07.09.2015

Beschlüs­se ver­schär­fen Unter­brin­gungs­pro­ble­me und miss­ach­ten Ver­fas­sungs­recht

PRO ASYL kri­ti­siert das ges­tern ver­ein­bar­te Maß­nah­men­pa­ket der gro­ßen Koali­ti­on scharf. „Die Regie­rung schal­tet mit die­sen Beschlüs­sen von Auf­nah­me auf Abwehr von Flücht­lin­gen um“, sag­te der Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL, Gün­ter Burk­hardt.

Wider bes­se­res Wis­sens hält die Bun­des­re­gie­rung an dem geschei­ter­ten Dub­lin-Sys­tem fest. Dies wird die men­schen­rechts­wid­ri­gen Zustän­de an Euro­pas Außen­gren­zen wei­ter ver­schär­fen. Es ist zu befürch­ten, dass Ungarn und mög­li­cher­wei­se auch Grie­chen­land ver­su­chen, ihre Gren­zen zu schlie­ßen, Flücht­lin­ge ille­gal zurück­wei­sen oder men­schen­un­wür­dig inter­nie­ren. Das Dub­lin-Abkom­men ver­hin­dert zudem, dass jene euro­päi­schen Indus­trie­staa­ten in die Ver­ant­wor­tung genom­men wer­den, die sich (wie etwa Groß­bri­tan­ni­en) gegen Flücht­lin­ge abschot­ten.

Pro Asyl kri­ti­siert zudem die geplan­te Ein­ord­nung wei­te­rer Bal­kan­staa­ten als siche­re Her­kunfts­län­der. Die Bal­kan­staa­ten sind nach wie vor kei­ne siche­ren Her­kunfts­län­der, auch wenn es aus Bal­kan­staa­ten Arbeits­mi­gra­ti­on gibt. Zahl­rei­che Men­schen­rechts­be­rich­te zei­gen, dass Ange­hö­ri­ge der Roma und ande­re Min­der­hei­ten in den Bal­kan­staa­ten umfas­sen­der ras­sis­ti­scher Aus­gren­zung aus­ge­setzt und von exis­ten­ti­el­ler Armut bedroht sind. Jus­tiz und Poli­zei schüt­zen sie kaum.

Die Ver­län­ge­rung der Ver­weil­dau­er in den Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen wird die Unter­brin­gungs­si­tua­ti­on ver­schär­fen. Die geplan­te Aus­wei­tung der Kapa­zi­tä­ten von ca. 45.000 auf 150.000 wird kurz­fris­tig nicht rea­li­siert wer­den kön­nen – frü­hes­tens im Lau­fe des Jah­res 2016. Die dop­pel­te oder drei­fa­che Bele­gung bestehen­der Ein­rich­tun­gen wird uner­träg­li­che Lebens­um­stän­de für tau­sen­de Men­schen schaf­fen und Kon­flik­te auf engs­tem Raum ver­schär­fen.

Die geplan­te Aus­ga­be von Sach­leis­tun­gen statt Bar­geld in der Erst­auf­nah­me ist  ver­fas­sungs­wid­rig und soll – ent­ge­gen der öffent­li­chen Wahr­neh­mung – Flücht­lin­ge aus sämt­li­chen Her­kunfts­län­dern betref­fen. Der Bar­be­trag ist kei­ne frei­wil­li­ge Zusatz­leis­tung, son­dern dient dazu, das ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te sozio­kul­tu­rel­le Exis­tenz­mi­ni­mum – also ein Mini­mum an Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen Leben – zu ermög­li­chen.

Flücht­lin­gen zu unter­stel­len, wegen der gerin­gen Bar­geld­leis­tun­gen (143 Euro für Allein­ste­hen­de) nach Deutsch­land ein­zu­rei­sen, ist nicht nur ein Hohn für all jene Men­schen, die vor ras­sis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung, Krieg und Ver­fol­gung flie­hen, die­ser Popu­lis­mus befeu­ert eine Neid­de­bat­te, die den Nähr­bo­den für eine wei­te­re Zunah­me der ras­sis­ti­schen Het­ze und Gewalt gegen Flücht­lin­ge schafft.

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