14.07.2011

Ein Jahr nach der in New York am 15. Juli 2010 besie­gel­ten Rück­nah­me der Vor­be­hal­te zur UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on übt die Flücht­lings­or­ga­ni­sa­ti­on PRO ASYL schar­fe Kri­tik an der Hal­tung der Bun­des­re­gie­rung.

Nach wie vor ver­stößt die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nach Auf­fas­sung von PRO ASYL wei­ter­hin gegen zen­tra­le Bestim­mun­gen der Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on und ver­letzt ihre Für­sor­ge­pflicht gegen­über den ihrer Obhut anver­trau­ten, auf den beson­de­ren Schutz und die Hil­fe des Staa­tes ange­wie­se­nen Flücht­lings­kin­dern.

„Will die Bun­des­re­gie­rung dem – auch von UN-Gre­mi­en – erho­be­nen Vor­wurf der sys­te­ma­ti­schen Aus­gren­zung von Flücht­lings­kin­dern und ihrer staat­lich ver­wei­ger­ten Inte­gra­ti­on glaub­wür­dig begeg­nen, besteht drin­gen­der poli­ti­scher und gesetz­li­cher Hand­lungs­be­darf“, erklärt Hei­ko Kauffmann, Vor­stands­mit­glied von PRO ASYL.

Ein Jahr lang hat die Bun­des­re­gie­rung ver­strei­chen las­sen, ohne Kon­se­quen­zen aus der Rück­nah­me der Vor­be­hal­te zur UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on zu zie­hen. „Die Gleich­gül­tig­keit gegen­über Flücht­lings­kin­dern muss end­lich been­det wer­den“, so Hei­ko Kauffmann. So wer­den min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge in ande­re EU-Staa­ten auf­grund büro­kra­ti­scher Zustän­dig­keits­kri­te­ri­en abge­scho­ben, selbst wenn ihnen dort – wie z.B. in Ita­li­en – unmensch­li­che Lebens­be­din­gun­gen dro­hen.

Das dis­kri­mi­nie­ren­de Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz gewährt min­der­jäh­ri­gen Flücht­lings­kin­dern ein Drit­tel weni­ger als Kin­dern im Hartz-IV-Bezug. Die­ses gehört eben­so abge­schafft wie die Pflicht, in Lagern leben zu müs­sen. Zudem muss die Ver­fah­rens­mün­dig­keit in asyl- und aus­län­der­recht­li­chen Ver­fah­ren, die bis­her bereits ab dem 16. Lebens­jahr beginnt, drin­gend auf 18 Jah­re her­auf­ge­setzt wer­den.

Zudem müs­sen die Bil­dungs­hür­den end­lich besei­tigt wer­den, die Flücht­lings­kin­dern und Kin­dern mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund die gesell­schaft­li­che Teil­ha­be erschwe­ren. Aus­län­der­recht­li­che Aus­bil­dungs­ver­bo­te für Jugend­li­che, die bei mög­li­chen Ver­feh­lun­gen der Eltern ver­hängt wer­den, müs­sen abge­schafft wer­den, da sie in Form der Sip­pen­haft die Jugend­li­chen unver­hält­nis­mä­ßig um ihre Zukunfts­chan­cen brin­gen.

Kauffmann for­dert die Bun­des­re­gie­rung, den Bun­des­tag und die Län­der erneut auf, nun end­lich die zwin­gen­den recht­li­chen Kon­se­quen­zen zu zie­hen und die in der Kon­ven­ti­on auch allen Flücht­lings­kin­dern garan­tier­ten Rech­te „ohne Wenn und Aber“ umzu­set­zen.

PRO ASYL ist Trä­ger der Kam­pa­gne „Jetzt erst Recht(e) für Flücht­lings­kin­der“

Gast­bei­trag von Hei­ko Kauffmann in der Frank­fur­ter Rund­schau vom 15.07.2011: „Kin­der zwei­ter Klas­se“

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