27.11.2012
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"save me" in Schwäbisch-Hall stellte sich mit einem Infostand der Öffentlichkeit vor.

Als 50. Stadt hat Schwäbisch-Hall "ja" gesagt zur Aufnahme von Resettlement-Flüchtlingen. PRO ASYL interviewte dazu Edith Zimmer, Sprecherin der lokalen "save-me"-Initiative.

Im Dezember 2011 entschied die Innenministerkonferenz, dass Deutschland sich dauerhaft am UN-Flüchtlingsaufnahmeprogramm (Resettlement) beteiligt und in diesem Rahmen zunächst jährlich 300 Flüchtlinge aufnimmt. Angesichts von jährlich 80 000 Flüchtlingen, die im Rahmen des Programms an aufnahmebereite Staaten vermittelt werden, ist der deutsche Beitrag jedoch nicht mehr als ein Fingerzeig. Dabei sind Bürgerinnen und Bürger sehr wohl bereit und in der Lage, weitere Resettlement-Flüchtlinge aufzunehmen:

Inzwischen 56 Städte nehmen an der von PRO ASYL koordinierten Save-me-Kampagne teil und wollen Resettlement-Flüchtlinge aufnehmen. Mehr als 7 000 Menschen haben sich bereit erklärt, ankommenden Flüchtlingen als Patinnen und Paten hilfreich zur Seite zu stehen. Als 50. Stadt hat Schwäbisch-Hall „ja“ gesagt zum Resettlement. PRO ASYL nahm dies zum Anlass für ein Interview mit der Sprecherin der dortigen „save me“-Initiative, Edith Zimmer.

Edith Zimmer, herzlichen Glückwunsch zum 50. Aufnahmebeschluss der Save-me-Kampagne! Hätten Sie ihrer Stadt das zugetraut? 

Ehrlich gesagt haben wir uns schon erhofft, dass wir damit durchkommen. Aber dass wir im Gemeinderat ganz ohne Überzeugungsarbeit einen einstimmigen Beschluss kriegen, das hätten wir uns nicht träumen lassen. Bei all meinen Engagements habe ich noch nie so wenig kämpfen müssen. Die Rahmenbedingungen für „save me“ fühlen sich also schon mal gut an.

Wollen Sie uns etwas über die Ursprünge ihrer Projektgruppe verraten?

Unsere Save-me-Gruppe hat sich in der „Frauenakademie“ gegründet, bei einem Seminar zum Thema „Festung Europa“. Darin hat unsere Dozentin auch die Save-me-Kampagne vorgestellt, und wir Kursteilnehmerinnen haben gesagt, ok, da werden wir mal tätig. Drei von uns haben mit „save me“ weiter gemacht. Das war im Herbst 2011.

Etwas über ein Jahr später fiel schon der Beschluss, jährlich ein Promille der Bevölkerung der Stadt, 35 bis 38 Personen, aufzunehmen. Was passierte in der Zeit dazwischen?

Ende Januar 2012 haben wir dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat  eine Liste von Unterschriften der Frauen aus der Frauenakademie geschickt, begleitend mit der Aufforderung, sich an „save me“ zu beteiligen. Der Oberbürgermeister hat gleich mit der Idee sympathisiert.

Gab es von der einen oder anderen Seite politischen Gegenwind?

Nach der Vorstellung der Kampagne im Sozialausschuss wurde einstimmig beschlossen, „save me“ zu unterstützen, ebenso später im gesamten Rat. Die spontane Reaktion war: Was der Bund da macht, jährlich 300 Plätze, begrenzt auf die gesamte Bundesrepublik und auf drei Jahre, das ist ja eher peinlich. Wir kriegen diese Leute hier untergebracht, wir kriegen sie integriert, das passt zu unserer Stadt.

Wie haben Sie „save me“ der Öffentlichkeit in Schwäbisch-Hall vorgestellt?

Einige Mitglieder des Sozialausschusses haben von sich aus ziemlich gute Pressearbeit gemacht. Wir als Projektgruppe haben am Internationalen Freundschaftstag einen Stand auf der Integrationsmesse gemacht. Dabei haben wir Paten gewonnen, die die Resettlementflüchtlinge „an die Hand“ nehmen. Bislang haben wir etwa zehn Patenschaften. Wir wollen aber noch weitere gewinnen.

Bei so viel Fürsorge können die Flüchtlinge aus dem Resettlement-Programm ja bald zu Ihnen kommen…

Schön wäre es, wenn das so schnell gehen würde! Es kann aber Jahre dauern, bis überhaupt jemand in Schwäbisch-Hall ankommt. Zwischen dem Kontingent der Bundesrepublik und dem, was 50 Städte bislang zugesagt haben, da liegen doch Welten!

Was wäre also Ihre Forderung an die Bundesregierung?

Wir wollen, dass die Bundesregierung ihr Kontingent um die Summe der von den Städten zugesagten Aufnahmeplätze erhöht. Nehmen wir an, dass jede Save-me-Stadt jährlich die Zahl an Flüchtlingen aufnimmt, die einem Promille ihrer Bevölkerung entspricht. Da sind wir schon bei einigen Tausend Menschen, die in Deutschland dauerhaft ein Zuhause finden können.

„Save me“ goes Europe  (10.06.13)

Resettlement: Deutschland kann mehr! (19.11.12)

Zweite Aufnahmeaktion im Rahmen des Resettlement-Programms (09.10.12)

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