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Flucht aus Afghanistan: Familie Bhezad wurde von den Taliban bedroht, aber auch in Deutschland wurde ihnen Schutz verwehrt. Foto: picturealliance / AP Images (Symbolbild)

Weil ein Anführer der Taliban sie dafür verantwortlich macht, dass sein Kind tot geboren wurde, muss Marjam Bhezad mit ihrer Familie fliehen. Ihr Asylantrag in Deutschland wird jedoch abgelehnt, die Abschiebung angedroht. PRO ASYL erfährt von dem Fall und wird aktiv!

Afghanistan, Sommer 2015: Marjam Bhezad lebt mit ihrer Familie in einer Provinz, in der die sunnitischen Taliban großen Einfluss haben. Als Angehörige der schiitischen Minderheit ist ihr bewusst, dass sie gefährdet ist. Dennoch arbeitet die Hebamme engagiert in ihrem Beruf.

Taliban-Führer droht mit Rache

Eines Tages wird sie zu einer Geburt gerufen. Sie stellt fest, dass Mutter und Kind in Lebensgefahr sind und dringend ärztliche Hilfe brauchen. Eindringlich rät sie dazu, die Schwangere sofort ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen. Vor dem Haus sind bewaffnete Männer postiert. Diese verweigern den überlebenswichtigen Transport und zwingen Marjam Bhezad dazu, die Geburt vor Ort zu begleiten. Das Kind wird tot geboren.

Wenige Tage später wird überall im Dorf erzählt, die Hebamme habe den Tod des Kindes verschuldet und dessen Familie werde sich nun an ihr rächen. Marjam Bhezads Ehemann hört sich um und erfährt: Der Vater des totgeborenen Kindes ist ein wichtiger Anführer der Taliban. Im Dorf wird die Stimmung gegen die Hebamme immer feindseliger.

Ihr wird jetzt zum Verhängnis, dass sie Schiitin in einem sunnitischen Umfeld ist. Angehörige beschwören sie, sofort zu fliehen.

Auch in einer anderen Provinz nicht sicher

Frau Bhezad flieht zusammen mit Mann und Kind zunächst nach Ghazni in Zentralafghanistan, doch die Macht der Taliban reicht auch dorthin.

»Wenn die uns in die Hände bekommen hätten, hätten sie machen können, was sie wollen.«

Marjam Bhezad

Die Flucht geht weiter. Über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Österreich erreichen die verzweifelten Schutzsuchenden im Dezember 2015 schließlich Deutschland. Sie beantragen Asyl und hoffen, nun endlich in Sicherheit zu sein.

Unfassbar: Das Bundesamt lehnt den Asylantrag ab

Aber im August 2016 erhält die Familie die schockierende Nachricht: Der Asylantrag wird abgelehnt, sie sollen nach Afghanistan abgeschoben werden. Im Ablehnungsbescheid heißt es dazu, Marjam Bhezad sei »nur« aufgrund des toten Kindes durch die Taliban bedroht. Dies stelle eine Form krimineller Bedrohung dar, die die örtlichen Polizeibehörden aufklären müssten.

Eine solche Aussage ist angesichts der Lage in Afghanistan völlig unverständlich. Gänzlich beiseite gelassen wird in der Ablehnung zudem, dass die Schutzsuchende Schiitin in einer sunnitischen Umgebung ist.

Der Einzelfall zählt!

Deswegen wird PRO ASYL aktiv: Ein von uns beauftragter Anwalt reicht Klage beim Verwaltungsgericht ein, damit die Abschiebung verhindert wird und die verfolgte afghanische Familie doch noch Asyl erhält.

»Ich hoffe, dass der deutsche Staat mir bald erlaubt, hier zu bleiben. Dann kann ich mich wieder sicher fühlen.«

Marjam Bhezad

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Der Beistand für Flüchtlinge und verfolgte Menschen ist ein entscheidender Bestandteil unserer Arbeit. Möglich ist dies nur aufgrund der großzügigen Hilfe unserer Mitglieder, Spenderinnen und Spender.

Bitte engagieren Sie sich zusammen mit uns: Um Schutzsuchenden wie Marjam Bhezad zur Seite zu stehen, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

*Name geändert