06.05.2014
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Berlin Refugee Schulstreik. Foto: flickr/Quilombo-Fotos

Trotz der menschenunwürdigen Zustände in Ländern wie Italien oder Ungarn sind viele Flüchtlinge von Abschiebungen dorthin bedroht. Seit Samstag befindet sich erneut eine Gruppe von Flüchtlingen in Berlin im Hungerstreik - Spiegel der anhaltenden Perspektivlosigkeit und Verzweiflung von Flüchtlingen in Deutschland. Ein Update der Flüchtlingsproteste:

Am Sams­tag tra­ten in Ber­lin die Teil­neh­mer einer Mahn­wa­che am Alex­an­der­platz in Hun­ger­streik. Sie for­dern ein Blei­be­recht und die Ände­rung der Flücht­lings­po­li­tik der EU. Nach der so genann­ten Dub­lin-Rege­lung müs­sen Flücht­lin­ge in dem Staat Asyl bean­tra­gen, in dem sie in Euro­pa ange­kom­men sind – häu­fig Staa­ten, in denen ihre Men­schen­rech­te schwer ver­letzt wer­den. Infor­ma­tio­nen zu dem Pro­test wer­den im Blog Asyl­um Rights Evo­lu­ti­on erteilt. 

Die Grup­pe von Flücht­lin­gen, die nach der Räu­mung des Pro­test­camps auf dem Ora­ni­en­platz im April in Hun­ger­streik getre­ten war, hat­te den Streik nach 21 Tagen aus­ge­setzt, einen Tag vor dem „Myfest“ auf dem Platz und nach einem Gespräch mit der Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten des Bun­des, Aydan Özu­guz. Im Lauf der Woche wird ein wei­te­res Gespräch mit Özu­guz erwar­tet, bis dahin will die Grup­pe den Streik Medi­en­be­rich­ten zufol­ge offen­bar ruhen las­sen. Ande­re Berich­te gehen aller­dings davon aus, dass der Hun­ger­streik eini­ger Män­ner der­zeit fort­ge­setzt wird.

Ora­ni­en­platz soll Pro­test­ort blei­ben

For­de­run­gen der Flücht­lin­ge sind die erneu­te Eta­blie­rung des Info­punk­tes und eines gro­ßen Zelts für Tref­fen am Ora­ni­en­platz, sowie die Umwand­lung der besetz­ten ehe­ma­li­gen Ger­hart-Haupt­mann-Schu­le in ein selbst-orga­ni­sier­tes poli­ti­sches Zen­trum für Flücht­lin­ge. Eine Stel­lung­nah­me zur Räu­mung des Pro­test­camps fin­det sich im Blog asyl­strike ber­lin.

In der seit 1,5 Jah­ren besetz­ten ehe­ma­li­gen Ger­hart-Haupt­mann-Schu­le in Ber­lin-Kreuz­berg leben der­zeit noch meh­re­re Hun­dert Men­schen, unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen und weit­ge­hend sich selbst über­las­sen. Der Tod eines Mit­be­woh­ners bei einer gewalt­sa­men Aus­ein­an­der­set­zung in der Schu­le hat­te unter den dort Leben­den Trau­er und Ent­set­zen aus­ge­löst. 

Refu­gee Wel­co­me Cen­ter in Ham­burg 

In Ham­burg wur­de am 1. Mai in einer leer ste­hen­den Grund­schu­le das “Refu­gee Wel­co­me Cen­ter“ (RWC) eröff­net, das als Anlauf­stel­le, Not­un­ter­kunft und Arbeits­raum für Geflüch­te­te bzw. Unterstützer_innen die­nen soll. Weil die Schul­be­hör­de wegen der Beset­zung Straf­an­zei­ge gestellt hat­te, wur­de die Schu­le nach kur­zer Zeit wie­der geräumt. Doch das Emp­fangs­cen­ter bleibt bestehen: Die Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten wol­len ihren For­de­run­gen u.a. nach einem Blei­be­recht für die Flücht­lin­ge nun vor dem Gebäu­de Aus­druck ver­lei­hen. Am 7. Mai ist eine Voll­ver­samm­lung geplant, für die Zeit der Fuß­ball-WM der “Refu­gee Wel­co­me Cup”.

Auch in ande­ren Städ­ten in Deutsch­land pro­tes­tie­ren Flücht­lin­ge immer wie­der gegen ihre Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung und tre­ten öffent­lich für ihre Rech­te ein. Links zu zahl­rei­chen regio­na­len Grup­pen fin­den sich zum Bei­spiel auf dem Blog Refu­gee Strugg­le for Free­dom.

Flücht­lin­ge in Wien wol­len wei­ter pro­tes­tie­ren

In Wien bewoh­nen eini­ge Flücht­lin­ge aus der Votiv­kir­chen­pro­test­grup­pe inzwi­schen  gemein­sam ein Haus im 22. Bezirk. Acht Flücht­lin­ge aus der Grup­pe wur­den abge­scho­ben, acht wei­te­re nach unhalt­ba­ren Beschul­di­gun­gen der Schlep­pe­rei mona­te­lang ein­ge­sperrt. Die Grup­pe will ihren Pro­test fort­set­zen.

Anlass zur Sor­ge gibt die Situa­ti­on von Flücht­lin­gen in einem Gefäng­nis nahe Heathrow, Groß­bri­tan­ni­en. Um gegen die offen­bar men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen dort zu pro­tes­tie­ren, sind am 2. Mai min­des­tens 150 Flücht­lin­ge in Hun­ger­streik getre­ten. Sie for­dern unter ande­rem medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, Zugang zu Anwäl­ten und eine schnel­le­re Bear­bei­tung ihrer Ver­fah­ren.

Pro­test­marsch gegen die Fes­tung Euro­pa

Unter dem Mot­to „Lasst uns für unse­re Frei­heit auf die Stra­ße gehen!“ wol­len Asyl­su­chen­de, Geflüch­te­te, Migrant_innen und Europäer_innen, die die sich gegen die ras­sis­ti­sche Migra­ti­ons­po­li­tik der EU wen­den, im Mai und Juni zusam­men nach Brüs­sel zie­hen. 

Der Bericht erhebt kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit.

Medi­en­be­rich­te: taz 6.5.; Ber­li­ner Zei­tung; Tages­spie­gel; Ber­li­ner Mor­gen­post; Ber­li­ner Mor­gen­post 10.4.; RBB 28.4.; RBB 2.5.; taz 30.4.; taz 1.5.; Süd­deut­sche Zei­tung 3.5.; refugee-welcome-center-hh.info; Sankt Pau­li News 4.5.; network23; refugeestruggle.org; asyl­strike ber­lin; refu­ge­e­camp­vi­en­na

 Inter­na­tio­nal ver­netzt, lokal ein­ge­bun­den: Flücht­lings­pro­tes­te gehen wei­ter (02.02.15)

 Ber­lin schickt Ora­ni­en­platz­flücht­lin­ge in die Obdach­lo­sig­keit (27.08.14)

 Ohlau­er Stra­ße: Zukunft der Flücht­lin­ge wei­ter unge­wiss (30.06.14)

 Pro­test gegen „Fes­tung Euro­pa“: Flücht­lin­ge mar­schie­ren zum EU-Gip­fel in Brüs­sel (13.05.14)

 Neue Flücht­lings­pro­tes­te in Bay­ern (17.03.14)

 Lam­pe­du­sa in Ham­burg – Senat setzt auf Eska­la­ti­on (17.10.13)

 Wien: Pro­tes­tie­ren­de Flücht­lin­ge set­zen Hun­ger­streik aus (22.01.13)