25.07.2014
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Wer hilft jenen im Einsatz, denen Verteidigungsministerin von der Leyen hier die Hände schüttelt? Afghanische Sprachmittler müssen aufgrund ihrer Hilfe für die Bundeswehr Racheakte der Taliban fürchten. Sie bitten um Schutz in Deutschland – oft vergeblich. Das Bild zeigt von der Leyen bei einem Besuch im Camp Marmal 2013. Foto: flickr - Medien Bundeswehr

Sie haben der Bundeswehr bei ihren Einsätzen in Afghanistan geholfen und stehen jetzt auf der Abschussliste der Taliban. Doch viele der von Racheakten bedrohten Sprachmittler der Bundeswehr finden kein Gehör bei den politisch Verantwortlichen. Jetzt wenden sie sich mit einem dramatischen Brief an die deutsche Öffentlichkeit und bitten um Schutz.

„Uns wur­de immer wie­der gesagt, dass unse­re Leben nicht in Gefahr sei­en, aber vor ein paar Mona­ten wur­de der ehe­ma­li­ge Bun­des­wehr-Über­set­zer Dscha­wad Wafa von Tali­ban ent­haup­tet. Vor ein paar Mona­ten wur­de Abdul Rah­man, ein wei­te­rer Dol­met­scher, im Dorf Ali Khail in der Pro­vinz Bagh­lan in Kei­lagai getö­tet.“

So beginnt ein offe­ner Brief, mit dem sich afgha­ni­sche Sicher­heits­leu­te und Dol­met­scher der Bun­des­wehr aus dem Camp Mar­mal nahe Mazar-i-Sharif an die deut­sche Bevöl­ke­rung wen­den – mit der Bit­te, Druck auf die Ver­ant­wort­li­chen der Bun­des­re­gie­rung auf­zu­bau­en, damit sie Schutz in Deutsch­land fin­den dür­fen.

„Wir haben für und mit der deut­schen Bun­des­wehr gear­bei­tet. Wir hal­fen unse­ren Fami­li­en und wir haben gehofft, dass unse­re Arbeit auch mit dazu bei­trägt, Afgha­ni­stan sicher und lebens­wer­ter zu machen. Aber mit unse­rer Arbeit hal­fen wir auch euren Söh­nen, Töch­tern, Müt­tern, Vätern, Brü­dern und Schwes­tern, ihren Dienst hier in Afgha­ni­stan leich­ter und siche­rer zu machen. Jetzt sind wir in Lebens­ge­fahr und wir wer­den auch in Zukunft in Lebens­ge­fahr sein. Die Bun­des­wehr lässt uns und unse­re Fami­li­en allein und über­lässt uns unse­rem Schick­sal“, so die afgha­ni­schen Hel­fer der Bun­des­wehr, die für die deut­schen Sol­da­ten im Ein­satz über­set­zen oder etwa bei der Siche­rung des Camps ein­ge­setzt waren.

Zwar hat die Bun­des­wehr nach lan­gem Drän­gen ein Auf­nah­me­pro­gramm für bedroh­te Orts­kräf­te auf­ge­legt, doch die Prü­fung, inwie­fern eine Gefähr­dung der Antrag­stel­ler vor­liegt, ist intrans­pa­rent und genügt nicht rechts­staat­li­chen Stan­dards: Jene 595 Per­so­nen, die von den 937 antrag­stel­len­den Orts­kräf­ten eine Ableh­nung erhiel­ten, haben kei­ne Chan­ce, gegen die Ent­schei­dung Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen. Zum Ver­gleich: Jeder Aus­län­der, dem in einer deut­schen Aus­lands­ver­tre­tung ein Visum für Deutsch­land ver­sagt wird, kann dage­gen kla­gen. Den Hel­fern der Bun­des­wehr steht dage­gen kein Rechts­weg offen, obwohl es bei die­sen Ent­schei­dun­gen unter Umstän­den um Leben oder Tod geht.

Die Zunah­me der Anschlä­ge der Tali­ban in Afgha­ni­stan und die vie­len zivi­len Opfer führt dazu, dass die Orts­kräf­te vor dem Hin­ter­grund des Abzu­ges der inter­na­tio­na­len Trup­pen immer mehr befürch­ten, ins Visier ihrer Ver­fol­ger zu gera­ten. PRO ASYL for­dert seit Län­ge­rem die Auf­nah­me der afgha­ni­schen Orts­kräf­te unab­hän­gig von einer indi­vi­du­el­len Gefähr­dungs­prü­fung, die prak­tisch kaum mög­lich ist. Die Tali­ban – ein Sam­mel­be­griff für einen Teil der regie­rungs­feind­li­chen Kräf­te – haben immer erken­nen las­sen, dass sie jede Form der Zusam­men­ar­beit mit aus­län­di­schen Streit­kräf­ten als bestra­fungs­wür­di­ge Kol­la­bo­ra­ti­on sehen.

„Wir bit­ten nicht um Geld oder Almo­sen, wir bit­ten sie nur uns in Sicher­heit zu brin­gen. Wir bit­ten sie dar­um, dass unse­re Kin­der in Sicher­heit auf­wach­sen dür­fen und nicht dafür büßen müs­sen, weil ihr Vater der Bun­des­wehr half“, so die Orts­kräf­te in ihrem offe­nen Brief.

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