07.07.2010
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Szene aus dem Film "Reise ohne Rückkehr"

Ein Abschie­bungs­ge­fan­ge­ner hat sich in der JVA Lan­gen­ha­gen mit dem Kabel eines Was­ser­ko­chers erhängt. Sla­wik C., der seit 1999 mit sei­ner Frau und sei­nem Sohn in Deutsch­land leb­te, soll­te getrennt von die­sen abge­scho­ben wer­den. Seit Ende Juni befand er sich in Abschie­bungs­haft. Zwei Tage vor sei­nem Sui­zid wur­de er unter beson­de­re Beob­ach­tung gestellt und ver­letz­te

Ein Abschie­bungs­ge­fan­ge­ner hat sich in der JVA Lan­gen­ha­gen mit dem Kabel eines Was­ser­ko­chers erhängt. Sla­wik C., der seit 1999 mit sei­ner Frau und sei­nem Sohn in Deutsch­land leb­te, soll­te getrennt von die­sen abge­scho­ben wer­den. Seit Ende Juni befand er sich in Abschie­bungs­haft. Zwei Tage vor sei­nem Sui­zid wur­de er unter beson­de­re Beob­ach­tung gestellt und ver­letz­te sich dort bereits selbst an den Armen und am Kopf, kehr­te am fol­gen­den Tag jedoch in sei­ne Zel­le zurück. Es fehl­te offen­bar eine fach­kun­di­ge medi­zi­ni­sche Betreu­ung, die die aku­te Selbst­mord­ge­fähr­dung des Flücht­lings erkannt und zu einer Haft­ent­las­sung hät­te füh­ren kön­nen.

Ins­be­son­de­re in Nie­der­sach­sen wer­den Flücht­lin­ge immer wie­der ohne hin­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge inhaf­tiert. Selbst das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die nie­der­säch­si­sche Pra­xis der Abschie­bungs­haft wie­der­holt gerügt. Abschie­bungs­haft wird oft leicht­fer­tig ver­hängt und genügt fast über­all nicht den rechts­staat­li­chen und men­schen­recht­li­chen Min­dest­stan­dards. Häu­fig sol­len Abschie­bun­gen um jeden Preis durch­ge­setzt wer­den, ohne Rück­sicht auf beson­ders Schutz­be­dürf­ti­ge oder psy­chisch kran­ke Men­schen. Auch das Aus­ein­an­der­reis­sen von Fami­li­en wie im vor­lie­gen­den Fall ist kei­ne Aus­nah­me.

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