06.03.2012

Im Vor­feld des EU-Innen­mi­nis­ter­tref­fens kri­ti­siert PRO ASYL die Blo­cka­de­hal­tung des Bundesinnen­ministeriums: Bei den schlep­pend ver­lau­fen­den EU-Ver­hand­lun­gen über gemein­sa­me Asyl­ver­fah­ren, Auf­nah­me­be­din­gun­gen und die Asyl­zu­stän­dig­keits­re­ge­lung (Dub­lin-II) will Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich mit knapp 20 Vor­be­hal­ten höhe­re Schutz­stan­dards für Flücht­lings­kin­der ver­hin­dern.

Geht es nach dem Wil­len des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um wird Euro­pa an der schä­bi­gen Inhaftierungs­praxis von Min­der­jäh­ri­gen fest­hal­ten. „Die­se Hal­tung des Bun­des­in­nen­mis­ters ist bor­niert, herz­los und kin­der­feind­lich“, so Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL

Bei den Ver­hand­lun­gen zum Richt­li­ni­en­vor­schlag bezüg­lich der Auf­nah­me­be­din­gungs­richt­li­nie argu­mentiert Deutsch­land mit Unter­stüt­zung von Frank­reich und Spa­ni­en, dass die Inhaf­tie­rung von un­begleiteten min­der­jäh­ri­gen Flücht­lin­gen für ein effek­ti­ves Grenz­ver­fah­ren not­wen­dig sei. Bei der Reform der Dub­lin-II- Ver­ord­nung hat die EU-Kom­mis­si­on vor­ge­schla­gen, dass unbe­glei­te­te Minder­jährige nie inhaf­tiert wer­den soll­ten: „Unac­com­pa­nied minors shall never be detai­ned“. Die deut­sche Dele­ga­ti­on for­dert mit ande­ren Mit­glieds­staa­ten die Strei­chung die­ses Pas­sus.

Zudem wehrt sich Deutsch­land gegen einen Richt­li­ni­en­vor­schlag zum Asyl­ver­fah­ren, der vor­sieht, dass unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Schutz­su­chen­de unter 14 Jah­ren von beson­ders belas­ten­den Asyl­verfahren aus­ge­nom­men wer­den sol­len. Deutsch­land setzt sich dafür ein, dass auch Kin­der be­schleunigten Asyl­ver­fah­ren, Asyl­ver­fah­ren in Tran­sit­be­rei­chen an der Gren­ze und Zurück­wei­sun­gen in soge­nann­te siche­re Dritt­staa­ten aus­ge­setzt wer­den.

Geht es nach der Bun­des­re­gie­rung, sol­len Min­der­jäh­ri­ge ab 16 Jah­ren wie Erwach­se­ne behan­delt wer­den: Die deut­sche Dele­ga­ti­on spricht sich bei den Ver­hand­lun­gen zu Asyl­ver­fah­ren gegen die Fest­le­gung der Alters­schwel­le von 18 Jah­ren zur Defi­ni­ti­on der Ver­fah­rens­mün­dig­keit aus.

„Aktu­ell agiert Deutsch­land bei den Kin­der­rech­ten wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, so Karl Kopp. „Wäh­rend Fami­li­en­mi­nis­te­rin Schrö­der am 28. Febru­ar 2012 in Genf die ‚gro­ße Bedeu­tung der UN- Kinder­rechtskonvention‘ unter­strich und anläss­lich der Unter­zeich­nung des neu­en Zusatz­pro­to­koll für ein Indi­vi­du­al­be­schwer­de­recht zur UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on von einer ‚Vor­rei­ter­rol­le Deutsch­lands‘ in Sachen Kin­der­schutz sprach, setzt ihr Kol­le­ge Fried­rich in Brüs­sel alles dar­an, die Umset­zung der UN- Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on im euro­päi­schen Asyl­sys­tem zu ver­hin­dern.“

Anstatt die gesetz­ge­be­ri­sche Taten­lo­sig­keit bei der vol­len Umset­zung der UN- Kinderrechtskonven­tion in Deutsch­land zügig zu über­win­den, will das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um die bun­des­deut­schen Stan­dards, die die Kin­de­rech­te ein­deu­tig ver­let­zen, in 27 Mit­glieds­staa­ten expor­tie­ren.

PRO ASYL for­dert die Bun­dess­re­gie­rung auf, die­se wider­sprüch­li­che Posi­tio­nie­rung zu been­den und end­lich die umfas­sen­de Umset­zung der UN- Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on zur Richt­schnur der deut­schen Poli­tik zu machen. Die Rück­nah­me der auf die Rech­te von Flücht­lings­kin­dern bezo­ge­nen Vor­be­hal­te bei den Ver­hand­lun­gen zu einem euro­päi­schen Asyl­sys­tem wäre hier­für ein ers­ter Schritt.

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