21.10.2010
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Foto: K. Kopp/PRO ASYL

PRO ASYL veröffentlicht neue Recherche über griechisch-türkisches Grenzgebiet

Grie­chen­land ist einer der letz­ten Zugangs­punk­te für Flücht­lin­ge nach Euro­pa. Schutz­su­chen­de aus Afgha­ni­stan, dem Irak, Iran und Soma­lia müs­sen die­se Flucht­rou­te über die Tür­kei nach Grie­chen­land wäh­len. Da der See­weg über die Ägä­is mitt­ler­wei­le weit­ge­hend abge­rie­gelt ist, steigt die Zahl der Ein­rei­se­ver­su­che an der grie­chisch-tür­ki­schen Land­gren­ze – im soge­nann­ten Evros-Gebiet – stark. Nach Anga­ben der Poli­zei sind in die­sem Jahr bereits 34.000 Flücht­lin­ge und Migran­ten dort auf­ge­grif­fen und inhaf­tiert wor­den – 2009 waren es etwa 9.000.

Wie es Schutz­su­chen­den dort ergeht, haben die Rechts­an­wäl­tin­nen Mari­an­na Tze­fera­k­ou (Athen) und Natas­sa Stra­chi­ni (Chi­os) im Auf­trag von PRO ASYL recher­chiert. Alle Neu­an­kömm­lin­ge, die von der Poli­zei auf­ge­grif­fen wer­den, wer­den in einem der zahl­rei­chen Haft­la­ger inhaf­tiert. Die Lebens­be­din­gun­gen in die­sen sind kata­stro­phal, die Haft­zel­len über­füllt, Hof­gang wird kaum gewährt, die sani­tä­ren Bedin­gun­gen sind gesund­heits­ge­fähr­dend und eine medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung ist nicht gewähr­leis­tet. Die Flücht­lin­ge wer­den nicht ein­mal über die Grün­de der Inhaf­tie­rung  in einer ihnen ver­ständ­li­chen Spra­che infor­miert. So wis­sen vie­le nicht, dass sie unmit­tel­bar von einer Zurück­schie­bung in die Tür­kei bedroht sind. Die ein­zi­gen Dol­met­scher, die in die­sen Lagern vor­han­den sind, arbei­ten für die euro­päi­sche Grenz­agen­tur Fron­tex. Die bei­den Rechts­an­wäl­tin­nen haben Fäl­le doku­men­tiert, in denen durch fal­sche Alters­an­ga­ben von Fron­tex Min­der­jäh­ri­ge zu Erwach­se­nen gemacht wer­den. Des­wei­te­ren wur­den Flücht­lin­gen fal­sche Her­kunfts­län­der zuge­ord­net. Asyl­an­trä­ge sind unter die­sen Bedin­gun­gen unmög­lich. Zudem wer­den Schutz­su­chen­de durch Ein­schüch­te­rung und bewuss­te Fehl­in­for­ma­tio­nen davon abge­hal­ten, Asyl­an­trä­ge zu stel­len. Es wur­den bei den Besu­chen Fäl­le schwe­rer Miss­hand­lun­gen durch das Wach­per­so­nal doku­men­tiert. Die Ergeb­nis­se ihrer Recher­che haben die bei­den Anwäl­tin­nen dem Grie­chi­schen Ombuds­mann, UNHCR Grie­chen­land und den zustän­di­gen grie­chi­schen Minis­te­ri­en vor­ge­legt. PRO ASYL ver­öf­fent­licht die­sen Bericht in anony­mi­sier­ter Form. Bericht zum Down­load (Bereits im Jahr 2009 ver­öf­fent­lich­te PRO ASYL einen Bericht).

Auch das Flücht­lings­werk der Ver­ein­ten Natio­nen UNHCR hat mitt­ler­wei­le Recher­chen in der Regi­on durch­ge­führt. Am 12. und 13. Okto­ber konn­te sich eine UNHCR Dele­ga­ti­on von den kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen in den Haft­la­gern der Evros-Regi­on über­zeu­gen. (Pres­se­er­klä­rung des UNHCR)

Der Son­der­be­richt­erstat­ter der Ver­ein­ten Natio­nen für Fol­ter hat die Ergeb­nis­se eben­falls bestä­tigt und am 20. Okto­ber eine wei­te­re Doku­men­ta­ti­on ver­öf­fent­licht.

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