06.01.2014
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Die Überfahrt etwa von Libyen nach Italien in einem kaum seetauglichen, überfüllten Boot, ist in den Wintermonaten noch gefährlicher. Bild: flickr/psicologiaclinica

Zwischen dem ersten und dem zweiten Januar rettete die italienische Marine mehr als 1000 Bootsflüchtlinge innerhalb von 24 Stunden aus dem Mittelmeer. Die Überfahrt unter winterlichen Bedingungen ist mit großen Risiken verbunden.

Am 3. Oktober waren vor Lampedusa mehr als 360 Flüchtlinge nach einer Havarie ihres Bootes gestorben. Wegen der eisigen Wassertemperaturen und der stürmischeren See ist das Todesrisiko für Flüchtlinge, die in oft überfüllten und kaum seetauglichen Booten die Überfahrt nach Europa wagen, in den Wintermonaten noch höher. Normalerweise sinkt daher die Zahl der Ankünfte im Winter.

Doch die aktuellen Ankünfte zeigen, dass verzweifelte Flüchtlinge trotz der Jahreszeit jedes Risiko in Kauf nehmen, um in Europa Schutz zu finden. Die griechische Küstenwache rettete am 2. Januar 85 Flüchtlinge vor der Insel Astypalya. Die von der italienischen Marine am ersten Januar geretteten 233 Schutzsuchenden stammten der Marine zufolge aus Pakistan, Eritrea, Nigeria, Zambia und Mali.  Am zweiten Januar rettete die italienische Marine 823 Flüchtlinge, darunter 42 Kinder. Sie kamen hauptsächlich aus Ägypten, Tunesien, Irak und Pakistan. In den vergangenen Monaten haben sich auch Tausende syrische Bürgerkriegsflüchtlinge über das Meer auf den Weg nach Europa gemacht, weil sie es kaum legale Einreisemöglichkeiten für sie gibt.

EU-Abschottungspolitik wird verschärft

Während die EU ihre Abwehrmaßnahmen gegen Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ausweiten will, kritisieren Menschenrechtsorganisationen, dass das Sterben dadurch nicht beendet wird und Flüchtlinge auf immer gefährlichere und teurere Wege gezwungen werden. Immer wieder kommt es auf dem Mittelmeer zu schweren Menschenrechtsverletzungen gegen Flüchtlinge.

Menschenrechtsverletzungen auf dem Meer 

So hat PRO ASYL systematische völkerrechtswidrige Push-Backs durch die griechische Küstenwache in der Ägäis dokumentiert. Vor der Küste Libyens, mit dem Italien bei der Bekämpfung „illegaler“ Migration kooperiert, wurde im Oktober ein Flüchtlingsboot offenbar von libyschem Militär beschossen. Im Dezember war durch eine Recherche des italienischen Journalisten Fabrizio Gatti bekannt geworden, dass Italien einem Flüchtlingsboot die Rettung verweigerte; rund 250 Menschen starben.

Angesichts der Möglichkeit, dass die Zahl der Bootsflüchtlinge sich diesen Winter nicht verringert, erneuert PRO ASYL seine Forderung, dass die menschenrechtswidrigen Praktiken auf dem Mittelmeer sofort beendet werden und die Staaten der EU alles menschenmögliche unternehmen müssen, um in Seenot geratene Flüchtlinge zu retten. 

Medienberichte: BBC;  spiegel-online;

 Lampedusa: Flüchtlinge erniedrigend behandelt (18.12.13)

 Im Schatten der Zitadelle: Studie beleuchtet Einfluss des EU-Migrationsregimes auf „Drittstaaten“ (17.12.13)

 Beschluss des EU-Rates zur Flüchtlingspolitik nach den Katastrophen vor Lampedusa (28.10.13)