15.06.2012

Flücht­lin­ge in der grie­chi­schen Hafen­stadt Patras sind völ­lig schutz­los: Sie wer­den gejagt, geschla­gen, ver­haf­tet und wie­der in die Obdach­lo­sig­keit ent­las­sen. Sie kön­nen dem Teu­fels­kreis der Gewalt und Ent­rech­tung nicht ent­flie­hen, weil die Flucht­we­ge in ein ande­res EU-Land ver­sperrt sind. „Der heu­te von PRO ASYL und dem Grie­chi­schen Flücht­lings­rat ver­öf­fent­lich­te Bericht zur Poli­zei­ge­walt in Patras kommt zu dem Schluss, dass Gewalt gegen Flücht­lin­ge und Migran­ten durch staat­li­che Behör­den sys­te­ma­ti­schen Cha­rak­ter hat“, so Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL. 

Der Bericht basiert auf aktu­el­len Recher­chen vom April und Mai 2012.Die über drei­ßig doku­men­tier­ten Miss­hand­lungs­fäl­le bele­gen das Aus­maß der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen.  Opfer der exzes­si­ven Gewalt­an­wen­dung sind u.a. Flücht­lin­ge und Migran­ten aus Afgha­ni­stan, Sudan, Eri­trea und Marok­ko – unter den doku­men­tier­ten Miss­hand­lungs­fäl­len sind elf allein­flie­hen­de Min­der­jäh­ri­ge. Die poli­zei­li­chen Über­grif­fe ereig­nen sich bei Raz­zi­en und Iden­ti­täts­kon­trol­len im Hafen­ge­biet, in den selbst­ge­bau­ten Behau­sun­gen der Flücht­lin­ge oder auf offe­ner Stra­ße. 

Die Gewalt gegen Schutz­su­chen­de, die durch Poli­zei­kräf­te  und Spe­zi­al­ein­hei­ten der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che in Patras ver­übt wird, besteht in ver­ba­len Beschimp­fun­gen, mas­si­ven  Ein­schüch­te­run­gen und exzes­si­ver phy­si­scher Gewalt bis hin zur Fol­ter. Die­se Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen fin­den in einem poli­ti­schen Kli­ma statt, in dem die Täter in der Regel unbe­hel­ligt blei­ben.  In Patras feh­len men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gungs­plät­ze und eine gesund­heit­li­che Ver­sor­gung – der Zugang zu einem recht­staat­li­chen Asyl­ver­fah­ren ist nicht gewähr­leis­tet. Statt­des­sen sind Flücht­lin­ge stän­di­gen Angrif­fen eines rech­ten Mobs aus­ge­setzt.

PRO ASYL und der grie­chi­sche Flücht­lings­rat for­dern von der neu­en grie­chi­schen Regie­rung, die am kom­men­den Sonn­tag gewählt wird, alles zu tun, um die Poli­zei­ge­walt gegen Flücht­lin­ge zu been­den. Vor allem müs­sen Rechts­staats­prin­zi­pi­en wie­der her­ge­stellt wer­den und die Täter in Uni­form end­lich bestraft wer­den. Grie­chen­land ist in der Pflicht, Men­schen­rechts­stan­dards ein­zu­hal­ten. Dazu gehört auch, den Auf­bau eines Asyl- und Auf­nah­me­sys­tems vor­an­zu­trei­ben.  

Die bei­den Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen kri­ti­sie­ren, dass es zynisch sei, die Wie­der­ein­füh­rung von Bin­nen­grenz­kon­trol­len zu for­cie­ren und dabei die tra­gi­sche Situa­ti­on der im grie­chi­schen Tran­sit fest­sit­zen­den Flücht­lin­ge völ­lig aus­zu­blen­den. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich und sei­ne öster­rei­chi­sche Amts­kol­le­gin Mikl-Leit­ner haben mit ihrer popu­lis­ti­schen Kam­pa­gne gegen Grie­chen­land, den  Boden für die eska­lie­ren­de Situa­ti­on in Patras und Athen mit berei­tet. 

Deutsch­land und Euro­pa müs­sen einen kon­kre­ten Bei­trag zur Huma­ni­tät und Soli­da­ri­tät leis­ten. Ange­sichts der kata­stro­pha­len Situa­ti­on von Flücht­lin­gen in Patras und Athen sind die EU-Staa­ten auf­ge­for­dert, ein groß­zü­gi­ges Auf­nah­me­pro­gramm  von Schutz­su­chen­den aus Grie­chen­land zu beschlie­ßen.

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