16.03.2010

Mas­sen­ab­schie­bun­gen in den Koso­vo am 17. März tref­fen auch Alte und Kran­ke

PRO ASYL: Die letz­ten Hem­mun­gen sind gefal­len

Am Mitt­woch die­ser Woche wird vom Flug­ha­fen Düs­sel­dorf aus eine wei­te­re Char­ter­ab­schie­bung in den Koso­vo statt­fin­den. Schon in den ver­gan­ge­nen Mona­ten hat­te es zahl­rei­che Abschie­bun­gen nach Pris­ti­na gege­ben. Behör­den­be­haup­tun­gen, dass hier­bei nur Allein­ste­hen­de und Straf­tä­ter betrof­fen waren, sind nicht kor­rekt. Jetzt aber sind ohne­hin alle Hem­mun­gen gefal­len. Am Mitt­woch sol­len ins­ge­samt fast 150 Per­so­nen vor allem aus Nord­rhein-West­fa­len und Nie­der­sach­sen abge­scho­ben wer­den, unter ihnen vie­le Ange­hö­ri­ge der Roma- und Ash­ka­limin­der­hei­ten, Fami­li­en mit Kin­dern, Alte und Kran­ke. Auch Trau­ma­ti­sier­te, Dia­ly­se­pa­ti­en­ten und Herz­kran­ke soll es tref­fen.

Die meis­ten Betrof­fe­nen leben seit zehn bis zwan­zig Jah­ren in Deutsch­land. Die Kin­der und Jugend­li­chen sind in Deutsch­land auf­ge­wach­sen oder hier gebo­ren. Ohne Alba­nisch-Kennt­nis­se haben sie im Koso­vo kei­ne Chan­ce auf eine erfolg­rei­che Schul­lauf­bahn. Die bevor­ste­hen­de Abschie­bung bedeu­tet für sie das Ende all ihrer Per­spek­ti­ven und Hoff­nun­gen. Des­halb appel­lier­te auch UNICEF kürz­lich an die Bun­des­re­gie­rung, die Abschie­bung von Roma-Kin­dern und ihren Fami­li­en aus­zu­set­zen. Nach Berich­ten von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, des UN-Flücht­lings­hoch­kom­mis­sa­ri­ats (UNHCR) sowie des Men­schen­rechts­kom­mis­sars des Euro­pa­ra­tes, Tho­mas Hammar­berg, sind Ange­hö­ri­ge der Roma, der Ash­ka­li und ande­rer Min­der­hei­ten im Koso­vo wei­ter­hin bedroht. Bereits abge­scho­be­ne Roma berich­ten über Gewalt und ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung von Sei­ten alba­ni­scher Poli­zei­kräf­te.

Die Mehr­heit der Ange­hö­ri­gen die­ser dis­kri­mi­nier­ten Min­der­heit lebt in abso­lu­ter Armut, vie­le in eth­ni­schen Enkla­ven, in Behelfs­un­ter­künf­ten ohne sani­tä­re Anla­gen oder Hei­zung. Hun­der­te Roma, dar­un­ter auch Abge­scho­be­ne woh­nen in blei­ver­seuch­ten Flücht­lings­la­gern.

Die Bun­des­re­gie­rung zeigt sich unge­rührt und hält an ihrer Abschie­bungs­pra­xis fest. Zur Recht­fer­ti­gung wird auf die pro­gram­ma­ti­schen Erklä­run­gen der Koso­vo-Regie­rung für eine Inte­gra­ti­ons- und Rück­kehr­po­li­tik ver­wie­sen. Die aller­dings steht auch nach Jah­ren über­wie­gend auf dem Papier. Zur Umset­zung feh­len Gel­der und die Bereit­schaft der Mehr­heits­be­völ­ke­rung.

PRO ASYL und der Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen for­dern Bund und Län­der auf, die Sam­mel­ab­schie­bung am 17. März zu stop­pen, Abschie­bun­gen von Roma in den Koso­vo aus­zu­set­zen und eine ech­te Blei­be­rechts­re­ge­lung für die rund Zehn­tau­send Roma-Flücht­lin­ge aus dem Koso­vo zu schaf­fen.

Kon­takt:

Tel. 069 23 06 95

E-Mail: presse@proasyl.de

Bas­ti­an Wre­de, Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen (recher­chiert Roma-Abschie­bun­gen in den Koso­vo): 05121 15 605

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