18.06.2013

Anläss­lich des Welt­flücht­lings­ta­ges kri­ti­siert PRO ASYL das völ­li­ge Ver­sa­gen Euro­pas ange­sichts der Not der syri­schen Flücht­lin­ge. Wo drin­gend ein euro­päi­sches Adhoc-Auf­nah­me­pro­gramm für eine gro­ße Zahl syri­scher Flücht­lin­ge nötig wäre, glän­zen fast alle EU-Staa­ten mit Untä­tig­keit.

Rund 1,6 Mil­lio­nen Men­schen sind aus Syri­en in die Nach­bar­staa­ten geflo­hen. Dort wer­den bemer­kens­wer­te Anstren­gun­gen zur Auf­nah­me und Erst­ver­sor­gung der Flücht­lin­ge unter­nom­men. Die EU hin­ge­gen agiert nach bekann­tem Mus­ter: Statt in den Flücht­lings­schutz inves­tiert sie in die Abschot­tung der Gren­zen; statt gemein­sam soli­da­risch zu han­deln wäl­zen die EU-Regie­run­gen die Ver­ant­wor­tung für die Flücht­lin­ge an eini­ge EU-Rand­staa­ten ab.

Fol­ge die­ser Poli­tik sind schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in den EU-Rand­staa­ten. Syre­rin­nen und Syrer, die auf eige­ne Faust Rich­tung Euro­pa flie­hen, wer­den dort in zahl­rei­chen Fäl­len Opfer von ille­ga­len Zurück­wei­sun­gen, Inhaf­tie­run­gen, von Poli­zei­ge­walt und ras­sis­ti­schen Atta­cken – etwa in Grie­chen­land.

PRO ASYL for­dert Euro­pas Regie­run­gen zu einer gemein­sa­men Auf­nah­me­ak­ti­on auf, die die Erst­auf­nah­me­län­der wirk­sam unter­stützt. Die ange­kün­dig­te Auf­nah­me von 5.000 syri­schen Flücht­lin­gen durch Deutsch­land kann hier­zu ein ers­ter Schritt sein. Finan­zi­el­le Hil­fen für die Erst­auf­nah­me­staa­ten sind wich­tig, aber nicht aus­rei­chend.

PRO ASYL: Deutsch­land muss Fami­li­en­nach­zug erleich­tern

PRO ASYL for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, außer­halb des beschlos­se­nen Kon­tin­gents Ange­hö­ri­ge von in Deutsch­land leben­den syri­schen Fami­li­en auf­zu­neh­men. Bei Flücht­lings­be­ra­tungs­stel­len wie auch am Bera­tungs­te­le­fon von PRO ASYL mel­den sich in gro­ßer Zahl syri­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge und Deut­sche mit syri­schem Migra­ti­ons­hin­ter­grund, die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge zu sich holen wol­len. Doch das schei­tert in der Regel an den enor­men recht­li­chen und büro­kra­ti­schen Hür­den für den Fami­li­en­nach­zug:

Erwach­se­nen Kin­dern oder Eltern von in Deutsch­land leben­den Syrern wird die Ein­rei­se ver­wei­gert, denn ein Nach­zug außer­halb der soge­nann­ten „Kern­fa­mi­lie“ wird nicht gestat­tet.

Vie­le Nach­zugs­an­trä­ge schei­tern dar­an, dass die Ange­hö­ri­gen die Lebens­un­ter­halts-siche­rung für ihre geflüch­te­ten Fami­li­en­mit­glie­der nicht garan­tie­ren kön­nen oder ihnen dies von den Behör­den unter­stellt wird.

PRO ASYL for­dert:

- Ein euro­päi­sches Adhoc-Auf­nah­me­pro­gramm für syri­sche Flücht­lin­ge. Die Euro­päi­sche Uni­on muss ihre Gren­zen für Schutz­be­dürf­ti­ge öff­nen.

- Den ca. 40.000 syri­schen Staats­bür­gern in Deutsch­land muss jen­seits des geplan­ten Kon­tin­gents ermög­licht wer­den, ihre Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen bei sich auf­zu­neh­men.

- Ein ent­schlos­se­nes Vor­ge­hen gegen die unmensch­li­che Behand­lung von Flücht­lin­gen in den EU-Staa­ten an der Außen­gren­ze. So lan­ge sys­te­mi­sche Män­gel in den Flücht­lings­auf­nah­me­sys­te­men die­ser EU-Staa­ten bestehen, muss den Betrof­fe­nen die Asyl­an­trag­stel­lung in ande­ren EU-Staa­ten ermög­licht wer­den.

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