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In Gevgelija an der griechisch-mazedonischen Grenze herrscht nun auch offiziell der Ausnahmezustand. Polizisten gehen dort gegen Flüchtlinge vor. Foto: Björn Kietzmann

Kontrollen, Zäune, Polizeigewalt: Die zentrale Balkan-Fluchtroute wird momentan systematisch versperrt. Frankreich und Deutschland wollen nun EU Aufnahmelager „Hotspots“ in Griechenland. Die Gefahr: Zehntausende Flüchtlinge werden auf Dauer in großen EU-Lagern in dem Randstaat festsitzen.

Der letzte Ausweg vieler Flüchtlinge, die vor allem aus Syrien, Irak und Afghanistan kommen, war in den letzten Monaten der Weg über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn nach Zentraleuropa. Dieser Weg wird nun systematisch versperrt.

Mazedonien hat den Ausnahmezustand ausgerufen und die Grenze zu Griechenland geschlossen. Bereitschaftspolizisten gingen laut Medienberichten mit Blendgranaten und Tränengas gegen Flüchtlinge vor, die versuchten die Grenze zu überqueren. Mindestens vier Menschen seien verletzt worden.

Ungarn baut momentan einen 175 Kilometer lange und vier Meter hohen Grenzzaun an der ungarisch-serbischen Grenze. Seit der Zaunbau bekannt wurde, ist die Zahl der Flüchtlinge massiv gestiegen. Viele Flüchtlinge versuchen offenbar, noch vor der Fertigstellung von Griechenland über die Balkanroute nach Zentraleuropa zu gelangen. Die Zahl der Asylanträge in Ungarn ist bereits jetzt dreimal so hoch wie im gesamten Vorjahr. Von Januar bis Juli 2015 wurden 103.000 Anträge gezählt, in 2014 waren es insgesamt 43.000.

Die Innenminister von Deutschland und Frankreich haben am Donnerstag-Abend eine gemeinsame EU-Initiative vereinbart, um auf die steigenden Flüchtlingszahlen zu reagieren. Am Montag beraten laut Medienberichten die Regierungschefs beider Länder: Bis Ende des Jahres sollen europäische Aufnahme- und Entscheidungszentrum – sogenannte „Hotspots“ – unter anderem in Griechenland entstehen.

Rund 150.000 Flüchtlinge sind bereits in diesem Jahr auf den Ägäis-Inseln angekommen. Allein im Juli haben 50.000 Flüchtlinge Griechenland erreicht – und stranden dort im Elend. Staatliche Versorgung gibt es so gut wie nicht, Ehrenamtliche versorgen die Schutzsuchenden mit dem Nötigsten.

Die Idee, diese Krise durch riesige europäische Aufnahme- und Entscheidungszentrum in Griechenland zu lösen und Flüchtlinge von dort zu verteilen, ist mehr als realitätsfern. Gerade einmal 16.000 Flüchtlinge wollen die EU-Staaten laut Gipfelbeschluss vom 26. Juni 2015 innerhalb von zwei Jahren aus Griechenland verteilen. Die Zugangszahlen liegen bereits in der ersten Jahreshälfte fast um das Zehnfache darüber.

Setzen sich Deutschland und Frankreich durch, würden zehntausende Menschen dauerhaft in Großlagern in Griechenland festsitzen, da Europa gleichzeitig die Fluchtwege nach Nord- und Mitteleuropa dicht macht. Eine beschämende Antwort auf die größte Flüchtlingskrise seit dem zweiten Weltkrieg.

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