13.07.2018
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Jüdische Flüchtlinge auf dem Schiff »St. Louis« in Havanna 1939. Nachdem ihnen die Einreise verweigert wurde, mussten sie zurück nach Europa fahren. Mindestens 254 der rund 900 Passagiere starben später im Holocaust. Foto: picture alliance / akg-images

Im Juli 1938 trafen sich in Evian Delegierte von 32 Staaten, um über die Aufnahme der existenziell bedrohten jüdischen Flüchtlinge und Verfolgten des Nazi-Regimes zu beraten. Die Konferenz endete in einem Desaster: Kein europäisches Land erklärte sich bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen oder wenigstens die Einreisebedingungen zu lockern.

80 Jah­re spä­ter, Ende Juni 2018, tra­fen sich in Brüs­sel die Staats- und Regie­rungs­chefs der 28 EU-Län­der, um über die euro­päi­sche Migra­ti­ons- und Asyl­po­li­tik zu bera­ten und eine gemein­sa­me Stra­te­gie zur Lösung der »Flücht­lings­kri­se« zu ver­ab­schie­den. Die Ergeb­nis­se sind so nie­der­schmet­ternd wie scho­ckie­rend: Mit einer Erbar­mungs­lo­sig­keit ohne­glei­chen, abgrund­tie­fen Här­te und Kalt­schnäu­zig­keit einig­ten sich die Teil­neh­mer auf Richt­li­ni­en und Beschlüs­se, in deren Fokus Aus­gren­zung, Abschre­ckung, Schutz­ver­wei­ge­rung, Abwehr und Aus­la­ge­rung des Flücht­lings­schut­zes ste­hen.

Lehren der Geschichte scheinen in Vergessenheit geraten

Ein Déjà-vu der Schan­de – die­ser Gip­fel wird 80 Jah­re nach Evi­an als Gip­fel der Inhu­ma­ni­tät, der Igno­ranz und des Zynis­mus in die Geschich­te ein­ge­hen. Denn 80 Jah­re nach Evi­an schei­nen die Leh­ren der Geschich­te wie­der in Ver­ges­sen­heit gera­ten zu sein. Die­se führ­ten nach 1945 zur Eta­blie­rung der Men­schen­rech­te und eines in völ­ker­recht­li­chen Kon­ven­tio­nen ver­an­ker­ten inter­na­tio­na­len Flücht­lings­schutz-Sys­tems, das ein zwei­tes »Evi­an« für immer ver­hin­dern soll­te.

Heu­te klü­geln die EU-Staa­ten und Ver­ant­wort­li­chen der ein­zel­nen Län­der ein gren­zen­los-bru­ta­les Sys­tem der Be- und Ver­hin­de­rung der Inan­spruch­nah­me des Asyl­rechts aus, das die Drang­sa­lie­run­gen und Auf­la­gen, denen die Nazi-Ver­folg­ten in ihren Asyl­län­dern aus­ge­setzt waren, an Här­te, büro­kra­ti­scher Kon­trol­le, Undurch­dring­lich­keit und Demü­ti­gung bei Wei­tem über­trifft.

Ob vor­ge­schal­te­te »Zuläs­sig­keits­ver­fah­ren«, »Aus­schif­fungs­platt­for­men«, »Kon­trol­lier­te Zen­tren«, »AnkER-Zen­tren«, »Hot­spots« im Innern, an den Außen­gren­zen oder dar­über hin­aus, ob Abschie­bun­gen und »Rück­füh­run­gen« in Kriegs­ge­bie­te wie Afgha­ni­stan und angeb­lich siche­re Dritt­staa­ten, ob es sich um »Deals« mit natio­na­lis­ti­schen Auto­kra­ten oder die Zusam­men­ar­beit mit men­schen­recht­lich bedenk­li­chen Staa­ten, war­lords oder kri­mi­nel­len Mili­zen einer Küs­ten­wa­che han­delt – dies alles hat mit dem Anspruch der EU als einer »Wer­te­ge­mein­schaft« – Euro­pa als »Raum der Frei­heit, der Sicher­heit und des Rechts« – nichts mehr zu tun.

Der ehe­mals heh­re Anspruch einer huma­nen euro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik tritt heu­te immer wei­ter hin­ter der Rea­li­tät einer end­los restrik­ti­ver wer­den­den, ras­sis­tisch unter­füt­ter­ten Poli­tik zurück.

Alle die­se Maß­nah­men sind kei­ne Lösun­gen, son­dern nichts ande­res als Sym­pto­me ras­sis­ti­scher Abwehr und der Gering­schät­zung und Miss­ach­tung all der Ver­zwei­fel­ten, Ver­folg­ten und Gede­mü­tig­ten, deren letz­te Hoff­nung die Huma­ni­tät Euro­pas war.

937

deut­sche Juden ver­such­ten 1939 mit dem Damp­fer St. Lou­is zu flie­hen. In Kuba und den USA wur­de ihnen die Ein­rei­se ver­wei­gert, bis sie schließ­lich nach einer mona­te­lan­gen Odys­see in Bel­gi­en lan­de­ten.

Odyssee der Rettungsschiffe

Sinn­bil­der für die­se von Popu­lis­ten und Ras­sis­ten ange­trie­be­ne inhu­ma­ne euro­päi­sche Flücht­lings­po­li­tik sind die Odys­se­en der »AQUARIUS« und der »Life­li­ne« im Juni 2018. Auch sie haben eine Ent­spre­chung in der dun­kels­ten Pha­se der deut­schen Ver­gan­gen­heit und erin­nern fatal an die Irr­fahr­ten der »ST.LOUIS«, dem »trau­rigs­ten Schiff der Welt«. Das Schiff hat­te – nach dem Schei­tern der Kon­fe­renz von Evi­an und dem Novem­ber­po­grom 1938 – ver­sucht, über 900 jüdi­sche Flücht­lin­ge aus Deutsch­land in Sicher­heit zu brin­gen; ver­geb­lich, nir­gends ein siche­rer Hafen, kein ret­ten­des Ufer, Kuba und die USA ver­wei­ger­ten die Lan­de­er­laub­nis, ande­re Län­der schlos­sen ihre Gren­zen.

Über 250

der Pas­sa­gie­re von der St. Lou­is star­ben, Nach­for­schun­gen zufol­ge, wäh­rend des Holo­caust.

Nach wochen­lan­ger Irr­fahrt und Rück­kehr nach Euro­pa durf­ten die Pas­sa­gie­re schließ­lich in Ant­wer­pen an Land gehen. Aber auch hier waren sie nicht sicher. Nach der Beset­zung der Nie­der­lan­de und Frank­reichs durch die deut­sche Wehr­macht ende­te die Odys­see der »ST.LOUIS« für vie­le Flücht­lin­ge im KZ.

Der ehe­mals heh­re Anspruch einer huma­nen euro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik tritt heu­te immer wei­ter hin­ter der Rea­li­tät einer end­los restrik­ti­ver wer­den­den, ras­sis­tisch unter­füt­ter­ten Poli­tik mit aus­gren­zen­den Geset­zen, Pra­xen und Dis­kur­sen zurück.

Kriminalisierung & Stigmatisierung: Wieder Alltag

Kri­mi­na­li­sie­rung und Stig­ma­ti­sie­rung von Flücht­lin­gen gehö­ren mitt­ler­wei­le nicht nur zum All­tags-Reper­toire von Popu­lis­ten vom Schla­ge Gau­lands, Höckes oder Wei­dels.

»Asyl-Tou­ris­mus«, »Abschie­be-Indus­trie«, »Asyl-Gehalt«, »Asyl-Shut­tle« sind nur eini­ge der Begrif­fe, deren Sag­bar­keit auch von Poli­ti­kern wie See­ho­fer, Söder, Dob­rindt und ande­ren erprobt wird, um Ängs­te zu mobi­li­sie­ren und Sün­den­bö­cke zu prä­sen­tie­ren. Und auch die Hel­fer und See­not­ret­ter wer­den als »nai­ve Gut­men­schen«, als »NGO-Wahn­sinn« (Kurz) und »Unter­stüt­zer der Schlep­per-Indus­trie« dis­kri­mi­niert und kri­mi­na­li­siert. Damit ver­su­chen sie, von den Ver­säum­nis­sen ihrer eige­nen Poli­tik abzu­len­ken und die wah­ren und tat­säch­li­chen Flucht­grün­de zu kaschie­ren, für die sie mit­ver­ant­wort­lich sind.

Zehn­tau­sen­de von Flücht­lin­gen bege­ben sich nicht auf die Flucht oder ertrin­ken im Mit­tel­meer, weil Schlep­per ihr Leid aus­nutz­ten und sich an ihren Elend berei­cher­ten; sie gera­ten in Lebens­ge­fahr oder ertrin­ken, weil kein Staat der EU bereit ist, sie legal ein­rei­sen zu las­sen, sie auf­zu­neh­men und sich ernst­haft und nach­hal­tig mit ihren Flucht­grün­den aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Euro­zen­tris­mus und insti­tu­tio­nel­ler euro­päi­scher Ras­sis­mus sie­gen über Mensch­lich­keit und der völ­ker­recht­li­chen Ver­pflich­tung zur See­not­ret­tung. In der Gering­schät­zung von Men­schen­le­ben, der bil­li­gen­den Inkauf­nah­me des Todes von Flücht­lin­gen und der Miss­ach­tung von Men­schen­rech­ten offen­bart sich die poli­ti­sche und mora­li­sche Signa­tur Euro­pas im frü­hen 21. Jahr­hun­dert.

Ursachen der Flucht werden verschwiegen

So wie Brüs­sel und Ber­lin die Ursprün­ge und Inten­tio­nen des Rechts auf Asyl ver­ges­sen haben oder ver­ges­sen machen möch­ten, so ver­drän­gen und ver­schwei­gen sie auch die Ursa­chen der Flucht. Die Lager im Kern und in den Rand­zo­nen Euro­pas – und dar­über hin­aus – wer­den zum Sinn­bild eines post­ko­lo­nia­len Sys­tems euro­päi­scher Apart­heid. Die­ses „Labor“ einer durch FRONTEX, durch mili­tan­te Küs­ten­wa­chen und kri­mi­nel­le Mili­zen mili­tä­risch und tech­no­lo­gisch abge­si­cher­ten euro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik hat gra­vie­ren­de nega­ti­ve Fol­gen für die Men­schen sowohl der Her­kunfts- wie der »Auf­nah­me«- Län­der als auch für den Sta­tus quo und die Zukunft von Rechts­staat­lich­keit und Demo­kra­tie. Exter­ri­to­ria­le Lager der Armut, Aus­gren­zung, Recht- und Gesetz­lo­sig­keit einer­seits – Fes­tun­gen des Wohl­stands und der »Rechts­staat­lich­keit« ande­rer­seits:

Das Leben in Lagern, im Aus­nah­me­zu­stand, droht zum Nor­mal­fall, zur Rea­li­tät des Flücht­lings im 21. Jahr­hun­dert zu wer­den.

Das Leben in Lagern, im Aus­nah­me­zu­stand, droht zum Nor­mal­fall, zur Rea­li­tät des Flücht­lings im 21. Jahr­hun­dert zu wer­den. Dies alles geschieht im Namen Euro­pas, im Namen der Demo­kra­tie; und es doku­men­tiert in erschre­cken­der Wei­se ihre Ver­wer­fun­gen durch die gegen­wär­ti­ge Poli­tik.

Wohin ist Euro­pa ver­kom­men, dass es Men­schen kate­go­ri­siert und nach zwei­er­lei Maß ein­teilt und »bemisst«: so, dass für geflüch­te­te Men­schen nicht gilt und nicht gel­ten soll, was das Grund­ge­setz, was die Ver­fas­sun­gen und inter­na­tio­na­len Kon­ven­tio­nen, was die »euro­päi­schen Wer­te« unter Men­schen­wür­de und Men­schen­rech­ten ver­ste­hen und schüt­zen?

Das Pro­blem Deutsch­lands und Euro­pas sind nicht die Flücht­lin­ge. Das Pro­blem Deutsch­lands und Euro­pas heißt heu­te: Ras­sis­mus.

Verrat an den vielbeschworenen Werten

War es 1938 ein ideo­lo­gisch moti­vier­ter Anti­se­mi­tis­mus, der in vie­len Län­dern zur Zurück­wei­sung von Flücht­lin­gen – in sei­ner schlimms­ten Vari­an­te in Nazi-Deutsch­land zu Mord und plan­mä­ßi­ger Ver­nich­tung der jüdi­schen Bevöl­ke­rung – führ­te, so sehen sich Flücht­lin­ge heu­te, vor allem jene aus Afri­ka und isla­mi­scher Reli­gi­ons­an­ge­hö­rig­keit, mit einem ideo­lo­gisch und öko­no­misch moti­vier­ten insti­tu­tio­nel­len Ras­sis­mus kon­fron­tiert, mit Ver­ord­nun­gen und Geset­zen, in die ras­sis­ti­sches Den­ken ein­ge­gan­gen ist, die zu aus­gren­zen­den Pra­xen und Dis­kur­sen füh­ren.

»Die Leh­re von Ausch­witz ist: die Men­schen nie mehr ein­tei­len. Und: die Ver­ant­wor­tung für sein eige­nes Han­deln erhal­ten.«

Her­mann Lang­bein, Ausch­witz-Über­le­ben­der

Der Ver­rat an den viel beschwo­re­nen Wer­ten Euro­pas, des »christ­li­chen Abend­lan­des«, sei­ner Tra­di­ti­on der Auf­klä­rung, Demo­kra­tie und der Men­schen­rech­te lässt sich exem­pla­risch an sei­ner Flücht­lings­po­li­tik able­sen, die zur Min­der­be­wer­tung, Her­ab­set­zung und aggres­si­ven Abgren­zung ande­rer Kul­tu­ren und Men­schen ande­rer Her­kunft führt; Wer­tig­keits­merk­ma­le – das lehrt die deut­sche und euro­päi­sche Geschich­te im Über­maß – , derer sich auto­ri­tä­re oder faschis­ti­sche Regime zur »Recht­fer­ti­gung« von Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus, Ver­fol­gung und Krieg ger­ne bedie­nen.

Staatlicher & alltäglicher Rassismus bedingen sich

Evi­an bewies, dass staat­li­cher und all­täg­li­cher indi­vi­du­el­ler Ras­sis­mus ein­an­der bedin­gen. Des­halb ver­langt das Bemü­hen um sei­ne Über­win­dung eine gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung über die staat­li­che Dis­kri­mi­nie­rungs- und Aus­gren­zungs­po­li­tik gegen­über Flücht­lin­gen – eine Auf­ga­be, der sich Poli­tik und Regie­rungs­par­tei­en bis­her beharr­lich ver­wei­gern. Hier sind die Oppo­si­ti­on, die Kir­chen, Gewerk­schaf­ten und die gesam­te Zivil­ge­sell­schaft auf­ge­ru­fen und gefor­dert, öffent­lich und mit allem Nach­druck das The­ma »insti­tu­tio­nel­ler Ras­sis­mus« auf die poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Tages­ord­nung zu set­zen.

Der Kapi­tän der »ST.LOUIS«, Gus­tav Schrö­der, been­de­te sei­ne Memoi­ren mit den Wor­ten: »Nie­mals möge die Mah­nung ver­ges­sen wer­den, die das tra­gi­sche Schick­sal der schwer­ge­prüf­ten Pas­sa­gie­re für die gesam­te Mensch­heit bedeu­tet: damit sich Grau­sam­keit und Unmensch­lich­keit nie wie­der breit­ma­chen kön­nen.«

Und Her­mann Lang­bein, Ausch­witz-Über­le­ben­der und Chro­nist des Wider­stan­des in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern, erklär­te kurz vor sei­nem Tod in den 1990er Jah­ren, die bezüg­lich der Het­ze gegen Flücht­lin­ge durch­aus eine Par­al­le­le zur heu­ti­gen Situa­ti­on auf­wei­sen:

»Ja, nie wie­der Ausch­witz, aber das ist kei­ne Sache von sal­bungs­vol­len Reden. Die Ras­sen­ideo­lo­gie ist wie­der auf dem Vor­marsch, in Deutsch­land, in Öster­reich; die Men­schen wer­den wie­der ein­ge­teilt. Die Leh­re von Ausch­witz ist: die Men­schen nie mehr ein­tei­len. Und: die Ver­ant­wor­tung für sein eige­nes Han­deln erhal­ten.«

Vor 80 Jah­ren, in Evi­an, hat die Zivi­li­sa­ti­on ihre Prü­fung nicht bestan­den. An sei­nen Außen­gren­zen wird sich erwei­sen, ob Euro­pa die Prü­fung des 21. Jahr­hun­derts besteht.

Die wich­tigs­te Leh­re aus dem Schei­tern von Evi­an und aus dem Zivi­li­sa­ti­ons­bruch der Kol­lek­tiv­ver­bre­chen des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts war die uni­ver­sel­le Ver­an­ke­rung der Men­schen­rech­te in völ­ker­recht­li­chen Kon­ven­tio­nen und Ver­trä­gen sowie die Ein­rich­tung von Instru­men­ten zur Über­wa­chung ihrer Ein­hal­tung als Grund­la­ge des inter­na­tio­na­len Men­schen­rechts- und Flücht­lings­schut­zes.

Zivilisatorische Errungenschaften werden entstellt

Wenn die­se höchs­ten und wich­tigs­ten zivi­li­sa­to­ri­schen Errun­gen­schaf­ten heu­te durch Umin­ter­pre­ta­tio­nen, Zer­glie­de­rung und vor­ge­schal­te­te Hür­den, durch poli­ti­sche Will­kür und eine Ver­zwe­ckung des Rechts, durch die Kate­go­ri­sie­rung und Ein­tei­lung von Men­schen durch ver­ant­wort­li­che Regie­run­gen oder Staa­ten in Zwei­fel gezo­gen oder bis zur Unkennt­lich­keit ent­stellt wer­den, ist dies nicht nur ein his­to­ri­scher Skan­dal, der das Men­schen­bild und den Huma­ni­täts­an­spruch Deutsch­lands und Euro­pas gänz­lich in Fra­ge stellt; es wäre auch der Nie­der­gang des Pro­jekts der rechts­staat­li­chen Demo­kra­tie und könn­te – im schlimms­ten Fall – den Beginn einer natio­na­lis­tisch-prä­fa­schis­ti­schen Ära mar­kie­ren.

Die unter­las­se­ne Hil­fe der EU bei der Ret­tung Schiff­brü­chi­ger im Mit­tel­meer, die Kri­mi­na­li­sie­rung der See­not­ret­ter und die har­schen Beschlüs­se von Brüs­sel gegen­über Flücht­lin­gen doku­men­tie­ren nur all­zu deut­lich: Auch die Demo­kra­tie ist kei­ne Garan­tie zur Ver­hin­de­rung der Bar­ba­rei. Die­se kann nur dann abge­wen­det wer­den, wenn ihr von Beginn an eine wach­sa­me, akti­ve und wider­stän­di­ge Zivil­ge­sell­schaft auf das Ent­schie­dens­te ent­ge­gen­tritt, die wil­lens und in der Lage ist, die Struk­tu­ren sol­cher Aus­gren­zungs- und Destruk­ti­ons­stra­te­gi­en zu erken­nen, zu benen­nen und poli­tisch zu bekämp­fen.

Vor 80 Jah­ren, in Evi­an, hat die Zivi­li­sa­ti­on ihre Prü­fung nicht bestan­den. An sei­ner »Schick­sals­fra­ge« (Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel): im Mit­tel­meer, an sei­nen Außen­gren­zen, am heu­ti­gen und künf­ti­gen Umgang mit Flücht­lin­gen wird sich erwei­sen, ob Euro­pa die Prü­fung des 21. Jahr­hun­derts besteht.

(Hei­ko Kauffmann)


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