13.12.2011
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Das UNHCR fordert Deutschland auf, die Residenzpflicht abzuschaffen. Auch PRO ASYL fordert dies seit Jahren - etwa mit diesem Plakatmotiv

Das UNHCR mahnt Deutschland, sich für ein europäisches Asylsystem einzusetzen, die Residenzpflicht abzuschaffen, Flüchtlingen Rechtsschutz gegen Dublin-Abschiebungen zu gewähren und das Kindeswohl zu achten.

Anläss­lich des 60. Jah­res­ju­bi­lä­ums der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on hat das Hohe Flücht­lings­kom­mis­sa­ri­at der Ver­ein­ten Natio­nen (UNHCR) in einem Grund­satz­pa­pier die „Her­aus­for­de­run­gen für die Deut­sche Flücht­lings­po­li­tik“ dar­ge­legt. Dar­in for­dert das UNHCR Deutsch­land auf, sich ent­spre­chend sei­ner Ver­ant­wor­tung und sei­nem poli­ti­schen Gewicht kon­se­quent für die Schaf­fung und Durch­set­zung hoher Stan­dards im Euro­päi­schen Asyl­sys­tem ein­zu­set­zen. Ange­sichts der Ver­let­zun­gen der völ­ker­recht­li­chen Nor­men des Flücht­lings- und des Men­schen­rechts­schut­zes in Grie­chen­land sei die Ent­wick­lung und Umset­zung eines euro­päi­schen Asyl­sys­tems die zen­tra­le Her­aus­for­de­rung der kom­men­den Jah­re.

Vor dem Hin­ter­grund der deut­schen Blo­cka­de­hal­tung gegen­über einer gemein­sa­men Asyl­po­li­tik der EU ist dies durch­aus als diplo­ma­ti­sche Kri­tik an der deut­schen Rol­le in der EU-Flücht­lings­po­li­tik zu ver­ste­hen. Bis­lang hat sich Deutsch­land vehe­ment gegen die Vor­schlä­ge der EU-Kom­mis­si­on gewandt, die auf eine Har­mo­ni­sie­rung des Euro­päi­schen Asyl­rechts abziel­ten. Das UNHCR stellt in sei­nem Grund­satz­pa­pier kri­tisch fest, dass es der Poli­tik „nicht in ers­ter Linie um die Ver­mei­dung von Ände­rungs­be­darf für das deut­sche Flücht­lings­recht gehen“ dür­fe, „son­dern dar­um, „kon­struk­tiv die Per­spek­ti­ve des inter­na­tio­na­len Flücht­lings­schut­zes ein­zu­neh­men“. Leit­mo­tiv müs­se die Fra­ge sein, wie dem Schutz­ge­dan­ken der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on inner­halb des euro­päi­schen Asyl­sys­tems zu best­mög­li­cher Wirk­sam­keit ver­hol­fen wer­den kön­ne. Von einer sol­chen Hal­tung ist die Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung nach Auf­fas­sung von PRO ASYL der­zeit weit ent­fernt.

Drin­gen­den Hand­lungs­be­darf mahnt das UNHCR auch bei der Durch­füh­rung des soge­nann­ten Dub­lin-Ver­fah­rens an, in dem ent­schie­den wird, wel­ches Land für die Prü­fung eines Asyl­an­trags zustän­dig ist. Es sei not­wen­dig, von der bis­lang gel­ten­den Geset­zes­la­ge abzu­rü­cken, nach dem ein einst­wei­li­ger Rechts­schutz gegen die Über­stel­lung in ein ande­res Land aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen sei.

Zudem spricht sich das UNHCR dafür aus, im Sin­ne des Kin­des­wohls die ver­fah­rens­recht­li­che Hand­lungs­fä­hig­keit von Asyl­su­chen­den von 16 auf 18 Jah­re her­auf­zu­set­zen, denn der­zeit wer­den 16- und 17jährige im Deut­schen Asyl­ver­fah­ren wie Erwach­se­ne behan­delt. Grund­sätz­lich, so das UNHCR, soll­ten min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge nicht an der Gren­ze zurück­ge­schickt und nicht dem soge­nann­ten „Flug­ha­fen­ver­fah­ren“ unter­wor­fen wer­den.

Wei­ter rät das UNHCR, dass eine kos­ten­lo­se, qua­li­fi­zier­te Ver­fah­rens­be­ra­tung vor der Durch­füh­rung der Asyl-Anhö­rung zur Qua­li­tät und Effi­zi­enz des Ver­fah­rens sub­stan­zi­ell bei­tra­gen kön­ne. Und nicht zuletzt for­dert das Hohe Flücht­lings­kom­mis­sa­ri­at Deutsch­land auf, die Resi­denz­pflicht, die die Bewe­gungs­frei­heit von Schutz­su­chen­den in Deutsch­land ein­schränkt, auf­zu­he­ben.

Zur UNHCR-Pres­se­mit­tei­lung

Zum UNHCR-Grund­satz­pa­pier „Her­aus­for­de­run­gen für die Deut­sche Flücht­lings­po­li­tik“ (PDF)

Zur PRO-ASYL-Pres­se­er­klä­rung „Jah­res­bi­lanz der EU-Flücht­lings­po­li­tik“

 Straß­bur­ger Men­schen­rechts­ge­richts­hof rügt Asyl­schnell­ver­fah­ren (20.02.12)

 Jah­res­bi­lanz der EU-Flücht­lings­po­li­tik (13.12.11)

 UNHCR-Kon­fe­renz zu Flucht in Genf (08.12.11)

 Blo­cka­de gegen EU-Asyl­har­mo­ni­sie­rung (22.08.11)