PRO ASYL ist bereits seit 2007 in Griechenland aktiv. Unsere Berichte über die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen an Flüchtlingen in Griechenland haben mit dazu beigetragen, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2011 immerhin Abschiebungen nach Griechenland stoppte. An den menschenunwürdigen Bedingungen für Flüchtlinge  hat sich in Griechenland indes kaum etwas verändert.

Anfang 2015 haben wir unsere Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnerinnen und Projektpartnern in Griechenland weiter intensiviert. Mittlerweile sind auf der griechischen und der türkischen Seite der Ägäis rund ein Dutzend Anwältinnen, Dolmetscher, Sozialarbeiterinnen und Rechercheure für unser »Refugee Support Program Aegean« (RSPA) im Einsatz.

Das »Refugee Support Program Aegean« von PRO ASYL

Das RSPA-Team setzt sich auf rechtlicher und humanitärer Ebene für Flüchtlinge ein, die besonders schutzbedürftig sind, unterstützen Überlebende von Bootskatastrophen und Angehörige von Todesopfern und versuchen bei Härtefällen legale Weiterreisemöglichkeiten in andere EU-Staaten durchzusetzen.

2015 kamen auf den griechischen Inseln laut UNHCR 856.732 Schutzsuchende aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und anderen Staaten an. 3771 Menschen kamen auf dem Mittelmeer ums Leben. Foto: Bartek Langer
Für die Ankunft von Hunderten Menschen täglich gibt es auf den griechischen Inseln keine Infrastruktur. Die Angekommenen stranden im Elend – oft ohne jede Versorgung. Das Bild zeigt eine Mutter mit einem Kleinkind und einem 14 Tage alten Säugling. Foto: Salinia Stroux
Vom Staat gibt es kaum Hilfe – Griechenland steckt in einer tiefen ökonomischen Krise. Lokale Solidaritätsinitiativen und freiwillige Helfer aus ganz Europa versuchen die Not der Flüchtlinge zu lindern. Foto: Christina Palitzsch
Nur registrierte Flüchtlinge dürften die Inseln Richtung Festland verlassen. Auf ihre Registrierung warten die Betroffenen oft tagelang im Freien, ob bei sengender Hitze oder Eiseskälte. Foto: Salinia Stroux
Mit so genannten Hot-Spots will die EU Flüchtlinge bereits nahe ihrer Ankunftsorte registrieren, um sie bei guten Chancen im Asylverfahren in andere EU-Staaten zu schicken. In der Praxis sieht das so aus wie hier in Moria auf Lesbos. Foto: Salinia Stroux / Chrissi Wilkens
In der Theorie sollen die Schutzsuchenden in Moria vorsortiert werden - in Schutzsuchende mit "hoher Bleibeperspektive" und Flüchtlinge ohne Chancen - die Chancenlosen sollen zurückgeschoben, die anderen auf die EU-Staaten verteilt werden. Dabei hat sich die EU bei der Frage, wer wie viele Schutzsuchende aufnimmt, heillos zertstritten. Wenige EU-Staaten bieten viel zu wenige Aufnahmeplätze an. Foto: Salinia Stroux / Chrissi Wilkens
Das Konzept der Hot-Spots führt so vor allem dazu, dass Flüchtlinge in Griechenland festgesetzt und unmenschelichen Bedingungen unterworfen werden. Nach wie vor gibt es in Griechenland kein funktionierendes Asylsystem. Schutzsuchende haben kaum Chancen, überhaupt einen Asylantrag zu stellen. Foto: Salinia Stroux / Chrissi Wilkens
So bleibt für die meisten Betroffenen nur die Weiterflucht. Die meisten Flüchtlinge versuchen Griechenland in langen Treks über die strapazenreiche Balkan-Route Richtung Österreich und Deutschland zu verlassen. An der griechisch-mazedonischen Grenze werden Flüchtlinge immer wieder aufgehalten und harren bei winterlichen Temparaturen tage- und nächtelang im Freien aus. Foto: RSPA
Ende 2015 dürfen nur noch Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan die Grenze passieren, zwischendurch ist die Grenze komplett abgeriegelt. Immer wieder sitzen Tausende an der Grenze fest. Foto: Chrissi Wilkens
Werden die über die Balkan-Route kommenden Flüchtlinge von Österreich und Deutschland abgewiesen, droht eine Kettenreaktion: Die vorgelagerten Staaten schließen ihre Grenzen. Griechenland droht für die Flüchtlinge zur Sackgasse zu werden. Foto: Salinia Stroux

Arbeitsfelder des RSPA-Teams

Einsatz gegen Willkür

Stundenlang harren Flüchtlinge vor Polizeistationen auf Lesbos aus, um endlich registriert zu werden. Immer wieder werden sie weggeschickt – sogar Menschen, die verletzt und besonders schutzbedürftig sind. Unsere Anwältinnen intervenieren, gehen gegen Willkür vor. In und um Mytilene auf der Insel Lesbos campieren mehr als 5.000 Flüchtlinge.

Ermöglichung legaler Ausreise

Unser Team hilft Schutzsuchenden, die Verwandte in Deutschland oder anderen EU-Staaten haben, bei der legalen Weiterreise zu ihren Familien. So treffen wir auf Lesbos zum Beispiel eine junge Afghanin aus Deutschland, die verzweifelt einen Weg für ihre Eltern und Geschwister sucht, zu ihr kommen zu dürfen. Der bürokratische Prozess für die legale Weiterreise dauert jedoch viele Monate. Wie soll die Familie in der Zwischenzeit überleben? Muss sie sich auf den gefährlichen »illegalen« Weg machen?

Kampf für Gerechtigkeit

Im Herbst 2014 wurde der syrische Flüchtling A. von einer Kugel getroffen, während er sich unter Deck eines Flüchtlingsbootes befand, das in Richtung griechische Inseln unterwegs war. Die griechische Küstenwache feuerte auf den Motor des Bootes, A. erlitt schwere Hirnverletzungen. Bis heute liegt er im Koma. Unsere Anwältinnen konnten die Familienzusammenführung des schwer verletzten Mannes nach Schweden erwirken. PRO ASYL übernimmt die Kosten für den Transport.

Suche nach Vermissten, Begleitung von Überlebenden und Angehörigen

Am 7. Juli 2015 kentert ein Flüchtlingsboot mit rund 40 Passagieren zwischen den griechischen Inseln Agathonisi und Farmakonisi. 21 Flüchtlinge werden von der türkischen und griechischen Küstenwache gerettet, eine Leiche wurde kurz nach der Katastrophe geborgen, 18 Menschen werden vermisst. Ein Angehöriger aus Deutschland kontaktiert PRO ASYL: Zwei Familienmitglieder – eine Frau und ein Mann – seien auf dem Boot gewesen. Unsere Anwältinnen nehmen die Suche auf. Der Mann wird kurz darauf in einem Krankenhaus auf Samos gefunden – die Frau ist verschollen.

Rechtshilfe gegen Kriminalisierung

Wir stehen einer jungen griechischen Studentin in ihrem Prozess zur Seite. Sie hatte eine schwangere Frau zusammen mit anderen Flüchtlingen zur nächsten Polizeistation auf Lesbos gefahren. Ein Jahr Haft drohte ihr aufgrund dieses »Vergehens«. Der Staatsanwalt plädierte auf schuldig. Das Verfahren endet schließlich mit Freispruch. Die Warnung ist jedoch klar: Wer es wagt, Flüchtlingen zu helfen, wird von den Behörden schikaniert.

Humanitäre Nothilfe

Tausende Flüchtlinge campieren auf Lesbos in einem notdürftigen Aufnahmelager. Dort werden viele Menschen krank. Allein an zwei Tagen wurden 12 Kinder ins Krankenhaus eingeliefert.

PRO ASYL erweitert sein Projekt: Zumindest die Familien mit kleinen Kindern wollen wir mit Windeln, Milch und dem Wichtigsten zum Überleben versorgen. Unsere Mittel sind jedoch viel zu gering, um die Situation grundlegend zu verbessern. Nötig wäre ein flächendeckender Großeinsatz der deutschen und europäischen Katastrophenhilfsorganisationen. Wir versuchen alles, um einen solchen Einsatz zu erreichen.

Eine wirkliche Lösung der griechischen und europaweiten Flüchtlingskrise kann nur durch eine solidarische Flüchtlingsaufnahme in Europa erreicht werden. PRO ASYL setzt sich dafür auf allen Ebenen ein. Dabei setzen wir auf Ihre Hilfe. Bitte unterstützen Sie den Einsatz von PRO ASYL für eine gerechte und humane europäische Flüchtlingspolitik.