11.08.2014
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Im vergangenen Jahr waren in Mali über 400.000 Menschen vor dem Vorrücken islamistischer Rebellen auf der Flucht. Aufgrund der nach wie vor schwierigen Lebensbedingungen versuchen immer wieder Malier und Malierinnen nach Europa zu gelangen. Erst kürzlich starben 70 von ihnen auf einem Boot nahe der libyischen Küste. Die Aufnahme zeigt Flüchtlinge in Mali im März 2013 Foto: flickr - UNHCR / B. Sokol

Am 28. Juli 2014 starben bei einem Schiffsunglück nahe der libyschen Küste rund 70 Bootsflüchtlinge aus Mali. Angesichts der Katastrophe klagen mehrere malische Menschenrechtsorganisationen die Abschottungspolitik der EU an. Zu den Unterzeichnern gehört auch die PRO ASYL-Partnerorganisation AME (Assoziation Malischer Abgeschobener) in Mali.

„Wir verurteilen und bedauern dieses Ereignis zutiefst, das nichts anderes ist als das Resultat des Bestrebens, die Bewegungsfreiheit von Menschen einzuschränken“, schreiben die Assoziation Malischer Abgeschobener (AME), die Malische Assoziation für Menschenrechte (AMDH) und Espace Migrations et Développement der Region Kayes (EMDK) in ihrer gemeinsamen Erklärung anlässlich der Tragödie.

Die drei Organisationen greifen darin sowohl die Abschottungspolitik der EU wie auch die Politik afrikanischer Regierungen an, die dabei versagen, den Menschen in ihren Ländern Bildung, Gesundheitsversorgung, Arbeit, Ernährungssicherheit und Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen und zugleich auch noch die eigenen Staatsbürger davon abzuhalten versuchen, dem Elend durch Migration nach Europa zu entkommen. Aus der Perspektive der AME wird den Menschen dadurch beides genommen: „Das Recht zu bleiben und das Recht zu gehen“.

Statt die eigenen Bürgerinnen und Bürger von der Migration abzuhalten – wozu sich nordafrikanische Transitstaaten der EU gegenüber durch eine sogenannte „Mobilitätspartnerschaft“ verpflichtet haben, die primär auf die Verhinderung von Mobilität zielen – müssten die Staaten endlich all ihre Bürgerinnen und Bürger unterstützen – ob sie bleiben wollen, gehen wollen oder bereits im Ausland leben.

Die Toten der Katastrophe vom 28. Juli 2014 stammten mehrheitlich aus der malischen Region Kayes – seit Jahren eine Region, die aufgrund der vorherrschenden Armut von Auswanderung geprägt ist. Die soziale, politische und ökonomische Situation in den afrikanischen Staaten zwinge immer wieder Menschen zur Flucht und Migration, so die Organisationen.

Doch die Militarisierung der Außengrenzen Europas sowie die Auslagerung der Grenzkontrollen in die südlichen Nachbarstaaten Nordafrikas haben fatale Folgen: „Die Fluchtwege werden seit der Gründung von Frontex  und seit der Unterzeichnung von Abkommen zwischen der EU und/oder Mitgliedstaaten mit Transit- und Herkunftsländern immer tödlicher“, so heißt es in der Erklärung. Die Bootskatastrophen im zentralen Mittelmeer reißen nicht ab. Das UNHCR spricht von bisher über 800 toten Bootsflüchtlingen in 2014.

Seit 2010 unterstützt die Stiftung PRO ASYL gemeinsam mit medico international die AME in Mali. Die Organisation wurde 1996 von Maliern gegründet, die aus Frankreich und Angola abgeschoben worden waren. Die AME betreut abgeschobene Migranten und Flüchtlinge aus Europa und dem Maghreb. Seit Anfang 2012 wird die Arbeit der Selbsthilfeorganisation gravierend durch den Konflikt im Norden Malis beeinflusst. Neben der konkreten Einzelfallhilfe setzt sich die AME im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit sowie in internationalen migrationspolitischen und globalisierungskritischen Netzwerken für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten ein.

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