11.11.2016
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Spuren der Zerstörung: Das deutsche Konsulat in Mazar-i-Sharif nach dem Angriff. Foto: Reuters / Anil Usyan

Auf der verzweifelten Suche nach »sicheren Regionen« in Afghanistan wird von den Behörden neben Kabul und Herat häufig auch Mazar-i-Sharif angeführt. Ausgerechnet dort gab es jetzt einen verheerenden Anschlag auf das deutsche Konsulat, mit bislang vier Toten und über hundert Verletzten – hauptsächlich Zivilist*innen.

Eine siche­re inlän­di­sche Flucht­al­ter­na­ti­ve sei Mazar-i-Sharif, so behaup­tet es das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) in sei­nen Beschei­den. Auch in einem Lage­be­richt des Aus­wär­ti­gen Amts aus dem ver­gan­ge­nen Jahr ist die Pro­vinz Balch, deren Haupt­stadt Mazar-i-Sharif ist, als eines der weni­gen siche­ren Gebie­te Afgha­ni­stans auf­ge­führt, berich­te­te das Maga­zin MONITOR im März.

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Die angeb­lich siche­ren Regio­nen in Afgha­ni­stan. Im Nor­den die Regi­on Balch mit Mazar-i-Sharif. Bild: Screen­shot aus der MONI­TOR-Sen­dung vom 17.03.2016

Bewaffneter Angriff aufs Konsulat

Die­se Ein­schät­zung soll­te man dort wohl spä­tes­tens jetzt gründ­lich über­den­ken: Ein Spreng­stoff­an­schlag auf das deut­sche Kon­su­lat im ehe­ma­li­gen Bun­des­wehr­stütz­punkt Mazar-i-Sharif for­der­te, dem Lei­ter des Kran­ken­hau­ses zufol­ge, bis­lang vier Tote und über hun­dert Ver­letz­te – alle­samt Afghan*innen, vie­le davon offen­bar Zivilist*innen.

Bei der Atta­cke han­del­te es sich aber nicht »nur« um einen Selbst­mord­at­ten­tä­ter, das Aus­wär­ti­ge Amt spricht von »schwer bewaff­ne­ten Angrei­fern«, die man schließ­lich zurück­schla­gen konn­te.

In den meisten Regionen des Landes gibt es Kämpfe

Kein Ein­zel­fall: Sol­che Kampf­hand­lun­gen fin­den über­all im Land statt. Die Tali­ban kon­trol­lie­ren immer mehr Gebie­te, auch Kämp­fer des soge­nann­ten »Isla­mi­schen Staats« gewin­nen an Ein­fluss, dazu kom­men loka­le War­lords. Auch der neue Afgha­ni­stan-Bericht des »Euro­pean Asyl­um Ser­vice Office« (EASO) spricht davon, dass das Land eine Aus­brei­tung der Gewalt erle­be.

Ins­ge­samt wird in 31 der 34 Pro­vin­zen Afgha­ni­stans gekämpft, immer mehr Leu­te sind auch inner­halb des Lan­des auf der Flucht – die Ver­ein­ten Natio­nen befürch­ten, dass die Zahl der Bin­nen­ver­trie­be­nen bis Ende des Jah­res auf 1,5 Mil­lio­nen steigt.

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* Pro­gno­se für 2016: Schät­zung der Ver­ein­ten Natio­nen. Zah­len­quel­len: UNAMA Annu­al Reports. Gra­fik: PRO ASYL

Afghanistan ist nicht sicher!

Der Anschlag in Mazar-i-Sharif muss in Deutsch­land zu einer neu­en Dis­kus­si­on über die irr­sin­ni­gen Plä­ne zur Mas­sen­ab­schie­bung von afgha­ni­schen Flücht­lin­gen füh­ren! Wie­der ein­mal zeigt sich: Auch wenn Politiker*innen auf natio­na­ler und euro­päi­scher Ebe­ne es sug­ge­rie­ren möch­ten – Afgha­ni­stan ist kein siche­res Land. Nicht für die Men­schen, die dort leben und erst recht nicht für Flücht­lin­ge, die in die Kriegs­zu­stän­de in ihrem Her­kunfts­land zurück­ge­schickt wer­den sol­len.