17.11.2011

Gesetz­li­cher Ände­rungs­be­darf und For­de­run­gen an die Poli­tik nach der Rück­nah­me der Vor­be­hal­te zur UN-Kinderrechtskonvention

Anläss­lich des Jah­res­ta­ges der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on for­dert PRO ASYL die Bun­des­re­gie­rung, den Bun­des­tag und die Län­der auf, umge­hend die aus der Rück­nah­me der Vor­be­hal­te zwin­gen­den recht­li­chen Kon­se­quen­zen zu zie­hen und die in der Kon­ven­ti­on auch den Flücht­lings­kin­dern garan­tier­ten Rech­te end­lich „ohne Wenn und Aber“ umzu­set­zen. „Seit der Rück­nah­me vor über einem Jahr hat die Regie­rung wert­vol­le Zeit ver­strei­chen las­sen, ohne das deut­sche Aus­län­der- und Asyl­recht an die zen­tra­len Bestim­mun­gen der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on anzu­pas­sen“, so Rechts­an­walt Hubert Hein­hold, Vor­stands­mit­glied von PRO ASYL. So dro­he eines der zen­tra­len Vor­ha­ben die­ser Regie­rung, die Ver­bes­se­rung des Schut­zes von Kin­dern, zu versanden.

„Flücht­lings­kin­der sind die wehr­lo­ses­ten Opfer von Krieg, Gewalt und Unter­drü­ckung; sie sind in beson­de­rem Maße auf Hil­fe und Für­sor­ge ange­wie­sen. Aber gera­de hier ver­letzt der Staat sei­ne beson­de­re Schutz­pflicht ihnen gegen­über“, erklär­te Hei­ko Kauff­mann, Vor­stands­mit­glied von PRO ASYL.

Nach wie vor wer­den Flücht­lings­kin­der in Deutsch­land benach­tei­ligt: Das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs-gesetz gewährt Flücht­lings­kin­dern nur zwei Drit­tel des­sen, was Kin­dern nach dem ohne­hin zu knapp bemes­se­nen Hartz-IV-Satz zusteht. Die­ses dis­kri­mi­nie­ren­de Gesetz sorgt auch dafür, dass Flücht­lings­kin­der vie­ler­orts in Lagern leben müs­sen. Sie erhal­ten nur eine medi­zi­ni­sche Not­ver­sor­gung, ihr Zugang zu Bil­dung ist ein­ge­schränkt. Zudem wer­den 16- und 17Jährige im Asyl­ver­fah­ren wie Erwach­se­ne behan­delt. Und immer wie­der wer­den auch min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge in ande­re EU-Staa­ten abge­scho­ben, selbst wenn ihnen dort – wie etwa in Ita­li­en oder Mal­ta – unmensch­li­che Lebens­be­din­gun­gen drohen.

„Kin­der­rech­te sind die Rech­te aller Kin­der, auch der Kin­der auf der Flucht“, so der Schirm­herr der Kam­pa­gne »Jetzt erst Recht(e)«, Prof. Dr. Lothar Krapp­mann, der vie­le Jah­re Mit­glied im UN-Aus­schuss für die Rech­te des Kin­des war.

„Will die Bun­des­re­gie­rung dem auch von UN-Gre­mi­en erho­be­nen Vor­wurf der sys­te­ma­ti­schen Aus­gren­zung von Flücht­lings­kin­dern glaub­wür­dig begeg­nen, muss sie end­lich umfas­sen­de Geset­zes­än­de­run­gen vor­neh­men“, sag­te Albert Rie­dels­hei­mer, Mit­glied der Koor­di­nie­rungs­grup­pe der Natio­nal Coali­ti­on für die Umset­zung der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on in Deutschland.

Unter ande­rem for­dert PRO ASYL:

  • Das Kin­des­wohl muss als vor­ran­gi­ges Prin­zip im Asyl- und Auf­ent­halts­recht ver­an­kert werden.
  • Die Ver­fah­rens­mün­dig­keit im Asyl­ver­fah­ren muss auf 18 Jah­re her­auf­ge­setzt werden.
  • Die Man­gel­ver­sor­gung nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz muss been­det werden.
  • Abschie­bun­gen von Min­der­jäh­ri­gen in ande­re EU-Staa­ten (Dub­lin-Ver­fah­ren) müs­sen unterbleiben.
  • Die Anord­nung von Abschie­bungs­haft für Min­der­jäh­ri­ge muss end­lich ver­bo­ten werden.

Hin­weis: Zum gesetz­li­chen Ände­rungs­be­darf auf­grund der Rück­nah­me der Vor­be­hal­te zur Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on hat PRO ASYL eine aus­führ­li­che Bro­schü­re her­aus­ge­ge­ben,
Anzu­for­dern unter presse(at)proasyl.de.

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