18.12.2015
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Rageb ist verzweifelt: Er will seine syrischen Verwandten in Sicherheit bringen. Doch sie legal und sicher nach Deutschland zu bringen, ist für ihn fast unmöglich. Foto: Kaveh Rostamkani

Rageb ist voller Sorge um seinen Bruder Gado und dessen Familie in Syrien. Gado ist seit einer Granatenexplosion schwer verletzt, sein Sohn Muhanad traumatisiert: Der Sechsjährige spricht seit zwei Jahren nicht mehr. Rageb möchte seine Angehörigen nach Deutschland holen – doch das ist kompliziert. PRO ASYL dokumentiert seinen Fall:

Vor der Zwangsrekrutierung geflohen

Rageb Samos (28, Name geändert) kam nach langer Odyssee in Deutschland an. In Syrien hatte er verschiedene Jobs, als Friseur und Kellner. Dann sollte er als Soldat eingezogen werden. In den Anfängen des syrischen Aufstands wurde die Armee zur Unterdrückung unbewaffneter DemonstrantInnen eingesetzt. „Die einfachen Soldaten wurden gezwungen auf die Protestierenden zu schießen. Ich wollte nicht auf meine Landsleute schießen. Deshalb bin ich geflohen“, sagt Rageb. Über den Libanon, die Türkei und schließlich das Mittelmeer gelangte er nach Griechenland. Dort lebte er auf der Straße. Durch die Umstände seiner Flucht hatte er keine gültigen Dokumente – nach zwei Monaten gelingt es ihm endlich, mit einem gefälschten Ausweis nach Deutschland zu fliegen.

In Gedanken bei der Familie in Syrien

Hier ist er in Sicherheit, seine Gedanken sind aber bei seiner Familie in Syrien: Ragebs Vater kam 2013 um, als eine Granate das Haus traf, später wurde auch sein Bruder Gado schwer verletzt – er lief unmittelbar an einer  Tankstelle vorbei, die durch Granatenbeschuss explodierte. Er erlitt schwerste Verbrennungen und ist seither auf starke Schmerzmittel angewiesen. Die gesamte Familie ist gesundheitlich erheblich belastet und leidet extrem unter der Situation. Muhanad, der sechsjährige Neffe Ragebs, spricht seit zwei Jahren nicht mehr. Bei Knallgeräuschen beginnt der Junge sich zu kratzen, bis die Haut blutet.

„Ich will ihnen die gefährliche Flucht ersparen“

Rageb will dem offensichtlich schwer traumatisierten Kind und seinem behandlungsbedürftigen Bruder unbedingt helfen. Ende 2013 hätte er theoretisch die Aufnahme der Familie über das Landesprogramm NRW beantragen können – doch in den Landesaufnahmeprogramme ist oft die Abgabe einer Verpflichtungserklärung notwendig, für die Unterhaltskosten der Verwandten aufzukommen. Mit seinem Job im Supermarkt reicht Ragebs Einkommen dafür nicht aus. Monatelang sucht er verzweifelt Menschen, die bereit sind, die Verpflichtungserklärung für ihn zu unterschreiben. Inzwischen nimmt das Land NRW jedoch keine Anträge mehr an. Rageb ist verzweifelt: „Ich will die Familie meines Bruders in Sicherheit bringen! Ich will ihnen die gefährliche Flucht ersparen!“

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Engagieren Sie sich für verfolgte Menschen

PRO ASYL berät und unterstützt viele Tausend Menschen in ihren oft schwierigen Fluchtsituationen. Damit Flüchtlinge ihre Familie zu sich holen können, kämpfen wir dafür, dass besonders Schutzbedürftige auf legalen und sicheren Wegen nach Deutschland kommen können und setzen uns dafür ein, dass die Aufnahmeprogramme für syrische Flüchtlinge fortgeführt und ausgebaut werden.

Wir freuen uns über jede Unterstützung in Form einer Fördermitgliedschaft oder einer Spende: Spendenkonto-Nr.: 8047300 | Bank für Sozialwirtschaft Köln | BLZ: 370 205 00 IBAN: DE62 3702 0500 0008 0473 00 | BIC: BFSWDE33XXX

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