05.11.2013

Anläss­lich der gegen­wär­tig lau­fen­den Ver­hand­lun­gen appel­liert PRO ASYL an CDU/CSU und SPD, Leit­plan­ken für eine men­schen­rechts­kon­for­me Flücht­lings­po­li­tik in Euro­pa und Deutsch­land im Koali­ti­ons­ver­trag zu ver­an­kern. „Statt Abschot­tung und Aus­gren­zung muss der Schutz von Flücht­lin­gen zur Leit­li­nie des poli­ti­schen Han­delns wer­den“, sag­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL. Deutsch­land dür­fe nicht zuse­hen, wie Flücht­lin­gen an den EU-Außen­gren­zen ein fai­res Ver­fah­ren ver­wei­gert wer­de.

Bezo­gen auf den Umgang mit Flücht­lin­gen in Deutsch­land for­dert PRO ASYL ein Inte­gra­ti­ons­kon­zept vom Anfang an. Dies beinhal­tet den Anspruch auf Deutsch­kur­se auch für Asyl­su­chen­de. Die zwangs­wei­se Unter­brin­gung in Mas­sen­un­ter­künf­ten, das Arbeits­ver­bot, die Resi­denz­pflicht und das dis­kri­mi­nie­ren­de Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz stig­ma­ti­sier­ten die Betrof­fe­nen und leis­te­ten ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­len Vor­schub. Sie müs­sen abge­schafft wer­den.

Zen­tra­le For­de­run­gen von PRO ASYL

Lega­le und gefah­ren­freie Flucht­we­ge: Flücht­lin­ge z.B. aus Syri­en, Afgha­ni­stan, Soma­lia oder Eri­trea ste­hen ver­zwei­felt an Euro­pas ver­schlos­se­nen Gren­zen. Ihnen bleibt kaum eine ande­re Chan­ce als die gefähr­li­che Flucht über das Meer. Die Toten vor Lam­pe­du­sa waren nur eini­ge von vie­len Tau­sen­den in den letz­ten Jah­ren. Nur lega­le Flucht­we­ge kön­nen das Ster­ben been­den, Euro­pa muss gefah­ren­freie Wege für Flücht­lin­ge eröff­nen und unter ande­rem akti­ve Pro­gram­me zur groß­zü­gi­gen Flücht­lings­auf­nah­me durch­füh­ren. Flücht­lin­gen an den EU-Gren­zen muss aus­nahms­los der Zugang zu einem fai­ren Asyl­ver­fah­ren gewährt wer­den. Es darf kei­ne Zurück­wei­sun­gen Schutz­su­chen­der mehr geben. Die See­not­ret­tung muss kon­se­quent gewähr­leis­tet sein.

Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung inner­halb der EU: Zur­zeit sind Flücht­lin­ge gezwun­gen, in dem Land ihren Asyl­an­trag zu stel­len, das sie als ers­tes errei­chen. Die aus­weg­lo­se Situa­ti­on Schutz­su­chen­der in Grie­chen­land, Mal­ta, Ita­li­en, Bul­ga­ri­en oder Ungarn zeigt, dass die­se Rege­lung zum Schutz der Men­schen drin­gend geän­dert wer­den muss. Flücht­lin­ge, deren Ver­wand­te bereits in Deutsch­land leben, muss künf­tig erlaubt wer­den, nach Deutsch­land zu kom­men und hier ihr Asyl­ver­fah­ren zu durch­lau­fen. Es ist nicht ein­zu­se­hen dass ein syri­scher Flücht­ling, des­sen Schwes­ter in Deutsch­land lebt, sein Asyl­ver­fah­ren in Grie­chen­land oder Ita­li­en durch­lau­fen muss.

Inte­gra­ti­on von Flücht­lin­gen: Noch immer folgt der Umgang mit Flücht­lin­gen in Deutsch­land  der Stra­te­gie der Abschre­ckung. Dazu gehört die Unter­brin­gung in Sam­mel­un­ter­künf­ten, die Asyl­su­chen­de aus­grenzt, stig­ma­ti­siert und der Gefahr ras­sis­ti­scher Angrif­fe aus­setzt. Arbeits­ver­bo­te, die Resi­denz­pflicht und das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz mit sei­nem dis­kri­mi­nie­ren­den Sach­leis­tungs­prin­zip ver­wei­gern den Betrof­fe­nen ein selbst­be­stimm­tes Leben und degra­die­ren sie zu Objek­ten staat­li­cher Ali­men­tie­rung. Auch das leis­tet ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­len Vor­schub. Des­halb gilt: Teil­ha­be vom ers­ten Tag an ist sinn­voll – für die betrof­fe­nen Men­schen wie für die deut­sche Gesell­schaft. Asyl­su­chen­de soll­ten Deutsch- und Inte­gra­ti­ons­kur­se durch­lau­fen und unein­ge­schränk­ten Zugang zu Arbeits­markt und Bil­dung erhal­ten. Das Recht von Flücht­lin­gen auf dezen­tra­le Unter­brin­gung in Woh­nun­gen soll­te im Bun­des­recht ver­an­kert, das dis­kri­mi­nie­ren­de Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz ersatz­los gestri­chen wer­den.

Eine wirk­sa­me Blei­be­rechts­re­ge­lung: Noch immer leben in Deutsch­land fast 86.000 Men­schen mit einer Dul­dung, rund 36.000 bereits län­ger als sechs Jah­re. Über 22.000 der Gedul­de­ten sind min­der­jäh­rig. Sie alle haben kei­ne siche­re Auf­ent­halts­per­spek­ti­ve. Vie­le von ihnen schei­ter­ten an den hohen Hür­den bis­he­ri­ger Blei­be­rechts­re­ge­lun­gen – schlicht, weil sie zu arm, zu krank, zu jung oder zu alt waren. PRO ASYL for­dert eine Blei­be­rechts­re­ge­lung mit huma­ni­tä­rem Cha­rak­ter, die stich­tags­un­ab­hän­gig ist und kei­ne uner­füll­ba­ren Bedin­gun­gen an die betrof­fe­nen Men­schen stellt, zum Bei­spiel hin­sicht­lich der Siche­rung des Lebens­un­ter­hal­tes ins­be­son­de­re von Kran­ken und alten Men­schen.

Hin­weis:

PRO ASYL hat zusam­men mit dem Deut­schen Gewerk­schafts­bund und dem Inter­kul­tu­rel­len Rat zur Bun­des­tags­wahl das Papier „Men­schen­rech­te für Migran­ten und Flücht­lin­ge“  her­aus­ge­ge­ben, in dem Posi­tio­nen und For­de­run­gen an die neue Bun­des­re­gie­rung zusam­men­ge­stellt wur­den.

 Schwarz-roter Koali­ti­ons­ver­trag (27.11.13)

 PRO ASYL zu ers­ten bekannt gewor­de­nen Zwi­schen­er­geb­nis­sen der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen im Asyl­be­reich: (14.11.13)

 Flücht­lings­schutz in den Koali­ti­ons­ver­trag! (05.11.13)

Alle Presse­mitteilungen