11.05.2012
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In Malta werden Flüchtlinge ausnahmslos inhaftiert. Das Bild zeigt das Hal Far Detention Center.

Der kleine Inselstaat ist für Flüchtlinge eine Sackgasse. Ihnen drohen Haft und Obdachlosigkeit. Dies dokumentiert ein neuer Bericht von PRO ASYL und dem Verein bordermointoring.eu.

Malta geht äußerst schäbig mit den lebend ankommenden Bootsflüchtlingen um und verletzt in zahlreich dokumentierten Fällen seine Pflicht, Menschen aus Seenot zu retten. Alle neuankommenden Asylsuchenden werden inhaftiert, auch die Überlebenden der zahlreichen Flüchtlingskatastrophen vor der maltesischen Küste.

Asylsuchende können bis zu zwölf Monaten inhaftiert werden. Später werden sie in den sogenannten „Open Centers“ untergebracht, die bis vor kurzem zum Teil noch aus Zelten bestanden – erst jetzt werden die Zelte im Tent Camp Hal Far durch Container ersetzt. Und über kurz oder lang landen viele in Elend und Obdachlosigkeit.

Wie es den Flüchtlingen auf Malta ergeht, dokumentiert der nun erschienene Bericht „Out of System“. Der Titel der Dokumentation verdankt sich einem Begriff, den die Flüchtlinge auf Malta selbst geprägt haben. „Out of System“ beschreibt die Situation jener, die ohne einen Platz in einem Flüchtlingslager und ohne finanzielle Unterstützung, also faktisch mittel- und obdachlos, auf der Insel leben. Dies betrifft einen nicht geringen Teil der Flüchtlinge auf Malta. 

Auch jene Flüchtlinge und Asylsuchende, die noch nicht „out of System“ sind, finden in Malta keine menschenwürdige Aufnahme. Der Bericht  skizziert die verschieden Stationen, die Flüchtlinge während ihres Aufenthalts auf Malta durchlaufen: Die Ankunft auf Malta, das maltesische Asylsystem, die Haftanstalten  und die offenen Flüchtlingslager.  

Aufgrund der Dublin-II-Verordnung haben Flüchtlinge kaum Chancen, von hier wegzukommen.  Denn die Verordnung besagt, dass ein Flüchtling sein Asylverfahren in jenem EU-Staat durchlaufen muss, in dem er erstmals den Boden der Union betreten hat. Wer in Malta landet, muss daher dort bleiben. Wer es in andere EU-Staaten schafft, wird meist zurückgeschoben. So ist die Insel für viele Flüchtlinge  eine Sackgasse, in der die Flüchtlinge kaum eine Chance auf Integration und ein normales Leben in Sicherheit und Würde haben. 

Die Herausgeber kommen zu dem Schluss: Malta verstößt mit der systematischen Verelendung von Schutzsuchenden gegen elementare Menschenrechtsstandards und gegen EU- Recht. Dass Flüchtlingen aus anderen EU-Staaten – auch aus Deutschland – weiterhin ins Elend nach Malta abgeschoben werden, ist ein Skandal, der beendet werden muss.

Der Bericht kann hier als PDF heruntergeladen werden.

 Haftlager Hal Far auf Malta: Polizeieinsatz gegen Flüchtlinge (26.02.14)

 Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Malta und Zypern (24.07.13)

 Zehn Jahre Dublin-II – zehn Jahre gescheiterte Asylpolitik in Europa (22.02.13)