11.12.2014
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Vidikovac, eine Roma-Siedlung in der Nähe von Belgrad. Hier leben mehrere aus Deutschland abgeschobene Roma. Das Foto entstammt der Dokumentation <a href="http://www.alle-bleiben.info/wp-content/uploads/2014/03/serbien_2013_web.pdf">"Abgeschobene Roma in Serbien: journalistische, juristische und medizinische Recherchen"</a>

Heute beginnt die Innenministerkonferenz (IMK) in Köln. Unter anderem dürfte dort die Uneinigkeit der Länder über einen Winterabschiebestopp für Debatten sorgen. PRO ASYL fordert die Innenministerkonferenz unter anderem dazu auf, die Winterabschiebungen in den Westbalkan sofort zu stoppen.

Die Bun­des­län­der sind sich uneins, ob auch im Win­ter in die West­bal­kan­staa­ten abge­scho­ben wer­den darf. Schles­wig-Hol­stein hat einen Win­ter-Abschie­be­stopp beschlos­sen, um Flücht­lin­ge nicht unnö­ti­gen Här­ten aus­zu­set­zen. „Das ent­spricht unse­rem huma­nen Wer­te­ge­rüst, dass wir dort­hin nicht abschie­ben, wo Käl­te und Situa­tio­nen, in denen Käl­te unmensch­lich wer­den kann, war­ten“, so Schles­wig-Hol­steins Minis­ter­prä­si­dent Tors­ten Albig (SPD).

Bun­des­re­gie­rung kri­ti­siert Win­ter­ab­schie­bungs­stopp

Die Ent­schei­dung Schles­wig-Hol­steins wur­de von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) in einem Brief mas­siv kri­ti­siert – der Win­ter­ab­schie­be­stopp gefähr­de das Vor­ha­ben, Flücht­lin­ge aus den West-Bal­kan­staa­ten zügig abzu­schie­ben, so der Tenor. Schles­wig-Hol­steins Innen­mi­nis­ter Ste­fan Studt (SPD) ver­tei­dig­te nun die Hal­tung des Lan­des: „Es sei ein Gebot, Men­schen nicht in die Käl­te zurück­zu­schi­cken“. Auch ande­re Län­der und Regio­nen wol­len Flücht­lin­ge nicht in die Käl­te abschie­ben. In Rhein­land-Pfalz sol­len einem Erlass nach Schutz­su­chen­de im Win­ter nicht abge­scho­ben wer­den.  Die neue Regie­rung Thü­rin­gens erließ einen Abschie­bungs­stopp.

Ein Groß­teil der Län­der will dage­gen kei­nen Win­ter­ab­schie­bungs­stopp erlas­sen – unter ande­rem das grün-rot regier­te Baden-Würt­tem­berg. Erst am 8. Dezem­ber fand eine von Pro­tes­ten beglei­te­te  Sam­mel­ab­schie­bung von 83 Roma-Flücht­lin­gen nach Ser­bi­en und Maze­do­ni­en statt.

Abschie­bun­gen ins Elend – zumut­bar?

Bay­erns Innen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) for­der­te, die Abschie­bun­gen in die West-Bal­kan-Staa­ten zu beschleu­ni­gen. „Es ist jedem zumut­bar, in Bel­grad zu leben, und es gibt kei­nen Grund für Men­schen aus Bel­grad, in Deutsch­land Asyl zu bean­tra­gen“, for­mu­lier­te Bay­erns Innen­mi­nis­ter –  unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass die ras­sis­ti­sche Aus­gren­zung von Roma in den West­bal­kan­staa­ten und ihre dar­aus resul­tie­ren­de oft exis­tenz­be­droh­li­che Armut in Men­schen­rechts­be­rich­ten umfas­send doku­men­tiert sind.

Auf­grund der pre­kä­ren bis kata­stro­pha­len Situa­ti­on der Roma in den West-Bal­kan­staa­ten lan­den Abge­scho­be­ne häu­fig in Slums und Behelfs­un­ter­künf­ten, die zum Teil nicht beheiz­bar sind, sie kön­nen sich kei­ne Brenn­ma­te­ria­li­en beschaf­fen oder sich auf ande­re Wei­se das besor­gen, was man für ein men­schen­wür­di­ges Über­ste­hen des Win­ters braucht und haben oft kei­nen Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung. PRO ASYL for­dert daher einen bun­des­wei­ten Win­ter­ab­schie­bungs­stopp für Roma vom West­bal­kan. Im Win­ter ver­schärft sich die Situa­ti­on vie­ler Roma dra­ma­tisch. Dass man Men­schen im Win­ter in die Obdach­lo­sig­keit oder in Slum-arti­ge Behau­sun­gen abschiebt, ist in jeder Hin­sicht inak­zep­ta­bel.

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