10.01.2014

Die Ver­öf­fent­li­chung der Asyl­sta­tis­tik 2013 hat der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter zum Anlass für Zah­len­in­ter­pre­ta­tio­nen genom­men, die unge­nau und inak­zep­ta­bel sind.

Gestellt wur­den 109.580 Asyl­erst­an­trä­ge, eine Zahl, die über­wie­gend die Tat­sa­che abbil­det, dass sich in vie­len Her­kunfts­staa­ten von Asyl­su­chen­den poli­ti­sche Ver­fol­gung, Kriegs- und Bür­ger­kriegs­si­tua­tio­nen ver­ste­tigt haben. Die Zahl bewegt sich im Übri­gen auch im Bereich lang­jäh­ri­ger Mit­tel­wer­te. Minis­ter de Mai­ziè­re spricht in einer Pres­se­mit­tei­lung des BMI von der Pro­ble­ma­tik, fast 130.000 Asyl­be­wer­ber ange­mes­sen unter­zu­brin­gen. Ohne dies baga­tel­li­sie­ren zu wol­len: Es waren fast 20.000 weni­ger, die neu ins Land kamen und erst­mals einen Asyl­an­trag stell­ten, so die Bun­des­amts­sta­tis­tik.

Ori­gi­nal­ton des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters: „Wir brau­chen schnel­ler Klar­heit dar­über, wer tat­säch­lich schutz­be­dürf­tig ist und wer nicht, zumal nur knapp 14 Pro­zent der Anträ­ge aner­kannt wur­den.“ Der ers­te Halb­satz ist rich­tig. Er ver­weist aller­dings auf die über meh­re­re Jah­re hin­aus ange­wach­se­nen Bear­bei­tungs­rück­stän­de durch Pla­nungs­feh­ler und den schlep­pen­den Auf­bau von Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten. De Mai­ziè­res zwei­ter Halb­satz ent­hält eine Halb­wahr­heit, was ihm durch­aus bewusst gewe­sen sein dürf­te: Aner­kannt wur­den näm­lich nicht nur knapp 14 Pro­zent aller ent­schie­de­nen Anträ­ge, son­dern dar­über hin­aus wur­de in 11,4 Pro­zent aller Fäl­le soge­nann­ter sub­si­diä­rer Schutz wegen Fol­ter, dro­hen­der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen oder Bür­ger­kriegs­si­tua­tio­nen zwin­gend gewährt. Selbst­ver­ständ­lich zäh­len die­se Blei­be­be­rech­tig­ten zu dem Per­so­nen­kreis, den selbst der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter als die „wirk­lich Schutz­be­dürf­ti­gen“ adres­siert.

Ver­säumt wur­de es auch, die soge­nann­ten for­mel­len Ent­schei­dun­gen (29.705) aus der Aner­ken­nungs­quo­te her­aus zu rech­nen – ent­ge­gen der beim Bun­des­amt inzwi­schen oft übli­chen Pra­xis. For­mel­le Ent­schei­dun­gen sind sol­che, in denen über Flücht­lings­schutz und Abschie­bungs­hin­der­nis­se inhalt­lich nicht ent­schie­den wird, meist, weil ein ande­rer EU-Staat im Rah­men der soge­nann­ten Dub­lin-Ver­ord­nung für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens zustän­dig ist. Ohne die­se for­mel­len Ent­schei­dun­gen liegt die Gesamt­schutz­quo­te bei annä­hernd 40 Pro­zent. Ange­sichts die­ser Zahl hät­te der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter wohl dar­auf hin­wei­sen müs­sen, wie groß die Zahl der Schutz­be­dürf­ti­gen und –berech­tig­ten ist, die aktu­ell mit Fug und Recht Asyl suchen.

Man muss den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern erklä­ren, dass die Flücht­lings­zah­len in den nächs­ten Jah­ren ver­mut­lich kon­ti­nu­ier­lich hoch sein wer­den. Die­se Tat­sa­che darf aber nicht gegen das aus­ge­spielt wer­den, was der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter als „klu­ge Zuwan­de­rung“ bezeich­net.

Die Zahl der uner­le­dig­ten Ver­fah­ren liegt bei ca. 96.000. PRO ASYL for­dert durch eine Auf­sto­ckung des Per­so­nals Asyl­ver­fah­ren zügig aber vor allem fair durch­zu­füh­ren, sodass die Flucht­grün­de ermit­telt wer­den kön­nen und der Ein­zel­fall gewür­digt wird.

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