01.10.2015
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Flüchtlingen in Griechenland fehlt es an allem - wie hier im Lager Moria auf Lesbos. Das Refugee Support Program Aegean von PRO ASYL leistet dort dringend benötigte Soforthilfe. Foto: Salinia Stroux

Die Sommermonate haben die MitarbeiterInnen des PRO ASYL-Projektes Refugee Support Program Aegean weit über die Grenzen ihrer Möglichkeiten beansprucht. Sei es auf der Insel Lesbos, wo sie hunderten Flüchtlingen mit Nothilfe, rechtlicher Beratung, oder Übersetzungsdiensten im Krankenhaus zur Seite stehen, sei es bei Recherchen an den See- und Landgrenzen oder in der Hauptstadt Athen. Die konkrete Hilfe im Einzelfall steht genauso im Fokus wie rechtliche und politische Interventionen. Der Herbst verspricht keine Entspannung der Lage.

Beglei­tung beson­ders ver­letz­li­cher Flücht­lin­ge auf Les­bos

Die loka­len Behör­den und alle auf Les­bos täti­gen NGOs waren wäh­rend der letz­ten Wochen mit den Aus­ma­ßen der huma­ni­tä­ren Kri­se über­for­dert und hat­ten die Gren­zen ihrer Kapa­zi­tä­ten längst über­schrit­ten. Ohne die Hil­fe dut­zen­der soli­da­ri­scher Men­schen – Ein­hei­mi­scher, Akti­vis­tIn­nen aus dem Aus­land sowie Tou­ris­ten – wäre die Situa­ti­on längst eska­liert. Das offe­ne Wel­co­me-Cen­ter PIKPA, das seit Ende 2012 durch die loka­le Soli­da­ri­täts­grup­pe „Dorf der Alle Zusam­men“ getra­gen wird, beher­bergt mitt­ler­wei­le nur noch die ganz Ver­letz­li­chen unter den Flücht­lin­gen. Mit über 150 Schutz­su­chen­den sind die Kapa­zi­tä­ten der selbst­or­ga­ni­sier­ten Unter­kunft Anfang Sep­tem­ber schon um das dop­pel­te über­schrit­ten. Vor allem Hoch­schwan­ge­re, Fami­li­en mit Säug­lin­gen, behin­der­te Men­schen, Alte und Kran­ke sind hier vor­läu­fig unter­ge­bracht. Es wird ver­sucht, die­se Men­schen vor den unmensch­li­chen Lebens­be­din­gun­gen der Lager in Kara Tepe und Moria zu bewah­ren und ihnen die not­wen­di­ge Ver­sor­gung zu bie­ten.

RSPA Mit­ar­bei­te­rIn­nen unter­stüt­zen täg­lich vie­le beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen, die in PIKPA unter­ge­bracht sind, im Kran­ken­haus behan­delt wer­den oder in den Lagern auf ihre Regis­trie­rung war­ten. „Am meis­ten erschreckt mich die abso­lu­te Abwe­sen­heit des Staa­tes“, so RSPA Mit­ar­bei­ter Nay­em Moham­ma­di, der auch im „Dorf der Alle Zusam­men“ mit­wirkt. „Alle Men­schen, die wir hier­her gebracht haben, haben wir zufäl­lig getrof­fen: Auf der Stra­ße, im Hafen, außer­halb von Moria, in Kara Tepe. Manch­mal schi­cken die NGOs oder der UNHCR beson­ders ver­letz­li­che Fäl­le her, aber es ist alles Zufall. Vie­le Men­schen, die beson­de­rer Hil­fe bedür­fen, wer­den nicht iden­ti­fi­ziert – ihnen kann nicht gehol­fen wer­den. (…) Es macht mich jedes Mal wie­der fas­sungs­los, wenn ich Schwan­ge­re vor mir habe, Kran­ke, behin­der­te Men­schen oder Babys und sehe, wie sie ver­su­chen sich durch die Pro­ze­du­ren auf Les­bos zu quä­len und die­se Etap­pe, die nur eine von vie­len auf ihrer Flucht ist, zu über­le­ben. Ich sehe unse­re Auf­ga­be dar­in, die­sen Men­schen zu hel­fen, und zwar ganz­heit­lich: Durch das gan­ze Ver­fah­ren auf der Insel und nicht nur aus­schnitts­wei­se. Dar­in liegt unse­re Stär­ke, dass wir da wei­ter­ma­chen, wo alle ande­ren auf­hö­ren. Man muss den Men­schen auch nach ihrer Regis­trie­rung hel­fen oder nach dem Kran­ken­haus­be­such… und dann erlebt man auch manch­mal ein Hap­py End.“

Hous­seyn Hmai­douch ver­bringt im Rah­men des RSPA-Ein­sat­zes beson­ders viel Zeit im Kran­ken­haus und über­setzt dort. „Mich hat die Geschich­te des 14 Mona­te alten K.S. sehr berührt. Das klei­ne kur­di­sche Kind aus Syri­en war mit sei­nem Vater, der Mut­ter und dem acht Jah­re alten Bru­der auf Les­bos ange­kom­men. Es lei­det seit sei­ner Geburt an Mikro­ze­pha­lie und zereb­ra­ler Läh­mung und daher haben sich vie­le sei­ner Orga­ne nicht rich­tig ent­wi­ckeln kön­nen. Es kann nur über die Luft­röh­re ernährt wer­den. Erst floh die Fami­lie aus dem Krieg in Syri­en in den Irak, wo das Kind auf die Welt kam. Auf der Suche nach Sicher­heit und mit der Hoff­nung, dass ihr Kind in Nord­eu­ro­pa the­ra­piert wer­den könn­te, flo­hen sie wei­ter in die Tür­kei. Mit Sauer­stoff­ver­sor­gung für das Klein­kind stie­gen sie in ein Schlauch­boot und fuh­ren nach Les­bos. Das war vor zwei Mona­ten. Das Kind wur­de ins Kran­ken­haus gebracht und am nächs­ten Tag erhielt die Fami­lie – wie alle ande­ren – ein Doku­ment, in dem sie auf­ge­for­dert wur­den nach Athen zu fah­ren, dort ihre Regis­trie­rung abzu­schlie­ßen und ihr eigent­li­ches Doku­ment zu erhal­ten. Das RSPA-Team fand die Fami­lie in PIKPA, infor­mier­te sie über ihre recht­li­chen Mög­lich­kei­ten und unter­stütz­te sie schließ­lich bei ihrem Asyl­an­trag, als die­se beschlos­sen, dass dies der ein­zi­ge Weg sei, schnell und sicher nach Nord­eu­ro­pa zu gelan­gen. K. muss­te wie­der ins Kran­ken­haus. Die drin­gen­de medi­zi­ni­sche Hil­fe, die er benö­tig­te, konn­te jedoch dort nicht geleis­tet wer­den. Daher wur­de er mit der Hil­fe von RSPA als Not­fall mit sei­ner Mut­ter nach Athen geschickt. Inzwi­schen sind alle Fami­li­en­mit­glie­der als Flücht­lin­ge aner­kannt wor­den. Der Vater und der acht­jäh­ri­ge Bru­der sind nach Athen nach­ge­reist. Sie war­ten zur­zeit in einer offe­nen Unter­kunft für Asyl­su­chen­de auf ihre Auf­ent­halts­pa­pie­re“, so Hus­seyn Hmai­douch.

Push Backs an der Land­gren­ze

Mit­ar­bei­te­rin­nen des Refu­gee Sup­port Pro­gram Aege­an von PRO ASYL (RSPA) doku­men­tier­ten zwei der vie­len Push Back Fäl­le an der Lan­des­gren­ze zwi­schen Grie­chen­land und der Tür­kei:

In der Nacht vom 24. August über­quer­te L.A., ein Flücht­ling aus Syri­en, zusam­men mit neun ande­ren Flücht­lin­gen – unter ihnen eine Frau – die grie­chisch-tür­ki­sche Lan­des­gren­ze nahe des tür­ki­schen Orts Ipsa­la. “Wir sind durch dich­te Büsche gegan­gen bis wir beim Evros Fluss ange­kom­men sind. Dann sind wir in ein klei­nes Boot ein­ge­stie­gen und haben den Fluss über­quert. Dort blie­ben wir ca. zwei bis drei Stun­den in den Büschen als wir auf ein­mal vor uns zwei Grenz­po­li­zis­ten sahen. Sie tru­gen graue Uni­for­men mit wei­ßen Stel­len und auf ihren Jacken war das Emblem der grie­chi­schen Fah­ne. Sie rie­fen per Tele­fon nach Ver­stär­kung. Dann sind zwei ande­re Poli­zis­ten gekom­men mit einem wei­ßen Klein­bus  mit blau­en Strei­fen. Sie haben uns die Han­dys weg­ge­nom­men. Ich sag­te ihnen, wir wol­len nicht wie­der zurück in die Tür­kei. Sie sag­ten uns, wir soll­ten uns kei­ne Sor­gen machen, sie wür­den uns zur Poli­zei­sta­ti­on brin­gen, regis­trie­ren und frei las­sen. Uns wur­de dann befoh­len in den Wagen ein­zu­stei­gen. Wir konn­ten nichts sehen, weil es kei­ne Fens­ter gab.  Nach einer hal­ben Stun­de Fahrt, hiel­ten sie an und setz­ten uns in ein Boot. Die Distanz zum ande­ren Ufer war klein. Es war vier Uhr mor­gens als wir in der Tür­kei ange­kom­men sind. Wir haben nach der tür­ki­schen Poli­zei gesucht. Im Ort Enez, einer Stadt in  der Pro­vinz Edir­ne, wur­den wir dann fest­ge­nom­men. Danach sind wir von Istan­bul nach Izmir gefah­ren, um den See­weg zu neh­men. Zur­zeit ist der Weg über die Land­gren­ze teu­rer als der See­weg. Ich habe es erst über die Land­gren­ze ver­sucht, weil ich Angst vor dem Meer habe”.

Zuspit­zung der Situa­ti­on an der Gren­ze zu Maze­do­ni­en

Am 20. August ver­häng­te die maze­do­ni­sche Regie­rung den Aus­nah­me­zu­stand. Schon bevor sich die maze­do­ni­sche Regie­rung am Vor­tag ent­schie­den hat­te die Gren­ze zu schlie­ßen, war die Situa­ti­on in Ido­me­ni sehr ange­spannt. Hun­der­te von Flücht­lin­gen über­nach­te­ten im Frei­en oder in Zel­ten, ohne Schutz vor der Hit­ze oder Regen­fäl­len, wäh­rend sie auf eine Gele­gen­heit war­te­ten, die Gren­ze zu über­que­ren. Am 21. August, nach­dem hun­der­te von Schutz­su­chen­den ver­sucht hat­ten die grie­chisch-maze­do­ni­sche Gren­ze in Ido­me­ni zu über­que­ren, setz­te die Mili­tär­po­li­zei laut Zeu­gen und Medi­en­be­rich­ten Blend­gra­na­ten, Trä­nen­gas und Plas­tik­ku­geln gegen sie ein. Meh­re­re Per­so­nen wur­den ver­letzt. Vier von ihnen muss­ten ins Kran­ken­haus trans­por­tiert wer­den. Hun­der­te Schutz­su­chen­de waren für Stun­den fest­ge­hal­ten wor­den, unter ihnen meh­re­re Kin­der mit ihren Eltern. Am 22. August und nach den hef­ti­gen Reak­tio­nen, die die Gewalt der maze­do­ni­schen Sicher­heits­kräf­te welt­weit aus­lös­ten, öff­ne­te die maze­do­ni­sche Regie­rung die Gren­zen wie­der und ließ die Fami­li­en mit Kin­dern pas­sie­ren. Am 23. August erlaub­te sie auch den rest­li­chen Per­so­nen den Grenz­über­tritt. Mit­ar­bei­te­rin­nen von RSPA haben sich ein Bild von der Situa­ti­on vor Ort gemacht:

Ende August/Anfang Sep­tem­ber hat sich die Lage beru­higt. Meh­re­re Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Ärz­te ohne Gren­zen sind an der Gren­ze prä­sent, um die Schutz­su­chen­den mit dem Not­wen­digs­ten zu ver­sor­gen. Es wird geschätzt, dass Ende August inner­halb von zwei Mona­ten mehr als 40.000 Per­so­nen die Gren­ze über­quert haben. Laut Schät­zun­gen gelan­gen täg­lich mehr als 2.000 Per­so­nen über die Gren­ze. Loka­le Soli­da­ri­täts­in­itia­ti­ven rufen über sozia­le Medi­en und Anzei­gen in Zei­tun­gen zu Spen­den auf – benö­tigt wer­den Lebens­mit­tel, Klei­dung und ande­re Hilfs­gü­ter. Täg­lich kochen sie hun­der­te Mahl­zei­ten und ver­tei­len die­se an die Schutz­su­chen­den. Wegen der hohen Tem­pe­ra­tu­ren gab es Ende August einen drin­gen­den Bedarf nach Was­ser. Meh­re­re Klein­händ­ler ergrif­fen die Chan­ce, um zu über­teu­er­ten Prei­sen Lebens­mit­tel an die erschöpf­ten Flücht­lin­ge zu ver­kauf­ten. „Die Bil­der hier ähneln Flücht­lings­la­gern in Afri­ka. Hier gibt es kei­ne staat­li­che Inter­ven­ti­on, kei­ne Pla­nung, um mit die­ser Not­si­tua­ti­on zurecht­zu­kom­men, obwohl wir seit Mona­ten davor gewarnt haben. Loka­le Behör­den und Staats­ver­tre­ter schie­ben die Ver­ant­wor­tung hin und her. Es gibt kei­ne Vor­sor­ge für die Unter­brin­gung oder die Ver­pfle­gung die­ser Men­schen. Wir sind eine medi­zi­ni­sche Orga­ni­sa­ti­on, wir kön­nen nicht alles tun“, so Dimi­ti­ris Rigas Koor­di­na­tor des Teams von den Ärz­ten ohne Gren­zen in Ido­me­ni in einem Inter­view mit der Zei­tung Efi­me­r­i­da ton Syn­takt­on. Anfang Sep­tem­ber hat die Prä­si­den­tin des Gemein­de­ra­tes von Ido­me­ni, Xan­t­houla Slou­pi, die Lage an der Gren­ze als hoff­nungs­los beschrie­ben und warn­te vor Pro­tes­ten der Ein­woh­ner. In einem Ort mit 120 Ein­woh­nern befan­den sich mitt­ler­wei­le 8.000 Men­schen, die dar­auf war­ten die Gren­ze zu über­que­ren, so Slou­pi. Poli­zis­ten warn­ten davor, dass auf­grund der vie­len Men­schen die Situa­ti­on außer Kon­trol­le gera­ten könn­te.

Vie­le der Flücht­lin­ge machen sich wegen ihrer Wei­ter­rei­se Sor­gen. „Ich habe auf Face­book gele­sen, dass sie die Gren­zen schlie­ßen“, sagt Bohar, eine 20-jäh­ri­ge Kur­din aus Koba­ne, die mit ihrer Fami­lie in Deutsch­land Schutz suchen will. Sie sind zu acht unter­wegs. Mit Hil­fe der GPS-Kar­ten auf ihrem Smart­pho­ne will sie mit ihren Eltern und Geschwis­tern über den Bal­kan in Rich­tung Deutsch­land rei­sen. Ihr gro­ßer Bru­der und wei­te­re Ver­wand­te haben den Weg dort­hin schon geschafft. Nun hofft sie, so schnell wie mög­lich bei ihnen zu sein. Durch sozia­le Medi­en wur­de sie infor­miert, dass Deutsch­land für Syrer angeb­lich das soge­nann­te Dub­lin-Ver­fah­ren aus­set­ze. Besorgt fragt sie bis wann dies gel­ten soll. Sie hat Angst, dass sie und ihre Fami­lie nach Ungarn oder in ein ande­res Bal­kan­land zurück­ge­schickt wer­den. „Das wäre ein Alp­traum nach all dem, was wir erlebt haben”. Die jun­ge Frau hat in der syri­schen Stadt Alep­po Che­mie stu­diert. Wegen des Krie­ges – aber auch wegen der ISIS-Bedro­hung – muss­te sie das Stu­di­um abbre­chen. Vor 20 Tagen hat sie sich von Koba­ne aus auf die Rei­se nach Euro­pa bege­ben: „In mei­ner Hei­mat­stadt riecht es nach Tod. Unter den Trüm­mern der zer­stör­ten Gebäu­de lie­gen Lei­chen. Unser Haus ist bei­na­he kom­plett zer­stört: Es hat kei­ne Fens­ter und Türen mehr. Wir kön­nen dort nicht mehr leben“, sagt Bohar. Die jun­ge Frau ist erschöpft. Die kur­di­sche Fami­lie ist vor ein paar Tagen auf der Insel Les­bos ange­kom­men. Dort wur­den sie in ein über­füll­tes Lager gebracht. „Das war die schlimms­te Erfah­rung bis­her. Es gab so viel Müll, kein Was­ser, die Toi­let­ten waren furcht­bar“, sagt sie. Bohar ist sehr auf­ge­regt und schaut über die Gren­ze. Dort­hin, wo der Weg durch die Mais­fel­der nach Gev­ge­li­ja, dem maze­do­ni­schen Grenz­ort, führt. „Wir müs­sen sofort los! Alle mei­ne Freun­de, mit denen wir zusam­men her­ge­kom­men sind, haben die Gren­ze schon über­quert. Wir müs­sen aber zusam­men blei­ben, um eine gro­ße Grup­pe zu sein und gemein­sam durch Ser­bi­en und Ungarn zu kom­men.“

Wegen der Regen­fäl­le und der nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren Anfang Sep­tem­ber ist die Lage in Ido­me­ni beson­ders schwie­rig für die Schutz­su­chen­den, die erschöpft mit Bus­sen aus Athen und Thes­sa­lo­ni­ki anrei­sen. Am 10. Sep­tem­ber waren dort 3.000 Men­schen, die alle dar­auf war­te­ten, die Gren­ze zu über­que­ren. Die maze­do­ni­sche Poli­zei las­se ca. 120 von ihnen stünd­lich über die Gren­ze, berich­te­te Anto­nis Rigas von den Ärz­ten Ohne Gren­zen gegen­über den RSPA-Mit­ar­bei­te­rIn­nen. Doch trotz der Ver­spre­chen von Sei­te des Staa­tes und ande­rer Orga­ni­sa­tio­nen, ist wenig getan wor­den, um men­schen­wür­di­ge Zustän­de vor Ort zu schaf­fen. “Es gibt kei­nen ernst­haf­ten Ver­such die Lage hier zu ver­bes­sern, kei­ne Vor­be­rei­tung für den Fall, dass Ungarn, Ser­bi­en oder Maze­do­ni­en die Gren­ze schlie­ßen”.  Hun­der­te Men­schen, auch Kran­ke und Men­schen mit Behin­de­run­gen, har­ren aktu­ell im Regen aus. Immer wie­der fal­len Men­schen in Ohn­macht. Die maze­do­ni­sche Poli­zei ist indes­sen wie­der aggres­si­ver, und setzt Schlag­stö­cke gegen die Flücht­lin­ge ein. Die Ärz­te ohne Gren­zen ver­tei­len Zel­te und Schlaf­sä­cke, bau­en che­mi­sche Toi­let­ten auf und sam­meln Müll, doch das reicht nicht. “Wir erwar­ten über 10.000 Per­so­nen die kom­men­den Tage. Wir wis­sen, dass das Ziel der­je­ni­gen, die die Ägä­is-Insel mit den Fäh­ren ver­las­sen, Ido­me­ni ist”, so Rigas.

Allein am 20. Sep­tem­ber über­quer­ten grup­pen­wei­se 4.500 Men­schen die Gren­ze, laut Anga­ben des Bür­ger­meis­ters von Peo­nia, Chris­tos Goun­te­nou­dis. Seit dem 24. Sep­tem­ber sind vor Ort fünf gro­ße Zel­te vom UNCHR, den Ärz­ten ohne Gren­zen, der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (ΙΟΜ) und ande­rer NGOs auf­ge­baut. Dort kön­nen bis zu 1.000 Per­so­nen unter­ge­bracht wer­den und von den schlech­ten Wet­ter­be­din­gun­gen geschützt wer­den. Es gibt 80 che­mi­sche Toi­let­ten, Con­tai­ner mit Dusche, Strom­ver­sor­gung, um die Han­dys auf­zu­la­den, sowie WIFI. Was­ser und Lebens­mit­tel wer­den ver­teilt. Eine mobi­le medi­zi­ni­sche Ein­heit der regio­na­len Ver­wal­tung ist vor Ort. Unter ande­rem wer­den Mit­ar­bei­te­rIn­nen von UNHCR sich über mög­li­che Asyl­an­trä­ge sowie Fäl­le von unbe­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Flücht­lin­gen küm­mern und die Asyl­su­chen­den über das Ver­fah­ren der Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung infor­mie­ren.

Euro­pa setzt auf Abschot­tung

Die Ankunfts­zah­len auf den ägäi­schen Inseln blei­ben indes­sen hoch – bis zum 28. Sep­tem­ber erreich­ten UNHCR zufol­ge 387.520 Schutz­su­chen­de die grie­chi­schen Inseln. Die EU-Regie­rungs­chefs kün­dig­ten an, auch aus die­sem Grund ihre Koope­ra­ti­on mit der Tür­kei wei­ter aus­zu­bau­en – eine ver­bes­ser­te Grenz­kon­trol­le steht dabei ganz oben auf der Agen­da. Am 5. Okto­ber sol­len kon­kre­te Maß­nah­men mit Erdo­gan bespro­chen wer­den. Zugleich ereig­nen sich wei­te­re Boots­ka­ta­stro­phen: Am 27. Sep­tem­ber kamen bei dem Ver­such, von der tür­ki­schen Küs­te aus die grie­chi­sche Insel Leros zu errei­chen, erneut 17 Men­schen ums Leben. Wäh­rend die Todes­ra­te in der Ägä­is steigt, setzt Euro­pa auf Abschot­tung.

„Hot Spot“ Les­bos: »Ein Ort der Schan­de« (05.11.15)

„Man sag­te uns, das Meer sei vol­ler Toter“ – Boots­ka­ta­stro­phe vor Les­bos (03.11.15)

Tran­sit­zo­ne Athen: Soli­da­ri­tät ersetzt staat­li­che Struk­tu­ren  (20.10.15)

Grie­chen­land: Mehr Abschot­tung – mehr Tote (22.09.15)

„Die Situa­ti­on treibt eini­ge in den Wahn­sinn“ (31.07.15)

„Die Situa­ti­on ist außer Kon­trol­le“ – RSPA-Bericht aus Grie­chen­land (17.06.15)

Grie­chen­land: Tau­sen­de Flücht­lin­ge stran­den im Elend (29.05.15)