22.08.2012
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Im Jahr 2005 starben 16 Menschen beim Versuch, über den Zaun um Melilla zu klettern. Bild: PRODEIN

Seit 2011 steigt die Zahl der Flüchtlinge, die versuchen, die spanische Exklave Melilla zu erreichen, drastisch an. Die spanischen Sicherheitskräfte reagieren mit Gewalt und illegalen Abschiebungen.

Nach dem revo­lu­tio­nä­ren Umsturz in Tune­si­en und dem Bür­ger­krieg in Liby­en suchen Tau­sen­de afri­ka­ni­sche Flücht­lin­ge, die zuvor dort gelebt hat­ten, Schutz in den Nach­bar­staa­ten. Vie­le wol­len über Marok­ko auf spa­ni­sches Ter­ri­to­ri­um gelan­gen. An den meter­ho­hen Grenz­zäu­nen der spa­ni­schen Exkla­ve Melil­la droht die Situa­ti­on ähn­lich zu eska­lie­ren wie in den Jah­ren 2005/2006, befürch­tet die spa­ni­sche Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on PRODEIN. Damals hat­ten Hun­der­te Flücht­lin­ge aus ver­schie­de­nen afri­ka­ni­schen Staa­ten ver­sucht, die Gren­zen zu Ceu­ta und Melil­la zu über­win­den. Im Okto­ber 2005 star­ben min­des­tens 16 Schutz­su­chen­de, zum Teil an Schuss­ver­let­zun­gen, vie­le wei­te­re wur­den ver­letzt. Die spa­ni­sche Regie­rung ließ damals die Gren­ze befes­ti­gen und den Zaun erhö­hen.

Schuss­waf­fen und Gum­mi­ge­schos­se gegen Flücht­lin­ge

Seit Beginn des Jah­res 2011 ver­su­chen nun fast täg­lich Flücht­lin­ge die spa­ni­sche Exkla­ve auf afri­ka­ni­schem Boden zu errei­chen. Das Unter­fan­gen ist äußerst gefähr­lich – nach wie vor setzt das marok­ka­ni­sche Mili­tär Schuss­waf­fen gegen Men­schen ein, die über den Zaun zu klet­tern ver­su­chen. Auch die Gum­mi­ge­schos­se, die von den spa­ni­schen Grenz­be­am­ten auf sehr kur­ze Distanz ein­ge­setzt wer­den, ver­ur­sa­chen gra­vie­ren­de Ver­let­zun­gen. Noch im August wer­den neue Ein­satz­trup­pen der Guar­dia Civil erwar­tet, die die spa­ni­schen Grenz­be­am­ten unter­stüt­zen sol­len. Der Zugang zu der Grenz­wall­an­la­ge wird Jour­na­lis­ten und Men­schen­rechts­be­ob­ach­tern sys­te­ma­tisch ver­wehrt.

Wer es schafft, wird abge­scho­ben – ohne Prü­fung von Asyl­grün­den

Trotz­dem ver­such­te zuletzt wäh­rend der Rama­dan-Fei­ern im August 2012 eine Grup­pe von 300 afri­ka­ni­schen Flücht­lin­gen, die Gren­ze zu über­win­den, 60 von ihnen gelang­ten auf spa­ni­schen Boden. Kurz dar­auf ver­such­te eine zwei­te Grup­pe von 150 Men­schen, den Zaun zu stür­men. Täg­lich gelan­gen Schutz­su­chen­de auch über das Mit­tel­meer nach Melil­la, schwim­mend oder in klei­nen Boo­ten. Ihre Zahl stieg von ein bis zwei Per­so­nen täg­lich in den Jah­ren 2006 bis 2010 auf aktu­ell 15–20 Per­so­nen täg­lich, schätzt PRODEIN.

Wer beim Über­que­ren des Zauns oder an der Küs­te ent­deckt wird, wird häu­fig ille­gal nach Marok­ko abge­scho­ben. Besorg­nis erregt auch die Pra­xis der spa­ni­schen Behör­den, Flücht­lin­ge zu inhaf­tie­ren, um sie über das spa­ni­sche Fest­land direkt in ihre Her­kunfts­län­der abzu­schie­ben. Ins­be­son­de­re die kol­lek­ti­ve Abschie­bung von Flücht­lin­gen in die Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go im März 2012 – ohne exis­tie­ren­des Rück­über­nah­me­ab­kom­men und ohne Prü­fung der Staats­an­ge­hö­rig­keit der Betrof­fe­nen –  stellt einen Skan­dal dar.

Poli­zei geht mit Gewalt gegen Flücht­lin­ge vor

Bei der Orga­ni­sa­ti­on Ärz­te ohne Gren­zen mel­den sich ver­mehrt Flücht­lin­ge, die Opfer von phy­si­scher Gewalt durch die spa­ni­sche Grenz­po­li­zei  gewor­den sind. Der Orga­ni­sa­ti­on sind 34 Fäl­le bekannt, die ins Kran­ken­haus der marok­ka­ni­schen Stadt Nador unweit der Gren­ze zu Melil­la ein­ge­lie­fert wur­den. Zwi­schen dem 25. Juni und dem 16. Juli 2012 ver­sorg­te die Orga­ni­sa­ti­on 165 Migran­tin­nen und Migran­ten, die Opfer von Gewalt wur­den, davon 81, die nach Mas­sen­ver­haf­tun­gen durch die marok­ka­ni­sche Poli­zei am 11. Juli nach Nador ver­schleppt wor­den waren.

Medi­en­be­rich­te: Spie­gel Online, taz

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