03.12.2013
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Setzen sich seit Jahren für die Menschenrechte von Flüchtlingen ein: Campino und Breiti von den Toten Hosen. Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth nahm die auf der letzten Tournee der Band gesammelten Unterschriften entgegen. Foto: Oliver Feldhaus

Über 30.000 Menschen haben auf Konzerten der Toten Hosen mit ihrer Unterschrift den Bundestag aufgefordert, alles dafür zu tun, dass die Menschenrechte von Flüchtlingen beachtet werden – Deutschland und europaweit. Die Unterschriften wurden heute von den Toten Hosen und PRO ASYL dem Präsidium des Bundestages übergeben.

„Vor Lam­pe­du­sa ster­ben Hun­der­te Flücht­lin­ge aus Staa­ten wie Syri­en, Soma­lia und Eri­trea, und was tut die Bun­des­re­gie­rung? Sie for­dert, dass die für die Flücht­lin­ge töd­li­che Abschot­tungs­po­li­tik noch här­ter wird. Das ist für uns abso­lut uner­träg­lich“, erklärt Cam­pi­no von den Toten Hosen. Die Band setzt sich schon lan­ge für die Rech­te von Flücht­lin­gen ein und the­ma­ti­siert immer wie­der das Ster­ben Schutz­su­chen­der an den Außen­gren­zen.

Über 19.000 Flücht­lin­ge star­ben seit 1988 beim Ver­such, Schutz in Euro­pa zu erhal­ten. Immer wie­der wird Flücht­lin­gen auf dem Mit­tel­meer die See­not­ret­tung ver­wei­gert, weil EU-Staa­ten nicht bereit sind, die Schutz­su­chen­den auf­zu­neh­men. Pro Asyl for­dert den Bun­des­tag und die Bun­des­re­gie­rung auf, sich auf EU-Ebe­ne end­lich für einen grund­le­gen­den Wan­del des euro­päi­schen Asyl­sys­tems ein­zu­set­zen, der die töd­li­che Abschot­tungs­po­li­tik gegen­über Schutz­su­chen­den been­det. Ver­wei­ger­te See­not­ret­tung, ille­ga­le Push-Back-Ope­ra­tio­nen, die Inhaf­tie­rung von Asyl­su­chen­den, unfai­re Asyl­ver­fah­ren und das bedrü­cken­de Flücht­lings­elend in vie­len EU-Staa­ten zei­gen, dass das bis­he­ri­ge Sys­tem zu Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen führt und geän­dert wer­den muss.

Die Unter­zeich­nen­den, die Toten Hosen und PRO ASYL for­dern den Bun­des­tag zudem auf, sich ras­sis­ti­scher und popu­lis­ti­scher Stim­mungs­ma­che ent­schie­den ent­ge­gen­zu­set­zen. Het­ze gegen Asyl­su­chen­de und ande­re Min­der­hei­ten wie Roma hat in Deutsch­land wie­der Hoch­kon­junk­tur. In vie­len Städ­ten und Gemein­den het­zen Rechts­ex­tre­me gegen die Unter­brin­gung von Asyl­su­chen­den. Auch wenn sich vor Ort oft zivil­ge­sell­schaft­li­che Initia­ti­ven mit gro­ßem Enga­ge­ment der ras­sis­ti­schen Het­ze ent­ge­gen­stel­len, schaf­fen es Rechts­ex­tre­me immer wie­der, den ras­sis­ti­schen Boden­satz in der Mit­te der Gesell­schaft zu mobi­li­sie­ren. Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker der im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en müs­sen sich end­lich ent­schie­den gegen Ras­sis­mus und für den Schutz von Flücht­lin­gen posi­tio­nie­ren. „Ras­sis­ti­sche Pogro­me wie 1991 in Hoyers­wer­da oder 1992 in Ros­tock Lich­ten­ha­gen dür­fen nie wie­der pas­sie­ren“, so Brei­ti von den Toten Hosen.

Die Toten Hosen und PRO ASYL erin­nern dar­an, dass Schutz­su­chen­den in Deutsch­land durch ihre Unter­brin­gung in oft abge­le­ge­nen Mas­sen­un­ter­künf­ten, durch gesetz­li­che Schi­ka­nen beim Arbeits­markt­zu­gang, durch die soge­nann­te „Resi­denz­pflicht“ oder das dis­kri­mi­nie­ren­de „Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz“ sys­te­ma­tisch aus­ge­grenzt und stig­ma­ti­siert wer­den. „Die Aus­gren­zung macht die Betrof­fe­nen kaputt und sie leis­tet ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­len Vor­schub“, so Brei­ti von den Toten Hosen. „Wer Ras­sis­mus glaub­wür­dig bekämp­fen will, muss die vie­len aus­gren­zen­den Maß­nah­men, denen Asyl­su­chen­de unter­lie­gen, ein für alle Mal abschaf­fen“.

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