah­ren auch an den EU-Außen­gren­zen.

• Schluss mit dem EU-Tür­kei-Deal, kei­ne Zusam­men­ar­beit mit Dik­ta­tu­ren und Unrechts­re­gimes zur »Migra­ti­ons­kon­trol­le«.

Deutsch­land- und euro­pa­weit wer­den die Rech­te von Flücht­lin­gen jedoch mas­siv beschnit­ten. Es gilt Hal­tung zu zei­gen und sich die­ser Ent­wick­lung ent­ge­gen zu stel­len.

Vor der Bun­des­tags­wahl 2017 gilt mehr denn je: Der Hass der Weni­gen darf nicht die gesam­te poli­ti­sche Debat­te nach Rechts ver­schie­ben. Wir sind und blei­ben eine Gesell­schaft der Viel­falt. Bezie­hen wir Posi­ti­on: Es kommt auf uns an!

Für Menschen- und Flüchtlingsrechte eintreten!

Bit­te hel­fen Sie daher mit, die poli­ti­schen Posi­tio­nen und For­de­run­gen zu ver­brei­ten:

  • Bestel­len Sie unser Falt­blatt »PRO ASYL zur Bun­des­tags­wahl 2017«. Ger­ne schi­cken wir Ihnen auch Exem­pla­re zur wei­te­ren Ver­tei­lung an Freun­din­nen, Freun­de und Bekann­te sowie auf poli­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen.
  • Brin­gen Sie unse­re For­de­run­gen in die Debat­te ein. Erfra­gen und hin­ter­fra­gen Sie bei Ver­an­stal­tun­gen die Aus­sa­gen der poli­ti­schen Par­tei­en.
  • Besu­chen Sie Ihre loka­len Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten in Ihren Wahl­kreis­bü­ros und spre­chen Sie per­sön­lich mit ihnen.
  • Initi­ie­ren Sie sach­li­che Dis­kus­sio­nen in sozia­len Netz­wer­ken.