19.04.2019

PRO ASYL kri­ti­siert See­ho­fers Irre­füh­rung der öffent­li­chen Debat­te durch Zahl­entrick­se­rei

Am Mitt­woch wur­de im Kabi­nett das »Geord­ne­te-Rück­kehr-Gesetz« beschlos­sen. In der öffent­li­chen Dis­kus­si­on wird fälsch­li­cher­wei­se der Ein­druck erweckt, die SPD habe sich bei der Aus­ge­stal­tung des Geset­zes durch­ge­setzt. »Das Gesetz ist weder weich­ge­spült noch ent­schärft. Es ist im Ver­gleich zur gel­ten­den Geset­zes­la­ge ein tief­grei­fen­der Ein­griff in das Rechts­ge­fü­ge« stellt Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL, klar. Völ­lig unter­schätzt wird die ver­drän­gen­de Wir­kung des Geset­zes durch den Ent­zug von Sozi­al­leis­tun­gen und rigo­ro­se Haft. In Grie­chen­land bei­spiels­wei­se wer­den aktu­ell Aner­kann­te aus ihren Woh­nun­gen getrie­ben; flie­hen sie nach Deutsch­land, wer­den sie durch die im Gesetz vor­ge­se­he­nen Ver­schär­fun­gen an den Rand des Exis­tenz­mi­ni­mums gedrängt oder in Haft genom­men und zurück nach Grie­chen­land abge­scho­ben. Die For­de­run­gen aus Rei­hen der Uni­on, das 2. Hau-ab-Gesetz wei­ter zu ver­schär­fen, ent­beh­ren jeder fak­ti­schen Grund­la­ge.

»Rechts­staat­li­che Grund­sät­ze sol­len jetzt unter Mee­res­spie­gel­ni­veau gedrückt wer­den!« kon­sta­tiert Burk­hardt die aktu­el­le Situa­ti­on. »Die ufer­lo­sen Inhaf­tie­rungs­mög­lich­kei­ten wur­den weder von rechts­staat­li­chen Kräf­ten in der Uni­on noch der SPD gebremst.« Der Auf­schrei der Jus­tiz­mi­nis­te­rIn­nen der Län­der muss ernst genom­men wer­den. PRO ASYL appel­liert, dass nicht nur der Innen­aus­schuss des deut­schen Bun­des­ta­ges, son­dern auch der Jus­tiz­aus­schuss die­ses Gesetz sorg­fäl­tig berät. »Es ist mehr als bedau­er­lich, dass das SPD-geführ­te Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um die­sen Ent­wurf nicht gestoppt hat. Von der Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin ist nur ein laut­star­kes Schwei­gen zu hören«, kom­men­tiert Burk­hardt.

Fal­sches Spiel mit den Zah­len

PRO ASYL kri­ti­siert die an Täu­schung gren­zen­de Öffent­lich­keits­ar­beit des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums (BMI), die sug­ge­riert in Deutsch­land stün­den 235.000 abge­lehn­te Asyl­su­chen­de vor der Abschie­bung.  Rich­tig ist, dass laut Aus­län­der­zen­tral­re­gis­ter (AZR) 235.000 Per­so­nen aus­rei­se­pflich­tig sind – doch rund die Hälf­te  von ihnen hat nie einen Asyl­an­trag gestellt! Dar­über hin­aus sind im AZR auch jede Men­ge Kar­tei­lei­chen ent­hal­ten – hin­ter den Zah­len ste­cken also Per­so­nen, die gar nicht mehr in Deutsch­land sind.  Auch sind in der auf­ge­bla­se­nen Zahl des BMI knapp 30.000 afgha­ni­sche und ira­ki­sche Gedul­de­te ent­hal­ten, von denen die meis­ten nicht abge­scho­ben wer­den kön­nen, weil die Lage im Her­kunfts­land zu gefähr­lich ist. »Die Stra­te­gie, mit Zahl­entrick­se­rei Stim­mung gegen Geflüch­te­te zu machen und so ein unge­heu­er­li­ches Geset­zes­pa­ket durch­zu­peit­schen, ist inak­zep­ta­bel!«

Die Dar­stel­lung, dass Abschie­bun­gen an den Rege­lun­gen in Deutsch­land schei­tern wür­den, ist eben­falls zu hin­ter­fra­gen. Die Bun­des­re­gie­rung selbst hat­te kürz­lich zuge­ge­ben, die Grün­de für geschei­ter­te Abschie­bun­gen nicht zu ken­nen.

Abschie­bun­gen in unsi­che­re Ziel­staa­ten

Im Zuge des­sen for­dert PRO ASYL eine sach­ori­en­tiert Dis­kus­si­on, die die Zustän­de in den Ziel­staa­ten der Abzu­schie­ben­den in den Blick nimmt: Afgha­ni­stan bei­spiels­wei­se ist ein kriegs- und kri­sen­ge­beu­tel­tes Land, in dem kom­men­de Woche wie­der ein Abschie­be­flie­ger aus Deutsch­land lan­den soll.

Inner­eu­ro­päi­sche Abschie­bun­gen

Auch inner­halb Euro­pas muss die Situa­ti­on in ande­ren EU-Mit­glieds­staa­ten wie­der in den Blick genom­men wer­den. In Bul­ga­ri­en, Grie­chen­land und Ita­li­en herr­schen kata­stro­pha­le Zustän­de, doch Deutsch­land will Geflüch­te­te mit aller Gewalt dort­hin zurück­drän­gen: Das Geset­zes­pa­ket sieht vor, sie ent­we­der nach rigo­ro­ser Inhaf­tie­rung dort­hin abzu­schie­ben oder durch Ent­zug von Sozi­al­leis­tun­gen in die Erstein­rei­se­län­der zu ver­drän­gen.

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