03.09.2012

Heu­te, am 3. Sep­tem­ber 2012, wer­den 195 Flücht­lin­ge aus dem Flücht­lings­la­ger Chou­cha an der libysch-tune­si­schen Gren­ze in Han­no­ver ankom­men. Sechs wei­te­re Flücht­lin­ge sol­len erst nach einer medi­zi­ni­schen Behand­lung in Deutsch­land ein­tref­fen. Die meis­ten Schutz­su­chen­den kom­men aus dem Sudan (Dar­fur), Soma­lia, Eri­trea, Irak und Äthio­pi­en. 2011 waren sie vor dem Krieg in Liby­en geflo­hen und war­te­ten über ein­ein­halb Jah­re auf eine  Auf­nah­me.

PRO ASYL for­dert, das Resett­le­ment aus­zu­wei­ten. „Die ers­ten 300 dür­fen nicht die letz­ten sein“, sag­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL. Bis­lang haben sich die Innen­mi­nis­ter von Bund und Län­dern nur auf die Auf­nah­me von 300 Flücht­lin­gen pro Jahr geei­nigt. PRO ASYL for­dert die sofor­ti­ge Aus­wei­tung des Pro­gramms und die wei­te­re Auf­nah­me von Flücht­lin­gen – nicht nur aus Tune­si­en.

Anga­ben von UNHCR zufol­ge leben in Chou­cha aktu­ell rund 2 200 aner­kann­te Flücht­lin­ge, 146 Asyl­su­chen­de und 280 abge­wie­se­ne Schutz­su­chen­de. 1 320 Flücht­lin­gen wur­de zwar ein Auf­nah­me­platz (Resett­le­ment) in einem siche­ren Dritt­staat zuge­sagt, sie befin­den sich jedoch nach wie vor im Lager. Es wer­den drin­gend wei­te­re 900 Resett­le­ment-Plät­ze für die übri­gen aner­kann­ten Flücht­lin­ge benö­tigt, die in Chou­cha unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen leben. Unter ande­rem ist der Zugang zu Trink­was­ser sehr ein­ge­schränkt, die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung ist man­gel­haft und die sani­tä­ren Anla­gen in sehr schlech­tem Zustand.

Zusätz­lich zu den rund 200 Flücht­lin­gen aus Chou­cha sol­len 100 ira­ki­sche Flücht­lin­ge aus der Tür­kei auf­ge­nom­men wer­den. Ange­sichts der sich immer wei­ter ver­schär­fen­den Situa­ti­on an der syrisch- tür­ki­schen Gren­ze und der per­spek­tiv­lo­sen Situa­ti­on vie­ler bereits seit lan­gem in der Tür­kei ver­zwei­felt auf Resett­le­ment war­ten­den Flücht­lin­ge for­dert PRO ASYL ein ent­schie­de­nes Han­deln Deutsch­lands und der ande­ren EU-Staa­ten. „Wer im UN-Sicher­heits­rat den Vor­sitz hat, muss mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen“, sag­te Gün­ter Burk­hardt. Die Tür­kei braucht nicht nur Zel­te und Medi­ka­men­te, son­dern wei­te­re Unter­stüt­zungs­maß­nah­men.

Die Euro­pä­er dür­fen die Tür­kei nicht allein las­sen. Sie ist der wich­tigs­te Tran­sit­staat für Flüch­ten­de aus Län­dern wie dem Iran, Irak, Afgha­ni­stan und Syri­en auf dem Weg nach Euro­pa. Wer eine Schlie­ßung der tür­ki­schen Gren­zen ver­hin­dern will, muss dort fest­sit­zen­den Flücht­lin­gen eine Per­spek­ti­ve geben. In der Tür­kei war­ten bereits über 15 000 Flücht­lin­ge – die Schutz­su­chen­den aus Syri­en nicht ein­ge­rech­net –  auf die Auf­nah­me in einem Staat, der Ihnen Schutz bie­tet. Die Tür­kei selbst hat kein Schutz­sys­tem für Flücht­lin­ge. Aus Syri­en sind bereits 229 000 Men­schen in ande­re Staa­ten geflo­hen.

Link:

http://www.tunisia-live.net/2012/09/01/201-shousha-camp-refugees-to-be-resettled-in-germany/

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