24.04.2012

Asyl­su­chen­de wer­den in Ungarn rechts­wid­ri­ger Inhaf­tie­rung, Miss­hand­lun­gen in Haft und der Gefahr von Ket­ten­ab­schie­bun­gen aus­ge­setzt. Dies doku­men­tiert ein heu­te erschie­ne­ner Bericht des UNHCR-Regio­nal­bü­ros in Buda­pest. Der Bericht ist ein ein­deu­ti­ger Beleg für sys­te­mi­sche Män­gel der Auf­nah­me­be­din­gun­gen und des Asyl­ver­fah­rens in Ungarn.

„Die Bun­des­re­gie­rung muss Abschie­bun­gen nach Ungarn sofort stop­pen“, so Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL. Nach einem Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom 21. Dezem­ber 2011 dür­fen Asyl­su­chen­de aus EU-Staa­ten nicht in ande­re Mit­glied­staa­ten abge­scho­ben wer­den, wenn dort sys­te­mi­sche Män­gel im Asyl­sys­tem vor­lie­gen, aus denen sich eine unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung erge­ben kann.

Der UNHCR-Bericht weist nach, dass Asyl­su­chen­de in Ungarn regel­mä­ßig unmensch­li­cher und ernied­ri­gen­der Behand­lung aus­ge­setzt wer­den und bestä­tigt damit einen Bericht von PRO ASYL vom März 2012. Bis­her wur­den im Rah­men des euro­päi­schen Asyl­zu­stän­dig­keits­sys­tems Flücht­lin­ge aus Deutsch­land nach Ungarn abge­scho­ben, wenn die­se über Ungarn in die EU ein­ge­reist waren.

Das 28-Sei­ti­ge Doku­ment des UNHCR belegt, dass Asyl­su­chen­de in Ungarn regel­mä­ßig rechts­wid­rig inhaf­tiert wer­den. Im Dezem­ber 2010 wur­de die maxi­ma­le Abschie­bungs­haft­dau­er von sechs auf zwölf Mona­te her­auf­ge­setzt. Im Jahr 2011 muss­ten zwei Drit­tel aller Asyl­su­chen­den ihr Schutz­ge­such in Haft stel­len. Effek­ti­ve Rechts­mit­tel gegen die Ver­hän­gung von Abschie­bungs­haft wer­den den Inhaf­tier­ten ver­wei­gert. Der Bericht doku­men­tiert zudem Miss­hand­lun­gen in den Haft­an­stal­ten, das Ver­ab­rei­chen von Beru­hi­gungs­mit­teln und elen­de sozia­len Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Schutz­su­chen­de.

UNHCR zeigt zudem auf, dass Flücht­lin­gen in Ungarn kein Schutz vor Ket­ten­ab­schie­bun­gen in Dritt­staa­ten gewähr­leis­tet wird. Asyl­su­chen­de, die aus ande­ren EU-Staa­ten nach der Dub­lin-II-Ver­ord­nung nach Ungarn abge­scho­ben wer­den, lau­fen dort in beson­de­rem Maße Gefahr, in Dritt­staa­ten wie etwa Ser­bi­en abge­scho­ben zu wer­den, ohne dass ihr Asyl­ge­such je in einem EU-Staat geprüft wur­de. 

Unbe­glei­te­te Kin­der und Jugend­li­che, die von ande­ren EU- Staa­ten über­stellt wer­den, lau­fen in Ungarn Gefahr, nach Ankunft als „Erwach­se­ne“ dekla­riert und inhaf­tiert zu wer­den. 

Zum UNHCR-Bericht „Obser­va­tions on the situa­ti­on of asyl­um- see­kers and refu­gees in Hun­ga­ry, April 2012

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