23.10.2009
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Foto: Marily Stroux

Griechischer Staatsminister fordert umgehende Freilassung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge

Der neue grie­chi­sche Staats­mi­nis­ter für Bür­ger­schutz, Spy­ri­do­nas Vou­gi­as, zeig­te sich ges­tern nach dem Besuch eines Inter­nie­rungs­la­gers für Flücht­lin­ge und Migran­ten auf der Insel Les­bos scho­ckiert: „Der Kern der Men­schen­wür­de ist ver­letzt“ beton­te er in einer Pres­se­er­klä­rung sei­nes Minis­te­ri­ums und sprach von „Dan­tes Infer­no“.

Vou­gi­as sprach sich für die sofor­ti­ge Frei­las­sung beson­ders schutz­be­dürf­ti­ger Per­so­nen und die umge­hen­de Ein­rich­tung geeig­ne­ter Unter­künf­te für sie aus. Damit greift er For­de­run­gen auf, die PRO ASYL, UNHCR sowie grie­chi­sche und euro­päi­sche Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen seit Jah­ren ver­tre­ten.

In dem völ­lig über­füll­ten Haft­la­ger Paga­ni wer­den knapp tau­send Schutz­su­chen­de, dar­un­ter zahl­rei­che Kin­der und Frau­en, unter kata­stro­pha­len Haft­be­din­gun­gen oft mona­te­lang fest­ge­hal­ten. Die sani­tä­re Situa­ti­on ist deso­lat, die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung nicht sicher­ge­stellt. Seit Mona­ten kommt es zu Pro­tes­ten und Hun­ger­streiks inhaf­tier­ter Flücht­lin­ge, dar­un­ter auch Min­der­jäh­ri­ge.

Gemein­sam mit dem Öku­me­ni­schen Flücht­lings­pro­gramm der grie­chisch-ortho­do­xen Kir­che (ERP) führt PRO ASYL seit zwei Jah­ren ein Pro­jekt zur Unter­stüt­zung beson­ders schutz­be­dürf­ti­ger Flücht­lin­ge im Haft­la­ger Paga­ni durch. Als Exper­ten vor Ort haben Eft­ha­lia Pap­pa, Direk­to­rin des ERP, und Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL, den Staats­mi­nis­ter und Ver­tre­ter von UNHCR bei ihrem Besuch des Lagers beglei­tet.

Nach­dem die erst im Okto­ber abge­wähl­te Vor­gän­ger­re­gie­rung unter Kos­tas Kara­man­lis die ver­hee­ren­den Miss­stän­de in grie­chi­schen Inter­nie­rungs­la­gern kon­se­quent klein­ge­re­det und kei­ner­lei Ver­ant­wor­tung für die untrag­ba­ren Zustän­de über­nom­men hat, bezeich­nen die Äuße­run­gen von Staats­mi­nis­ter Vou­gi­as einen kla­ren Umschwung zumin­dest im Sprach­ge­brauch sei­tens der grie­chi­schen Regie­rung. Die neue Offen­heit gibt erst­mals ein wenig Hoff­nung für einen ver­ant­wor­tungs­vol­le­ren Umgang mit Schutz­su­chen­den.

Haft­be­din­gun­gen wie im Lager Paga­ni sind in allen Inter­nie­rungs­ein­rich­tun­gen für Flücht­lin­ge und Migran­ten in Grie­chen­land All­tag. Eine Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on auf Les­bos kann nur ein ers­ter Schritt hin zu einem funk­tio­nie­ren­den und men­schen­wür­di­gen Auf­nah­me­sys­tem für Flücht­lin­ge sein. Paga­ni muss geschlos­sen und die unsäg­li­che Pra­xis, Flücht­lin­ge zu ver­haf­ten, been­det wer­den.

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