15.08.2023
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Alleinerziehende Frauen auf der Flucht stehen vor besonderen Herausforderungen und brauchen Schutz. Foto: RSA/privat

Der neue Bericht unserer griechischen Partnerorganisation Refugee Support Aegean beleuchtet die Herausforderungen, denen sich alleinerziehende afghanische Frauen in Griechenland stellen müssen. Sechs geflüchtete Mütter berichten von Gewalt auf der Flucht, griechischen Lagern und ihrer Hoffnung auf ein sicheres Leben für sich und ihre Kinder.

Allein­er­zie­hen­de geflüch­te­te Müt­ter sind in Grie­chen­land mit beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen und Schutz­ri­si­ken kon­fron­tiert. Vie­le von ihnen sind der Gefahr von Aus­beu­tung, geschlechts­spe­zi­fi­scher Gewalt sowie kör­per­li­chen Ver­let­zun­gen aus­ge­setzt. Dies führt zu zusätz­li­chem psy­cho­so­zia­len Stress und Trau­ma nach der Ankunft in Grie­chen­land. Auch für ihre Kin­der besteht ein höhe­res Risi­ko kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Schäden.

Das geht aus dem Bericht »In search of safe­ty: The strugg­le of Afghan sin­gle mothers in Greece« (Auf der Suche nach Sicher­heit: Der Kampf von allein­er­zie­hen­den afgha­ni­schen Müt­tern in Grie­chen­land) her­vor, den unse­re grie­chi­sche Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on Refu­gee Sup­port Aege­an im Juli 2023 veröffentlichte.

Fünf der sechs Afgha­nin­nen, mit denen unse­re Kolleg*innen von Refu­gee Sup­port Aege­an (RSA) gespro­chen haben, kamen im Win­ter 2022 über die Evros-Land­gren­ze nach Grie­chen­land. Bei ihrer Ankunft in Athen waren die Frau­en zunächst obdach­los. Mitt­ler­wei­le leben alle in soge­nann­ten »Con­trol­led Access Cen­ters« (»Zen­tren mit kon­trol­lier­tem Zugang«) auf dem grie­chi­schen Fest­land. Alle sechs Frau­en wer­den recht­lich durch unse­re grie­chi­sche Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on Refu­gee Sup­port Aege­an (RSA) vertreten.

Sie wur­den in Afgha­ni­stan, im Tran­sit oder in Grie­chen­land von Tei­len ihrer Fami­li­en getrennt. In eini­gen Fäl­len sind die Ehe­män­ner ver­stor­ben oder ver­schwun­den. In ande­ren Fäl­len haben sich die­se Frau­en schei­den las­sen oder sind aus miss­bräuch­li­chen Bezie­hun­gen geflohen.

Im Fol­gen­den wer­den die im RSA-Bericht auf­ge­führ­ten Pro­ble­me von allein­er­zie­hen­den Frau­en zusam­men­fas­send wie­der­ge­ge­ben. Der voll­stän­di­ge Bericht ist hier abruf­bar (Eng­lisch).

Überlastung: Mutter, Anwältin und Ernährerin der Familie

Die Frau­en berich­ten von der Schwie­rig­keit, allei­ne für die Ver­sor­gung ihrer Kin­der zustän­dig zu sein und sich gleich­zei­tig im Asyl­ver­fah­ren für ihre Fami­lie ein­set­zen zu müssen:

»In Grie­chen­land muss eine allein­er­zie­hen­de geflüch­te­te Mut­ter die Anwäl­tin und Ernäh­rerin ihrer Fami­lie und gleich­zei­tig Mut­ter sein, wäh­rend wir weder die Spra­che noch das Gesetz ken­nen. Kannst du dir das vor­stel­len, mit all den schlech­ten Erin­ne­run­gen, die dich jede Nacht verfolgen?« 

Marzia* (38), Asylsuchende, zwei Söhne im Alter von 16 und 6 Jahren in Griechenland und eine vermisste Tochter

Dass die Frau­en unter den für Geflüch­te­te schwie­ri­gen Lebens­be­din­gun­gen in Grie­chen­land so vie­le Rol­len gleich­zei­tig aus­zu­fül­len haben, stellt für die oft­mals trau­ma­ti­sier­ten Müt­ter eine Über­be­las­tung dar. Es lässt ihnen zudem wenig Zeit und Ener­gie für sich selbst, etwa um ver­gan­ge­ne Erfah­run­gen und Trau­ma­ta zu verarbeiten.

Gleich­zei­tig müs­sen die Frau­en mit dem Kul­tur­schock fer­tig wer­den, der sich aus der plötz­li­chen Kon­fron­ta­ti­on mit ande­ren Vor­stel­lun­gen von Geschlech­ter­rol­len, Fami­lie, Rech­ten und dem Gesetz ergibt.

Obdachlosigkeit statt Sicherheit

Vie­le der inter­view­ten Frau­en waren nach ihrer Ankunft in Grie­chen­land zunächst obdachlos:

»Als ich mit mei­nen Kin­dern und unse­rer klei­nen Tasche in den Stra­ßen von Athen leb­te, fühl­te ich mich ver­lo­ren und hilf­los in die­sem frem­den Land.«

Par­vin (29), Asyl­su­chen­de, 2 Kinder

»Als ich mit mei­nen Kin­dern und unse­rer klei­nen Tasche in den Stra­ßen von Athen leb­te, fühl­te ich mich ver­lo­ren und hilf­los in die­sem frem­den Land. Alles, was ich woll­te, war eine siche­re Unter­kunft zu fin­den, in der wir uns aus­ru­hen konn­ten. Ich brauch­te einen Moment, um mich beru­hi­gen zu kön­nen. Aber wir teil­ten uns dann einen Monat lang ein Haus mit vie­len ande­ren und hat­ten nicht ein­mal einen rich­ti­gen Platz zum Schla­fen oder Duschen. Ich habe gebe­tet: ‚Möge Gott uns vor den Frem­den schüt­zen, die neben uns schla­fen‘, und ich blieb jede Nacht wach und schlief nur ein oder zwei Stun­den, um über mei­ne Kin­der zu wachen.«

Parvin* (29), Asylsuchende, zwei Kinder im Alter von 9 und 6 Jahren

Die drän­gends­ten Anlie­gen der Frau­en: Ein siche­rer Ort, geschützt vor jeg­li­cher Form der erzwun­ge­nen Rück­füh­rung, rascher Zugang zu einem fai­ren Asyl­ver­fah­ren und men­schen­wür­di­ge Lebensbedingungen

»Es ist nicht leicht, gleich­zei­tig allein­er­zie­hend, eine Frau und ein Flücht­ling zu sein. Es gibt vie­le Din­ge, um die man sich sor­gen muss. Das Asyl­ver­fah­ren ist für mich sehr anstren­gend, vor allem, wenn ich mich gleich­zei­tig stän­dig um die Deckung unse­rer Grund­be­dürf­nis­se küm­mern muss. Ich habe ver­sucht, zwei Tage pro Woche in einer Fabrik zu arbei­ten, aber ich konn­te kei­nen siche­ren Ort fin­den, an dem ich mei­ne Kin­der wäh­rend der Arbeit las­sen konn­te, also muss­te ich aufgeben.«

Arezu* (33), Asylsuchende, drei Kinder im Alter von 13, 9 und 3 Jahren

Die Frau­en berich­ten, dass der Man­gel an aus­rei­chen­den Anlauf­stel­len für Asylantragsteller*innen in den grie­chi­schen Lagern ein gro­ßes Hin­der­nis bei der Wahr­neh­mung von Rech­ten und der Deckung der Grund­be­dürf­nis­se ihrer Fami­li­en dar­stellt. Eine spe­zia­li­sier­te Unter­stüt­zungs­struk­tur, die auf ihre beson­de­ren Bedürf­nis­se, oder die spe­zi­el­len Bedürf­nis­se ande­rer vul­nerabler Grup­pen aus­ge­legt ist, gibt es trotz des drin­gen­den Bedarfs nicht.

Flucht nach Europa: Noch mehr Traumata 

Alle Frau­en, mit denen die grie­chi­sche Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on von PRO ASYL gespro­chen hat, haben Grie­chen­land auf »irre­gu­lä­rem« Weg erreicht. Dies ist eine Fol­ge der nahe­zu voll­stän­di­gen Abwe­sen­heit von lega­len Flucht­we­gen nach Euro­pa. Auf der gefähr­li­chen Flucht haben die meis­ten ille­ga­le Push-Backs erlebt, die oft­mals zur Tren­nung ihrer Fami­li­en und sogar zum Ver­schwin­den von Ange­hö­ri­gen führ­ten. Die trau­ma­ti­sie­ren­den Erleb­nis­se wir­ken bis heu­te nach:

»Mei­ne Toch­ter hat Angst vor der Poli­zei und zit­tert schon bei dem Wort ‚Poli­zei‘, denn wir wur­den in Grie­chen­land mehr­mals auf­ge­grif­fen und zurückgeschickt.«

Palvasha* (34), Asylantragstellende, mit einer 7‑jährigen Tochter in Griechenland, die Familie wurde illegal aus Griechenland in die Türkei zurückgeführt.

»Mei­ne größ­te Sor­ge gilt jetzt mei­nem Sohn, der unter psy­chi­schen Pro­ble­men lei­det und allein in der Tür­kei ist. Als wir ver­such­ten, Grie­chen­land zu errei­chen, wur­de er von unse­rer Grup­pe getrennt, die grie­chi­sche Poli­zei fand ihn und schick­te ihn zurück in die Tür­kei. Tage­lang wuss­te ich nicht, ob er lebt oder tot ist. Ich wein­te den gan­zen Tag. Schließ­lich fand ich her­aus, dass er in der Tür­kei geschla­gen und inhaf­tiert wor­den war. Ich möch­te nur, dass wir alle zusam­men und in Sicher­heit sind, und ich möch­te, dass mei­ne Jungs zur Schu­le gehen und ler­nen können.«

Fatima* (46), anerkannter Flüchtling, wurde an der griechisch-türkischen Landgrenze von ihrem jüngeren Sohn getrennt. Ihr Sohn ist allein in der Türkei.

Auf­grund psy­chi­scher Belas­tun­gen ver­su­chen alle Frau­en, mit denen RSA gespro­chen hat, Psycholog*innen auf­zu­su­chen. Vie­le Müt­ter lei­den zudem an kör­per­li­chen Beschwer­den und Erkran­kun­gen, die ihre Gesund­heit und damit auch ihre Kapa­zi­tä­ten, sich für die Belan­ge ihrer Fami­lie ein­zu­set­zen, beeinträchtigen.

»Mei­ne Toch­ter hat Angst vor der Poli­zei und zit­tert schon bei dem Wort ‚Poli­zei‘, denn wir wur­den in Grie­chen­land mehr­mals auf­ge­grif­fen und zurückgeschickt.«

Abgelegene Lager: Kaum Zugang zu Gesundheitsversorgung, Transport und Übersetzungsdienste

Die Ange­bo­te in den grie­chi­schen Lagern wur­den seit Beginn des Jah­res stark ein­ge­schränkt. Die­se Situa­ti­on hat sich laut RSA ins­be­son­de­re seit dem über­wie­gen­den Rück­zug der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on für Migra­ti­on (IOM) seit dem 20. März 2023 ver­schärft. Rechts­be­ra­tung, psy­cho­so­zia­le Unter­stüt­zung und Sprach­kur­se sowie Trans­port­mög­lich­kei­ten wur­den radi­kal redu­ziert, wenn nicht ganz eingestellt.

Seit Anfang Febru­ar 2023 gibt es zudem gra­vie­ren­de Lücken bei den Dolmetscher*innendiensten in den Lagern. Dar­über hin­aus gibt es in den Lagern weder fach­me­di­zi­ni­sche Diens­te (z. B. Psychiater*innen, Kinderärzt*innen oder Gynäkolog*innen) noch die Mög­lich­keit, Medi­ka­men­te ver­schrie­ben zu bekom­men. Pro­ble­me beim Zugang zu öffent­li­cher Gesund­heits­ver­sor­gung, Trans­port und Über­set­zungs­diens­ten sind All­tag für die allein­er­zie­hen­den Müt­ter in den Lagern.

Verzögerungen bei der Registrierung der Asylanträge

Die Frau­en berich­ten, dass sie in den grie­chi­schen Lagern eini­ge Wochen oder sogar Mona­te war­ten muss­ten, bis sie ihre Asyl­an­trä­ge regis­trie­ren las­sen konn­ten. Erst damit erhiel­ten sie ord­nungs­ge­mä­ße Papie­re und damit Schutz vor Auf­grif­fen und Inhaftierung.

Eine Mut­ter berich­tet von ihrem Kampf für die inhalt­li­che Prü­fung ihres Asyl­an­trags und gegen die Anwen­dung des Kon­zepts des »siche­ren Dritt­staats«. Da sie über die Tür­kei geflo­hen war, die für man­che Grup­pen in Grie­chen­land als »sicher« gilt, wur­de ihr Asyl­an­trag zunächst als »unzu­läs­sig« abge­lehnt. Es dau­er­te wei­te­re fünf Mona­te in Unsi­cher­heit, bis sie einen Fol­ge­an­trag stel­len konnte.

Ver­zö­ge­run­gen bei der Regis­trie­rung der Asyl­an­trä­ge wir­ken sich direkt auf den Zugang zu monat­li­chen Zuwen­dun­gen aus, die Per­so­nen wäh­rend des Asyl­ver­fah­rens zuste­hen. Vie­le Frau­en berich­ten von War­te­zei­ten von meh­re­ren Wochen bis Mona­ten. Eine Frau erzählt im Gespräch mit RSA, dass sie seit ihrer Ankunft in Grie­chen­land vor mehr als sechs Mona­ten kei­ne finan­zi­el­le Unter­stüt­zung erhal­ten habe.

Ohne das Geld sind die Müt­ter nicht in der Lage, die Grund­be­dürf­nis­se für sich und ihre Kin­der zu decken. Auch Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te in den umlie­gen­den Städ­ten kön­nen so nicht wahr­ge­nom­men werden.

Hürden bei der Wahrnehmung von Unterstützungsangeboten

Fahrt­kos­ten aus abge­le­ge­nen Lagern in die Stadt wer­den vom grie­chi­schen Staat nicht über­nom­men. Doch Fahr­ten nach Athen sind wich­tig, da Asyl­su­chen­de dort Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te im recht­li­chen, sozia­len und gesund­heit­li­chen Bereich auf­su­chen kön­nen. Die Müt­ter, die, mit denen RSA sprach, kön­nen zudem nur zu den Zei­ten nach Athen fah­ren, in denen ihre Kin­der in der Schu­le sind. Säug­lin­ge oder Klein­kin­der müs­sen sie mitnehmen.

Die­se mehr­fa­chen Ein­schrän­kun­gen hin­dern die Frau­en oft dar­an, Ter­mi­ne bei Psycholog*innen, in Kran­ken­häu­sern oder bei ihren Anwält*innen wahr­neh­men zu kön­nen. Dies gilt sogar für die vor­ge­schrie­be­nen Asylanhörungen.

»Kürz­lich ging ich mit all mei­nen Kin­dern zur Bean­tra­gung mei­nes Asyl­fol­ge­an­trags. Wäh­rend des Gesprächs hielt ich mei­nen Klei­nen auf dem Arm, mein Gro­ßer saß neben mir und mein ande­rer Jun­ge saß vor dem Büro. Es gab kei­nen ande­ren Ort, an dem ich mei­ne Kin­der hät­te las­sen kön­nen. Wenn man sich in einer sol­chen Situa­ti­on befin­det, ist es nicht leicht, sich dar­an zu erin­nern, alles, was für den Antrag wich­tig ist, auf die bes­te Art und Wei­se zu sagen.«

Arezu* (33), Asylsuchende, Mutter von drei Kindern im Alter von 13, 9 und 3 Jahren

Asyl­be­hör­den, wie z. B. die für afgha­ni­sche Geflüch­te­te zustän­di­ge Stel­le in Pirä­us, bie­ten kei­nen kin­der­freund­li­chen Auf­ent­halts­ort an, in dem sich Kin­der bis zum Ende des Ter­mins auf­hal­ten können.

Probleme bei der Sicherung des Sorgerechts

Ein wei­te­res gro­ßes Pro­blem für allein­er­zie­hen­de Müt­ter ist die Siche­rung des Sor­ge­rechts für ihre Kin­der. Denn wesent­li­che Per­so­nen­stands­ver­fah­ren wur­den in den Her­kunfts­län­dern oft­mals nicht durch­ge­führt und Doku­men­te wie Fami­li­en­bü­cher, Schei­dungs­ur­kun­den, Ster­be­ur­kun­den oder Sor­ge­rechts­ent­schei­dun­gen haben sie ent­we­der gar nicht erst erhal­ten, oder die­se wur­den auf der Flucht beschlag­nahmt, gestoh­len oder gin­gen verloren.

Kei­ne der Frau­en, mit denen RSA spra­chen, war über die Sor­ge­rechts­ver­fah­ren oder ihr Recht, beim grie­chi­schen Staat eine kos­ten­lo­se Rechts­ver­tre­tung zu bean­tra­gen, infor­miert. Der Abzug der IOM aus den Lagern hat schwer­wie­gen­de Infor­ma­ti­ons­lü­cken im Bereich Fami­li­en­recht hinterlassen.

»Ich weiß, dass ich stark bin, weil ich bis­her alles geschafft habe, aber ich hat­te kein eige­nes Leben und kei­ne Kindheit.«

Pal­va­sha (34), Asyl­su­chen­de Mutter

Kämpferinnen für ein »normales« Leben

Alle Müt­ter berich­ten, dass es ihr größ­ter Wunsch ist, ihre Kin­der glück­lich und sicher zu sehen. Sie wün­schen ihnen das »nor­ma­le Leben«, dass sie selbst nie hatten:

»Ich weiß, dass ich stark bin, weil ich bis­her alles geschafft habe, aber ich hat­te kein eige­nes Leben und kei­ne Kind­heit. Ich wün­sche mir für mei­ne Toch­ter, dass sie alles hat, was ich nicht haben konn­te, und dass sie ein glück­li­ches und akti­ves Mit­glied der Gesell­schaft wird. Sie ist mein Ein und Alles. Ich wün­sche mir, dass wir eines Tages Asyl erhal­ten und unse­re Papie­re bekom­men, ein siche­res Zuhau­se außer­halb des Lagers, ein nor­ma­les Leben. Ich möch­te die grie­chi­sche Spra­che ler­nen und arbei­ten kön­nen. Ich möch­te, dass mei­ne Toch­ter glück­lich in der Schu­le ist. Ich möch­te, dass die grie­chi­sche Gesell­schaft uns als Men­schen sieht, und ich wün­sche mir, dass die Grie­chen mei­ne Toch­ter so sehen, wie sie ihre Kin­der sehen.«

Palvasha* (34), Asylsuchende, Mutter einer siebenjährigen Tochter in Griechenland und zwei weitere Kindern, die während ihrer Reise nach Europa von ihr getrennt wurden

»Alles, wofür eine Frau beten wür­de, um es zu ver­mei­den, ist mir wider­fah­ren. Aber ich bin stolz dar­auf, dass ich nicht vor dem Tali­ban-Regime kapi­tu­liert und mei­ne bei­den Jun­gen in Sicher­heit gebracht habe. Jedes Mal, wenn ich gefal­len bin, bin ich wie­der auf­ge­stan­den. Aber was mir wider­fah­ren ist, hat sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen. Ich füh­le mich nicht gut, ich ver­ges­se viel, bin oft depri­miert und lei­de unter Kopfschmerzen.«

Marzia* (38), Asylsuchende, Mutter von zwei Söhnen im Alter von 16 und 6 Jahren und eine Tochter, die vermisst wird

Der Bericht unse­rer Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on Refu­gee Sup­port Aege­an ist hier abruf­bar (Eng­lisch).

(RSA/hk)

*2021 wur­de das Land Tür­kei in Grie­chen­land pau­schal für alle schutz­su­chen­den Men­schen aus Afgha­ni­stan, Syri­en, Soma­lia, Paki­stan und Ban­gla­desch für »sicher« erklärt. Seit­her wer­den Asyl­an­trä­ge von Men­schen aus die­sen Län­dern sys­te­ma­tisch als unzu­läs­sig abge­lehnt. Sie erhal­ten nicht den Schutz, der ihnen zusteht, son­dern blei­ben in einer ewi­gen Lim­bo-Situa­ti­on. Denn die ange­droh­te Abschie­bung in die Tür­kei kann seit 2020 nicht mehr durch­ge­setzt wer­den, da die Tür­kei die Rück­über­nah­me ver­wei­gert. Durch Wider­spruch und Fol­ge­an­trag­stel­lung ist es zum Teil den­noch mög­lich, sich mit einem lang­wie­ri­gen Ver­fah­ren die inhalt­li­che Prü­fung des Asyl­an­trags zu erkämpfen.