13.06.2014

PRO ASYL bezeich­net den Beschluss der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz zur wei­te­ren Auf­nah­me syri­scher Flücht­lin­ge in Deutsch­land als unzu­rei­chend und klein­mü­tig. Den Bun­des­län­dern lie­gen deren Anga­ben zufol­ge mehr als 76.000 Anträ­ge für Ange­hö­ri­ge von in Deutsch­land leben­den Syrern vor. Von die­sen kön­nen im Rah­men des am 23. Dezem­ber 2013 beschlos­se­nen zwei­ten Bun­des­pro­gramms nur 5.000 auf­ge­nom­men wer­den.

„Der Beschluss der Innen­mi­nis­ter bedeu­tet, dass mehr als 60.000 Ange­hö­ri­ge in Ver­zweif­lung und Hoff­nungs­lo­sig­keit vor der Toren Euro­pas zurück­blei­ben wer­den“, sag­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL. Die Poli­tik der geschlos­se­nen Gren­zen und die Beschrän­kung der Ein­rei­se durch das drit­te Bun­des­pro­gramm trei­be syri­sche Flücht­lin­ge in die Boo­te. Vie­le Kriegs­flücht­lin­ge wer­den ver­zwei­felt ver­su­chen, über das Mit­tel­meer Grie­chen­land oder Ita­li­en zu errei­chen, um dann zu ihren Ver­wand­ten nach Deutsch­land wei­ter zu rei­sen.

PRO ASYL for­dert eine Aus­set­zung der Dub­lin-III-Ver­ord­nung. „Syri­sche Flücht­lin­ge mit Ver­wand­ten in Deutsch­land müs­sen hier­her kom­men kön­nen“, sag­te Gün­ter Burk­hardt. Nach der gel­ten­den Dub­lin-Ver­ord­nung wer­den sie nach Ita­li­en zurück­ge­schickt, selbst wenn ihre Ver­wand­ten in Deutsch­land leben und bereit wären, sie bei sich auf­zu­neh­men. Bei Aus­bruch des Krie­ges 2011 leb­ten in Deutsch­land rund 33.000 syri­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge sowie eine unbe­kann­te Zahl deut­scher Staats­bür­ger syri­scher Her­kunft – so vie­le wie in kei­nem ande­ren euro­päi­schen Land. Die­se „Com­mu­ni­ty“ kann Flücht­lin­gen hel­fen, sich zu inte­grie­ren, Jobs und Woh­nun­gen zu fin­den.

Bei der For­de­rung nach deut­li­cher Erhö­hung der Aus­wei­tung der Auf­nah­me ver­kennt PRO ASYL nicht, dass Deutsch­land mehr tut als die ande­ren EU-Staa­ten. „Die ande­ren Staa­ten Euro­pas ver­sa­gen bei der Syri­en­auf­nah­me völ­lig“, so Gün­ter Burk­hardt. Am 26./27. Juni 2014 fin­det das Gip­fel­tref­fen der Staats- und Regie­rungs­chefs der EU statt. PRO ASYL appel­liert an Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel, sich für ein groß­zü­gi­ges Auf­nah­me­pro­gramm in Euro­pa ein­zu­set­zen. Euro­pa müs­se in einer hohen sechs­stel­li­gen Grö­ßen­ord­nung syri­sche Flücht­lin­ge auf­neh­men – auch um die Nach­bar­staa­ten Syri­ens zu unter­stüt­zen. Im Liba­non leben mehr als eine Mil­li­on syri­scher Flücht­lin­ge, jeder vier­te Ein­woh­ner ist ein Flücht­ling.

Auch die Bun­des­län­der müs­sen in eige­ner Ver­ant­wor­tung mehr tun. Eini­ge Innen­mi­nis­ter hat­ten sich vor der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz für eine groß­zü­gi­ge Auf­nah­me von syri­schen Flücht­lin­gen ein­ge­setzt. PRO ASYL appel­liert an die ein­zel­nen Län­der­in­nen­mi­nis­ter, die Hür­den für die Auf­nah­me im Rah­men ihres lau­fen­den Län­der­pro­gramms zu redu­zie­ren. Basie­rend auf einem Bun­des­tags­be­schluss vom 28. Juni 2013 hat­ten alle Bun­des­län­der außer Bay­ern beschlos­sen, syri­schen Flücht­lin­gen über eige­ne Län­der­pro­gram­me die Ein­rei­se zu ermög­li­chen. Die Län­der­re­ge­lun­gen sehen sehr restrik­ti­ve Min­dest­be­din­gun­gen für die Ein­rei­se­er­laub­nis vor. Die gefor­der­te Ver­pflich­tungs­er­klä­rung und ande­re Hür­den führ­ten dazu, dass allen­falls wohl­ha­ben­de Fami­li­en eine Chan­ce hat­ten, ihre Ver­wand­ten über die­se Rege­lung zu sich zu holen. Bis Ende April waren  über die Län­der­pro­gram­me nur rund 3.500 Visa erteilt wor­den.

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