05.10.2016
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Efi Latsoudi und Konstantinos Mitragas bei der Verleihung des Nansen-Flüchtlingspreises der Vereinten Nationen. Foto: UNHCR/Mark Henley

Am 3. Oktober 2016 wurde Efi Latsoudi, eine langjährige Kooperationspartnerin von PRO ASYL, mit der höchsten Auszeichnung des UN-Flüchtlingskommissariats für ihr Engagement für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos ausgezeichnet.

Seit mehr als zehn Jahren ist Efi Latsoudi in der Flüchtlingsarbeit aktiv, ihr herausragender Einsatz für Schutzsuchende geht dabei über humanitäre Hilfe im Einzelfall hinaus: »Alles hat mit unserem Protest gegen die Inhaftierung von Flüchtlingen angefangen. Deswegen haben wir PIKPA gegründet und unterstützt, eine offene Unterkunft für Schutzsuchende auf Lesbos, die ganz praktisch beweist, dass Zäune und Barrieren unnötig sind. Das war unser Aufschrei gegen die Abschottung der Grenzen und gegen die hundertfachen Todesfälle in der Ägäis«, erklärte Efi Latsoudi.

Seit 2007 kooperiert Efi Latsoudi mit PRO ASYL. Sie ist ein integrales Mitglied des PRO ASYL Projekts »Refugee Support Program in the Aegean« (RSPA). Unter anderem unterstützen sie und ihr Kollege Naiem Mohammedi die Überlebenden von Schiffsbrüchen, auch wenn es darum geht, würdige Beerdigungen für die Opfer der Bootskatastrophen zu organisieren oder nach vermissten Angehörigen zu suchen.

Infolge des zynischen EU-Türkei-Deals ist die Arbeit von Initiativen wie PIKPA und RSPA auf den griechischen Inseln noch wichtiger geworden: Die sogenannten Hotspots wurden über Nacht in Haftlager umgewandelt. Ihr Ziel ist es nicht mehr primär eine schnelle Registrierung der neuankommenden Flüchtlinge zu gewährleisten, sondern vor allem die Beschleunigung und Durchführung von Abschiebungen in die Türkei. Tausende Männer, Frauen und Kinder Schutzsuchende werden seit Inkrafttreten des Deals am 20. März 2016 inhaftiert. In den völlig überfüllten Lagern fehlt es an Nahrungsmitteln, die medizinische Versorgung ist unzureichend und die hygienischen Zustände sind katastrophal. Unter diesen Bedingungen können weder die Sicherheit der Flüchtlinge in den Lagern, noch die Umsetzung rechtsstaatlicher Verfahren garantiert werden.

Seit der schmutzige Deal mit Erdogan in Kraft getreten ist, arbeiten Efi Latsoudi und unser Team von Anwältinnen und Anwälten auf Lesbos unermüdlich daran, Flüchtlinge bei der Einforderung ihrer Rechte sowie gegen unrechtmäßige Verfahren zu unterstützen. Der EU-Türkei-Deal hat ein humanitäres Desaster in der Ägäis verursacht und muss unverzüglich beendet werden. Ohne dass die gestrandeten Schutzsuchenden schnell aufs Festland gebracht und legale Ausreisemöglichkeiten in andere europäische Länder eröffnet werden, droht dem krisengeschüttelten Griechenland eine weitere Destabilisierung und den Flüchtlingen mehr  Leid sowie Gefahr für Leib und Leben.

Die Nansen-Preisträgerin Efi Latsoudi steht beispielhaft für die Antwort einer solidarischen Zivilgesellschaft auf die Krise des Flüchtlingsschutzes in Europa: »Das Leben und die Menschenwürde zu verteidigen ist kein Luxus, sondern eine menschliche Pflicht und der letzte Widerstand gegen die Barbarei«, erklärt Efi Latsoudi ihr Engagement.