10.02.2014
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Spanische Enklave Ceuta: Zaun, mit dem Spanien Schutzsuchende abwehren will. An der Grenze zwischen Marokko und dem EU-Land Spanien kommt es immer wieder zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen gegen Flüchtlinge. Bild: flickr/Lourdes Muñoz Santamaria

Die Leichen von acht Männern und einer Frau wurden geborgen, fünf weitere werden noch im Wasser vermutet. Eine Gruppe der Flüchtlinge hatte versucht, die Grenze schwimmend zu überwinden. Überlebende des Einsatzes berichten, dass die Flüchtlinge mit Gummigeschossen und Tränengas beschossen wurden.

Am 6. Febru­ar hat­ten ins­ge­samt rund 400 Flücht­lin­ge aus der Sub­sa­ha­ra­re­gi­on ver­sucht, von Marok­ko aus die Hoch­si­cher­zeits­gren­ze zur spa­ni­schen Enkla­ve Ceu­ta zu über­win­den. Nach­dem sie von Poli­zei­ein­hei­ten dar­an gehin­dert wur­den, hat­te eine Grup­pe von mehr als 200 Men­schen – offen­bar haupt­säch­lich aus dem Sub­sa­ha­ra­raum – ver­sucht, die am marok­ka­ni­schen Strand von Tara­jal ins Meer hin­ein gebau­te Befes­ti­gung zu umschwim­men. Im Was­ser wur­den die Schwim­men­den von der spa­ni­schen Guar­dia Civil beschos­sen. 

Die Beschrei­bung eines Zeu­gen aus Kame­run zitie­ren Medi­en­be­rich­te: „Wir wur­den mehr von der Guar­dia Civil ange­grif­fen, als von den Marokkanern…Sie schos­sen mit Gum­mi­ge­schos­sen auf uns, um unse­re Luft­ma­trat­zen zu zer­stö­ren, und sie ver­sprüh­ten Trä­nen­gas. Eini­ge von uns beka­men Panik“.  Ohn­mäch­ti­ge sol­len im Was­ser getrie­ben, meh­re­re Men­schen ertrun­ken, vier der Todes­op­fer im Tumult erdrückt wor­den sein. Die Flücht­lings­rechts-Orga­ni­sa­ti­on Cami­n­an­do Fron­te­ras berich­tet von sicht­ba­ren Ver­let­zun­gen an min­des­tens einer Lei­che.

Neun Tote sind aus dem Was­ser gebor­gen wor­den. Die spa­ni­sche Poli­zei hat­te ihre Betei­li­gung an dem Ein­satz zunächst geleug­net und erklärt, die marok­ka­ni­sche Poli­zei habe ihn allein durch­ge­führt. Erst nach­dem Cami­n­an­do Fron­te­ras Zeu­gen­aus­sa­gen von Über­le­ben­den ver­öf­fent­licht hat­te, räum­te das spa­ni­sche Innen­mi­nis­te­ri­um ein, dass die Guar­dia Civil Gum­mi­ge­schos­se und Schreck­schuss­pis­to­le ein­ge­setzt habe – aller­dings nur gegen Flücht­lin­ge an Land. 

Bri­sant ist auch der Hin­weis der Über­le­ben­den, dass eine Grup­pe von Flücht­lin­gen es geschafft habe, spa­ni­sches Gebiet zu errei­chen und wie­der hin­aus gedrängt wor­den sei. Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen haben Zurück­wei­sun­gen von Asyl­su­chen­den – die sowohl gegen spa­ni­sche Geset­ze als auch gegen inter­na­tio­na­les Völ­ker­recht ver­sto­ßen – in den spa­ni­schen Enkla­ven Ceu­ta und Melil­la mehr­fach beklagt. 

In Ver­gan­gen­heit haben immer wie­der Flücht­lin­ge ver­sucht, die Gren­ze zur EU von Marok­ko aus zu über­win­den. Die Bru­ta­li­tät der euro­päi­schen Abwehr­po­li­tik an die­sem Grenz­ab­schnitt hat mit dem jüngs­ten Ein­satz der Guar­dia Civil in Ceu­ta eine neue Dimen­si­on erreicht. 

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