25.08.2015
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André Shepherd desertierte aus der US-Armee, da er den Krieg im Irak für völkerrechtswidrig hielt. Er beantragte Asyl in Deutschland, das BAMF lehnte den Antrag ab. Foto: Rudi Friedrich / Connection e.V.

André Shepherd entzog sich seinem Dienst in der US-Armee, um nicht nochmals im Irak-Krieg eingesetzt zu werden, und stellte 2008 in Deutschland einen Asylantrag – der abgelehnt wurde. Seither klagt er sich durch deutsche und europäische Instanzen, um auch über seinen Fall hinaus klarzustellen, dass alle Soldaten, die sich durch Desertion völkerrechtswidrigen Handlungen entziehen, ein Anrecht auf Schutz haben. Dafür erhält er den Menschenrechtspreis der STIFTUNG PRO ASYL.

„Es ist Zeit für uns auf­zu­wa­chen und die Welt so zu sehen, wie sie wirk­lich ist, indem wir unse­re eige­nen Köp­fe gebrau­chen.“ Mit die­sen Wor­ten ermu­tig­te André She­pherd vor eini­ger Zeit in einem Brief sei­ne Unter­stüt­ze­rin­nen und Unter­stüt­zer.

„Ich muss­te raus aus dem Mili­tär“

André She­pherd war ab 2004 Mecha­ni­ker für Kampf­hub­schrau­ber im Irak­krieg. Nach­dem sei­ne Ein­heit an ihren Stand­ort nach Deutsch­land zurück­kehr­te, setz­te er sich inten­siv mit dem Krieg im Irak und dem Vor­ge­hen gegen die dor­ti­ge Zivil­be­völ­ke­rung aus­ein­an­der. Als She­pherd 2007 erneut in das Kriegs­ge­biet abkom­man­diert wer­den soll­te, deser­tier­te er. „Schließ­lich wuss­te ich, wenn ich noch ein­mal in den Irak gehe, wer­de ich für den Tod und das Elend ande­rer ver­ant­wort­lich sein. Für mich war daher der Weg ein­deu­tig: Ich muss­te raus aus dem Mili­tär“, so She­pherd. In den USA droh­te ihm jedoch, als Deser­teur ver­ur­teilt und bestraft zu wer­den. Am 26. Novem­ber 2008 bean­trag­te André She­pherd daher Asyl in Deutsch­land.

Das Bun­des­amt lehnt den Asyl­an­trag ab

In sei­nem Asyl­ver­fah­ren beruft sich She­pherd auf eine EU-Richt­li­nie, mit der Per­so­nen geschützt wer­den sol­len, die sich völ­ker­rechts­wid­ri­gen Krie­gen oder Hand­lun­gen ent­zie­hen und des­we­gen mit Ver­fol­gung rech­nen müs­sen. Nach sei­ner Über­zeu­gung war der Krieg, den die Ver­ei­nig­ten Staa­ten gegen den Irak führ­ten, völ­ker­rechts­wid­rig. Auch ein­fa­che Sol­da­ten müss­ten unter die­sen Umstän­den Rechen­schaft für ihre Hand­lun­gen able­gen, so sei­ne Über­zeu­gung. Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge lehn­te André She­pherds Asyl­an­trag 2011 ab. Er klag­te gegen die Ent­schei­dung: „Ich bin nach wie vor nicht bereit, mich an einem Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit zu betei­li­gen und hal­te es für mein Recht, dies ohne Straf­an­dro­hung zu ver­wei­gern.“

Last des Prä­ze­denz­falls

Nach einem Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes im Jahr 2015, das vie­le Fra­gen offen ließ, wird das Ver­fah­ren nun am Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen wei­ter­ge­führt. André She­pherd, der seit vie­len Jah­ren von Con­nec­tion e.V., einer Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer und Deser­teu­re, beglei­tet wird und des­sen Ver­fah­ren PRO ASYL aus sei­nem Rechts­hil­fe­fonds unter­stützt, trägt die Last des Prä­ze­denz­falls. Ein asyl­recht­li­cher Schutz für den Deser­teur hät­te inter­na­tio­nal gro­ße Bedeu­tung.

Men­schen­rechts­preis von PRO ASYL

Durch sei­nen beharr­li­chen Wider­stand hat André She­pherd sei­ne bür­ger­li­che Exis­tenz in den USA aufs Spiel gesetzt. Doch obwohl er selbst mitt­ler­wei­le ander­wei­tig auf­ent­halts­recht­lich gesi­chert ist, kämpft er bis heu­te wei­ter für sei­ne Über­zeu­gung, dass Men­schen, die sich völ­ker­rechts­wid­ri­gen Krie­gen oder Hand­lun­gen ent­zie­hen, ein Recht auf Schutz haben. Dies macht ihn zu einem Vor­bild für Unbeug­sam­keit und Huma­ni­tät.

DIE STIFTUNG PRO ASYL wür­digt ihn mit der PRO ASYL-Hand 2015. Die Ver­an­stal­tung zur Preis­ver­lei­hung fin­det am Sams­tag, dem 12. Sep­tem­ber 2015 im Haus am Dom in Frank­furt am Main statt.

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