20.06.2012

Heu­te wer­den vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwei Vor­la­gen des Lan­de­so­zi­al­ge­rich­tes Nord­rhein-West­fa­len vom Juli und Novem­ber 2010 ver­han­delt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt prüft, ob die Sät­ze nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz (Asyl­bLG) mit den Grund­rech­ten ver­ein­bar sind. 

Spä­tes­tens seit­dem das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt hat, dass die Berech­nungs­grund­la­ge von Hartz-IV-Leis­tun­gen ver­fas­sungs­wid­rig ist, steht in Fra­ge, ob die Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz (Asyl­bLG) ver­fas­sungs­kon­form sind. Den­noch hält die zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­rin für Arbeit und Sozia­les an dem Son­der­ge­setz für Flücht­lin­ge fest. „Es ist skan­da­lös, dass Frau von der Ley­en noch immer Tau­sen­den Flücht­lin­gen das gesetz­lich fest­ge­leg­te Exis­tenz­mi­ni­mum ver­wei­gert“, sagt Bernd Meso­vic von PRO ASYL.

Die Leis­tun­gen nach dem Asyl­bLG lie­gen für Erwach­se­ne um 40 Pro­zent nied­ri­ger als regu­lä­re Sozi­al­leis­tun­gen. Min­der­jäh­ri­ge Kin­der ste­hen noch schlech­ter da. Am stärks­ten fällt die Kür­zung bei sechs­jäh­ri­gen Kin­dern aus: Sie erhal­ten 47 Pro­zent weni­ger als gleich­alt­ri­ge Kin­der im Hartz-IV-Bezug. Ein sechs­jäh­ri­ges Kind bekommt im Hartz-IV-Bezug 251 Euro monat­lich, ein gleich­alt­ri­ges Flücht­lings­kind muss mit 132 Euro aus­kom­men. Das sind 4,40 Euro pro Tag für Nah­rung, Klei­dung, Hygie­ne, Bil­dung etc. 

„Wenn hier leben­den Flücht­lin­gen nur 60 Pro­zent des ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Exis­tenz­mi­ni­mums gewährt wird, ihnen das Arbei­ten ver­bo­ten wird, sie mit Sach­leis­tun­gen und Mini­mal­me­di­zin man­gel­haft ver­sorgt und in Sam­mel­la­ger ein­ge­wie­sen wer­den, dann ver­letzt das die Men­schen­wür­de“, sagt Georg Clas­sen vom Ber­li­ner Flücht­lings­rat.

Mit einer Kund­ge­bung unter dem Mot­to „Das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz ist beschä­mend und ernied­ri­gend“ pro­tes­tie­ren PRO ASYL, die Lan­des­flücht­lings­rä­te und Cam­pact in Karls­ru­he gegen die Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung. Bereits im Novem­ber 2010 hat die­se in der Ant­wort auf eine Bun­des­tags­an­fra­ge ein­ge­stan­den, dass das Gesetz „nicht den Anfor­de­run­gen des Urteils des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts“ zu Hartz IV ent­spricht und daher von der Bun­des­re­gie­rung über­prüft wird. Noch immer liegt kein Ergeb­nis der angeb­li­chen Über­prü­fung vor.  

„Frau von der Ley­en han­delt nicht, obwohl unter dem ver­fas­sungs­wid­ri­gen Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz Tau­sen­de Erwach­se­ne und Kin­der lei­den. Es ist eine Schan­de, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­sprin­gen muss, weil sich die Regie­rung wei­gert, sozi­al ver­ant­wort­lich zu regie­ren“, erklärt Gün­ter Metz­ges von Cam­pact. 

PRO ASYL, die Lan­des­flücht­lings­rä­te und Cam­pact for­dern, dass im Lich­te der bevor­ste­hen­den Ent­schei­dung aus Karls­ru­he die Bun­des­re­gie­rung umge­hend dafür sorgt, dass alle Men­schen in die­sem Land unter men­schen­wür­di­gen Bedin­gun­gen leben kön­nen und dass das dis­kri­mi­nie­ren­de Son­der­ge­setz für Flücht­lin­ge abge­schafft wird.

Kon­takt:

· PRO ASYL, Pres­se­stel­le, Tel.: 069 – 23 06 95, presse(at)proasyl.de, Post­fach 160624 60069 Frank­furt a.M., www.proasyl.de

· Lan­des­flücht­lings­rä­te, Georg Clas­sen, Tel.: 030–24 34 45 672

· Cam­pact, Dr. Gün­ter Metz­ges, metzges(at)campact.de, Tel.: 0172 2426478

 Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz: (18.07.12)

 BVerfG: Kri­ti­sche Fra­gen von der Rich­ter­bank (21.06.12)

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