13.06.2012
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Ein "Sachleistung" nach dem Asylbewerberleistungsgesetz: <a href="http://www.flickr.com/photos/katunia/283694387/">Montage von Katunia (flickr)</a>

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am 20. Juni 2012 über die Vorlagen des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen zur Frage, ob die sogenannten "Grundleistungen nach § 3 Asylbewerberleistungsgesetz" verfassungsgemäß sind.

Schät­zungs­wei­se 80.000 Men­schen müs­sen in Deutsch­land mit weni­ger als zwei Drit­tel der Hartz-IV-Sät­ze aus­kommen – sie erhal­ten Sozi­al­leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz (Asyl­bLG). Die­se wer­den häu­fig in Form entmündigen­der Lebens­mit­tel­pa­ke­te oder von Gutschei­nen aus­ge­ge­ben. 

Mit dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz wur­de 1993 ein Son­der­ge­setz geschaf­fen, das deut­lich abge­senk­te Leis­tun­gen fest­setz­te und vor­ran­gig Sach­leis­tun­gen anstel­le von Geld­leis­tun­gen vor­sah. Das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz war Teil des sog. Asyl­kom­pro­mis­ses und wur­de als Instru­ment der Abschre­ckung ein­ge­führt. 

Der Anwen­dungs­be­reich des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes wur­de im Lau­fe der Jah­re aus­ge­wei­tet. Die­ses Gesetz fin­det heu­te auf Men­schen in recht­lich und tat­säch­lich sehr unter­schied­li­chen Lebens­la­gen Anwen­dung. Leis­tungs­be­rech­tig­te nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz sind Asyl­su­chen­de, Kriegs­flücht­lin­ge und ande­re im Besitz einer Auf­ent­halts­er­laub­nis befind­li­che Per­so­nen, Gedul­de­te und voll­zieh­bar Aus­rei­se­pflich­ti­ge sowie deren Ehe­gat­ten, Lebens­part­ner und min­der­jäh­ri­ge Kin­der.

Dass das Asyl­bLG ver­fas­sungs­wid­rig sein könn­te, hat auch die zustän­di­ge Minis­te­rin Frau von der Ley­en am 10.November 2010 in einer Ant­wort auf eine Bun­des­tags­an­fra­ge mit­ge­teilt. Aller­dings blieb die Bun­des­re­gie­rung bis heu­te untä­tig. Seit 1993 wur­den die Sät­ze für Asyl­su­chen­de nicht ange­ho­ben. Die Leit­tra­gen­den sind die Betrof­fe­nen.

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen:

Auf­satz von Marei Pel­zer (PRO ASYL) und Mat­thi­as Leh­nert (GGUA): Dis­kri­mi­nie­ren­des Son­der­ge­setz: War­um das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz ver­fas­sungs­wid­rig ist, aus: Kri­ti­sche Jus­tiz 2010, S. 452–459

Stel­lung­nah­me von Georg Clas­sen, Ber­li­ner Flücht­lings­rat

Doku­men­te zum Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt:

BVerfG: Ankün­di­gung der münd­li­chen Ver­hand­lung

BVerfG: Glie­de­rung der münd­li­chen Ver­hand­lung

Vor­la­ge­be­schluss LSG NRW L 20 AY 13/09 v. 26.07.2010 (Asyl­bLG-Leis­tun­gen für Allein­ste­hen­de)

Vor­la­ge­be­schluss LSG NRW L 20 AY 1/09 v. 22.11.2010 (Asyl­bLG-Leis­tun­gen für Kin­der)

Hin­weis: Die münd­li­che Ver­hand­lung fin­det statt am  20. Juni 2012, 10.00 Uhr im Sit­zungs­saal des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, Amts­sitz „Wald­stadt“, Rinthei­mer Quer­al­lee 11, 76131 Karls­ru­he

 BVerfG: Kri­ti­sche Fra­gen von der Rich­ter­bank (21.06.12)