21.06.2012

Das Bundesverfassungsgericht hat am Weltflüchtlingstag, dem 20. Juni 2012, über die Leistungen für Asylbewerber mündlich verhandelt. Die 1993 eingeführten Sätze in Höhe von 224 Euro wurden seitdem nicht angehoben.

Der­zeit sei­en rund 130.000 Men­schen betrof­fen, von denen zwei Drit­tel seit mehr als sechs Jah­ren in Deutsch­land leb­ten, sag­te die Bericht­erstat­te­rin des Ver­fah­rens, Ver­fas­sungs­rich­te­rin Susan­ne Baer. Dass trotz einer Preis­stei­ge­rung um mehr als 30 Pro­zent seit­her kei­ne Anpas­sung der Leis­tun­gen erfolg­te, stieß bei den Rich­te­rin­nen und Rich­tern auf Unver­ständ­nis.  Der Vize­prä­si­dent des Gerichts, Fer­di­nand Kirch­hof, sag­te zum Pro­zess­ver­tre­ter der Bun­des­re­gie­rung: „Das Mot­to, ein biss­chen hun­gern, dann gehen die schon, kön­ne es doch wohl nicht sein.“ Die Bun­des­re­gie­rung ver­weist dar­auf, dass sie die Sät­ze zwei­mal anhe­ben woll­te, dies aber am Wider­stand der Län­der geschei­tert sei. Man sei nun auf dem Weg für eine Reform. Die Ver­tre­te­rin des Lan­des Rhein­land-Pfalz, Mar­git Gott­stein, mach­te indes deut­lich, dass das zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les selbst die Neu­re­ge­lung der Sozi­al­leis­tun­gen für Asyl­su­chen­de auf die lan­ge Bank gescho­ben hat­te.

Nun liegt der Ball im Feld des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes. Die gela­de­nen Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen mach­ten deut­lich, dass sie die redu­zier­ten Leis­tun­gen weder mit der Ver­fas­sung noch mit dem Völ­ker­recht für ver­ein­bar hal­ten.  Marei Pel­zer, die PRO ASYL in der Ver­hand­lung ver­trat, hob her­vor, dass Flücht­lin­ge kei­ne gerin­ge­ren Bedar­fe als Hartz-IV-Emp­fän­ger haben. Dies beton­te auch Georg Clas­sen vom Ber­li­ner Flücht­lings­rat sowie die Ver­tre­te­rin­nen von Kir­chen, Wohl­fahrts­ver­bän­den, vom Deut­schen Insti­tut für Men­schen­rech­te, von UNCHR und Amnes­ty Inter­na­tio­nal.

PRO ASYL pro­tes­tier­te vor dem Gebäu­de des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zusam­men mit den Lan­des­flücht­lings­rä­ten und Cam­pact gegen die Hin­hal­te­tak­tik der Bun­des­re­gie­rung. Dass Frau von der Ley­en als zustän­di­ge Minis­te­rin den Schlüs­sel in den Hän­den hält, um das Tor zur men­schen­wür­di­gen Exis­tenz für Flücht­lin­ge zu öff­nen, wur­de mit einer krea­ti­ven Akti­on bebil­dert.  PRO ASYL sieht es als einen Skan­dal an, dass nach so vie­len Jah­ren der unmensch­li­chen Poli­tik gegen­über Flücht­lin­gen die Bun­des­re­gie­rung noch immer auf dem Rücken der Betrof­fe­nen das The­ma aus­sitzt. 

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