10.12.2015
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Abschiebungen nach Afghanistan? Meldungen aus dem Land zeigen: Die Lage ist immer noch höchst unsicher! Foto: Flickr / Bundeswehr

Die Bundesregierung plant, in Zukunft verstärkt nach Afghanistan abzuschieben – auch die Beschlüsse der Innenministerkonferenz gehen in diese Richtung. Die angespannte Sicherheitslage im Land wird dabei ignoriert.

Die hohe Aner­ken­nungs­quo­te von Asyl­be­wer­bern aus Afgha­ni­stan (79 Pro­zent berei­nig­te Schutz­quo­te) soll gesenkt wer­den, das ist der Wil­le der Gro­ßen Koali­ti­on. Unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass die Bun­des­wehr-Mis­si­on in Afgha­ni­stan kürz­lich ver­län­gert und per­so­nell auf­ge­stockt wur­de, wer­den Afgha­nen hier­zu­lan­de bereits wegen „schlech­ter Bleibe­per­spek­ti­ve“ von Sprach­kur­sen aus­ge­schlos­sen und sol­len ver­mehrt in ihr Hei­mat­land abge­scho­ben wer­den, geht es nach Bun­des­in­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re.

In den Beschlüs­sen der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz heißt es „Die IMK stellt fest, dass die Sicher­heits­la­ge in Afgha­ni­stan in eini­gen Regio­nen eine Rück­kehr aus­rei­se­pflich­ti­ger afgha­ni­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger grund­sätz­lich erlaubt“ und Abschie­bun­gen in die­se „siche­ren Regio­nen“ mög­lich sei­en. Aber ist Afgha­ni­stan tat­säch­lich sicher, kann man Men­schen beden­ken­los dort­hin abschie­ben? Mel­dun­gen aus dem Land zeich­nen ein ande­res Bild:

Tali­ban-Angriff auf Flug­ha­fen in Kan­da­har

In der Nacht zum Mitt­woch grif­fen Kämp­fer der radi­kal­is­la­mi­schen Tali­ban den Flug­ha­fen in der süd­af­gha­ni­schen Pro­vinz­haupt­stadt Kan­da­har an. Es wird gemut­maßt, dass die Atta­cke mit den Gerüch­ten um die Ver­let­zung oder sogar den Tod von Tali­ban-Chef Mul­lah Man­sur zusam­men­hän­gen könn­te und die Tali­ban damit Stär­ke bewei­sen möch­ten.

Bei den Gefech­ten, die mehr als 27 Stun­den dau­er­ten, kamen nach neu­es­ten Berich­ten über 60 Men­schen ums Leben – dar­un­ter 38 Zivi­lis­ten. Wei­te­re 35 Men­schen wur­den ver­letzt. Auch in der Pro­vinz Hel­mand ist die Lage unsi­cher – der Distrikt Kha­nischin ist seit Mitt­woch unter Kon­trol­le der Tali­ban. Drei Tage hef­ti­ge Gefech­te gin­gen vor­an, Spe­zi­al­kräf­te sol­len den Distrikt nun zurück­er­obern. Nach­dem vor etwas mehr als zwei Mona­ten die nord­af­gha­ni­sche Pro­vinz­haupt­stadt Kun­dus, ehe­ma­li­ger Stand­ort der Bun­des­wehr-Kräf­te, von Tali­ban-Kämp­fern ein­ge­nom­men wur­de zeigt das: Die Situa­ti­on in Afgha­ni­stan ist nicht sicher. In wei­ten Tei­len des Lan­des dro­hen Angrif­fe durch die Tali­ban.

PRO ASYL: Es gibt kei­ne „siche­ren Regio­nen“ in Afgha­ni­stan

Die Gefah­ren­la­ge in Afgha­ni­stan kann sich stän­dig ändern. Auch in ver­meint­lich „siche­ren Regio­nen“ kann es zu Kämp­fen kom­men. PRO ASYL for­dert die Bun­des­re­gie­rung daher auf, von der Idee ver­stärk­ter Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan sofort Abstand zu neh­men. Die Auf­sto­ckung der Bun­des­wehr-Trup­pen und die der­zei­ti­ge Sicher­heits­la­ge zei­gen, dass Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan für die Betrof­fe­nen Abschie­bun­gen in lebens­ge­fähr­li­che Zustän­de bedeu­ten wür­den.

Afgha­ni­stan: Abschie­bun­gen trotz erwar­te­tem Kon­troll­ver­lust? (07.12.15)

Kur­ze Neu­ig­kei­ten aus dem angeb­lich siche­ren Afgha­ni­stan: Nah­rungs­ver­sor­gung im Nor­den kri­tisch (30.11.15)

Mehr Sol­da­ten nach Afgha­ni­stan – aber trotz­dem dort­hin abschie­ben? (20.11.15)