24.07.2013

Die Asyl­zu­stän­dig­keits­re­ge­lung in Euro­pa muss grund­le­gend refor­miert wer­den.

In zwei wich­ti­gen Urtei­len hat der Men­schen­rechts­ge­richt­hof in Straß­burg ges­tern die Rech­te von Schutz­su­chen­den gestärkt und die bei­den Insel­staa­ten Mal­ta und Zypern wegen mas­si­ver Ver­stö­ße gegen die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) ver­ur­teilt.  „Nun müs­sen euro­pa­weit Über­stel­lun­gen von Asyl­su­chen­den nach Mal­ta und Zypern auf Grund­la­ge der euro­päi­schen Asyl­zu­stän­dig­keits­re­ge­lung gestoppt wer­den“, sag­te Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL. Die gra­vie­ren­den Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und die sys­te­mi­schen Män­gel in den Asyl­sys­te­men Mal­tas und Zyperns zeig­ten, dass das bestehen­de Dub­lin-Sys­tem geschei­tert sei.

Die Haft­be­din­gun­gen für Schutz­su­chen­de auf Mal­ta stel­len aus Sicht des Gerichts­ho­fes eine „unmensch­li­che und ernied­ri­gen­de Behand­lung“ nach Arti­kel 3 EMRK dar, der dies ver­bie­tet. Eine soma­li­sche Flücht­lings­frau wur­de ins­ge­samt 18 Mona­te unter unwür­di­gen Bedin­gun­gen inhaf­tiert. Aden A. war schwan­ger und hat nach einer Dub­lin-Über­stel­lung im Febru­ar 2011  aus den Nie­der­lan­den und auf Grund der uner­träg­li­chen Haft­be­din­gun­gen im März 2011 eine  Fehl­ge­burt erlit­ten. Erst im August 2012 wur­de sie aus der Haft ent­las­sen. Dies sei ein Ver­stoß gegen Arti­kel 5 EMRK (Recht auf Frei­heit und Sicher­heit) gewe­sen.

Ein wei­te­res  Urteil betrifft  Zypern. Die dor­ti­gen Behör­den woll­ten 2010 den kur­di­schen Asyl­su­chen­den M.A. aus Syri­en  abschie­ben.  Ein Eil­be­schluss  des Men­schen­rechts­ge­richts­ho­fes ver­hin­der­te dies. Der Gerichts­hof stell­te ges­tern in sei­nem Urteil  meh­re­re Men­schen­rechts­ver­stö­ße  fest:  Dem Schutz­su­chen­den sei das Recht auf ein effek­ti­ves Rechts­mit­tel gegen die dro­hen­de Abschie­bung nach Syri­en ver­wei­gert wor­den (Ver­stoß gegen Arti­kel 13 EMRK, der das Recht auf einen wirk­sa­men Rechts­be­helf garan­tiert). Außer­dem sei sei­ne Inhaf­tie­rung unrecht­mä­ßig gewe­sen (Ver­stoß gegen Arti­kel 5 EMRK).

Bei­den Betrof­fe­nen wur­den Ent­schä­di­gun­gen zuge­spro­chen. Dem­zu­fol­ge muss Mal­ta Aden A. mit 30.000 Euro ent­schä­di­gen. Der syri­sche Flücht­ling soll 10.000 Euro von Zypern erhal­ten.

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