17.06.2022
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Ein Busbahnhof im Dorf Palanca, an der Grenze zwischen der Republik Moldau und der Ukraine. Foto: Marc Speer

Seit Kriegsbeginn ist fast eine halbe Million Ukrainer*innen in die angrenzende Republik Moldau geflohen. Auch wenn die meisten Schutzsuchenden weiter in die EU fliehen, steht Moldau, das als ärmstes Land Europas gilt, dennoch vor immensen Herausforderungen und ist dringend auf die Solidarität der EU-Staaten angewiesen.

Der Staat Mol­dau exis­tiert seit 1991, als sich die ehe­ma­li­ge Mol­daui­sche Sozia­lis­ti­sche Sowjet­re­pu­blik für unab­hän­gig erklärt hat­te. In Mol­dau leben aktu­ell 2,6 Mil­lio­nen Men­schen. Fast eine Mil­li­on Men­schen ist in den letz­ten zehn Jah­ren auf­grund der wirt­schaft­lich ange­spann­ten Situa­ti­on  aus­ge­wan­dert. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt pro Kopf lag im Jahr 2020 bei knapp unter 4.400 US-Dol­lar und erreich­te damit nur etwa ein Zehn­tel des deut­schen Wer­tes. Mehr als ein Vier­tel der mol­daui­schen Bevöl­ke­rung lebt unter­halb der Armutsgrenze.

Die poli­ti­sche Situa­ti­on ist seit Lan­gem durch den Kon­flikt um die Regi­on Trans­nis­tri­en gekenn­zeich­net, die sich bereits kurz nach der Unab­hän­gig­keit Mol­d­aus abge­spal­ten hat­te. Seit­dem exis­tiert Trans­nis­tri­en als ein nach Russ­land ori­en­tier­ter de-fac­to Staat, der aller­dings von kei­nem Land der Welt aner­kannt wur­de, auch nicht von Russ­land. Den­noch sind in Trans­nis­tri­en etwa 2.000 rus­si­sche Soldat*innen sta­tio­niert. Zudem befin­det sich dort ein gro­ßes Munitionslager.

Moldau im Spannungsfeld zwischen Russland und der EU

Ende April 2022 gab es in Trans­nis­tri­en  Anschlä­ge auf ein Regie­rungs­ge­bäu­de, zwei Funk­mas­ten und eine Kaser­ne. Die Urheber*innen sind bis­her unbe­kannt. Die Anschlä­ge ver­schärf­ten die Angst vor einem rus­si­schen Angriff auf Mol­dau, wobei auch ein innen­po­li­ti­scher Kon­flikt zwi­schen dem russ­land­freund­li­chen Ex-Prä­si­den­ten, Igor Dodon, und der amtie­ren­den, EU-ori­en­tier­ten, Prä­si­den­tin Maia San­du eine Rol­le spielt. Igor Dodon wur­de im Mai 2022 unter Haus­ar­rest gestellt. Sei­ne Anhänger*innen rie­fen in der Fol­ge zu Demons­tra­tio­nen auf.

Die gesell­schaft­li­che Spal­tung des Lan­des, der Kon­flikt um Trans­nis­tri­en und die dort sta­tio­nier­ten rus­si­schen Soldat*innen erklä­ren die Ner­vo­si­tät, mit der die mol­daui­sche Regie­rung umge­hend auf den Angriff Russ­lands auf die Ukrai­ne reagier­te: Bereits am 24. Febru­ar 2022 schloss Mol­dau sei­nen Luft­raum (der zwi­schen­zeit­lich wie­der geöff­net wur­de) und ver­häng­te den  Ausnah­me­zu­stand, der unter ande­rem Son­der­re­ge­lun­gen für die Ein- und Aus­rei­se und den Umgang mit Geflüch­te­ten aus der Ukrai­ne ermög­licht. Wei­ter­hin stell­te das Land, wie die Ukrai­ne, einen for­mel­len Antrag zur Auf­nah­me in die EU.

Seit Kriegsbeginn reiste fast eine halbe Million Ukrainer*innen ein 

An der über 1.200 Kilo­me­ter lan­gen Gren­ze zwi­schen Mol­dau und der Ukrai­ne exis­tie­ren zahl­rei­che Grenz­über­gän­ge. Laut Anga­ben der mol­daui­schen Regie­rung sind im Zeit­raum vom 24. Febru­ar 2022 bis zum 23. Mai 2022 über 430.000 ukrai­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge nach Mol­dau gekom­men, von denen knapp 270.00 nach Rumä­ni­en wei­ter­ge­reist sind. Etwa 70.000 Men­schen kehr­ten mitt­ler­wei­le in die Ukrai­ne zurück. Unge­fähr 80.000 Ukrainer*innen sind in Mol­dau geblie­ben. Zu Beginn des Kriegs reis­ten täg­lich meh­re­re Tau­send Ukrainer*innen, der Groß­teil davon Frau­en und Kin­der, nach Mol­dau ein. Auch aus­län­di­sche Stu­die­ren­de konn­ten nach Aus­bruch des Krie­ges nach Mol­dau ein­rei­sen. Mit­te Juni 2022 wer­den etwa 1.000 Ein­rei­sen pro Tag registriert.

80.000

Ukrainer*innen sind in Mol­dau geblieben

Für die Ein­rei­se ukrai­ni­scher Geflüch­te­ter sind ins­be­son­de­re die klei­nen Orte Ota­ci im Nor­den und Palan­ca im öst­lichs­ten Teil des Lan­des rele­vant. Palan­ca ist dabei wegen der Nähe zu Odes­sa, das gera­de ein­mal 60 Kilo­me­ter ent­fernt liegt, von her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung: Etwa 150.000 Men­schen haben hier allein in den ers­ten zwei Mona­ten des Krie­ges die Gren­ze über­quert. Wie vie­le Ukrainer*innen nach Trans­nis­tri­en ein­ge­reist sind, lässt sich nur schät­zen: Einem Team der UN wur­de bei einem Besuch der Regi­on am 6. April 2022 mit­ge­teilt, dass sich ins­ge­samt 8.000 Geflüch­te­te in Trans­nis­tri­en auf­hal­ten würden.

Ukrainische Grenzbeamt*innen auf moldauischem Staatsgebiet

Eine Beson­der­heit des Grenz­über­gangs bei Palan­ca ist, dass er sich eini­ge Kilo­me­ter inner­halb des mol­daui­schen Staats­ge­bie­tes an der Abzwei­gung einer Schnell­stra­ße befin­det, die Eigen­tum der Ukrai­ne ist, obwohl sie auf mol­daui­schem Staats­ge­biet ver­läuft. Die Stra­ße ver­bin­det das   ukrai­ni­sche Staats­ge­biet mit einem klei­nen süd­lich von Mol­dau gele­ge­nen Lan­des­teil. Dies bringt mit sich, dass die ukrai­ni­schen Grenzbeamt*innen inner­halb des mol­daui­schen Staats­ge­bie­tes tätig sind.

In den ers­ten Tagen des Krie­ges führ­te die­se kom­ple­xe Grenz­si­tua­ti­on dazu, dass ukrai­ni­sche Grenzbeamt*innen das Aus­rei­se­ver­bot für ukrai­ni­sche Män­ner zwi­schen 18 und 60 Jah­ren nur schwer durch­set­zen konn­ten. Mitt­ler­wei­le ist die Aus­rei­se für ukrai­ni­sche Män­ner wegen der  Stra­ßen­sper­ren auf ukrai­ni­schem Gebiet jedoch nicht mehr mög­lich, sie kön­nen nur noch infor­mell über die Grü­ne Gren­ze nach Mol­dau ein­rei­sen. Gelingt ihnen das, wer­den sie – zumin­dest bis­her – nicht in die Ukrai­ne abge­scho­ben und kön­nen auch einen Asyl­an­trag stellen.

Einreise für Ukrainer*innen gut organisiert

Aus­rei­se­be­rech­tig­te Ukrainer*innen kön­nen den Grenz­über­gang bei Palan­ca ent­we­der mit dem eige­nen Auto oder zu Fuß über­que­ren. Wer ohne eige­nen Wagen kommt, wird in der Regel mit Bus­sen direkt an Grenz­über­gang gebracht. Nach dem Pas­sie­ren des mol­daui­schen Grenz­pos­tens wer­den die Geflüch­te­ten inner­halb kür­zes­ter Zeit in kos­ten­lo­sen Klein­bus­sen zu einem impro­vi­sier­ten Bus­bahn­hof gebracht, der nur weni­ge Kilo­me­ter ent­fernt am Rand von Palan­ca gebaut wurde.

Hier befin­det sich auch einer der ins­ge­samt sie­ben soge­nann­ten »Blue Dots«, die zwi­schen­zeit­lich in Mol­dau eta­bliert wur­den. Die­se wer­den von UNICEF und dem UNHCR  zusam­men mit loka­len Behör­den und Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen betrie­ben und sind in den Nach­bar­staa­ten der Ukrai­ne mitt­ler­wei­le an nahe­zu allen wich­ti­gen Kno­ten­punk­ten der Ein- und Wei­ter­rei­se zu fin­den. In den »Blue Dots« wer­den die ukrai­ni­schen Kriegs­flücht­lin­ge nicht nur mate­ri­ell ver­sorgt, son­dern erhal­ten bei Bedarf auch eine ers­te psy­cho­lo­gi­sche und recht­li­che Bera­tung, wobei ein beson­de­rer Fokus auf der Hil­fe für gefähr­de­te Frau­en und Kin­der liegt. Zudem kön­nen sich ukrai­ni­sche Geflüch­te­te in Palan­ca über die kon­kre­ten Umstän­de eines wei­te­ren Auf­ent­halts in Mol­dau und  über die umge­hen­de Wei­ter­rei­se nach Rumä­ni­en infor­mie­ren. Wei­ter­hin wur­de vor Ort ein gro­ßes Zelt­la­ger errich­tet, das auf­grund der effi­zi­en­ten Wei­ter­rei­se­op­tio­nen bis­her aller­dings kaum genutzt wird.

Weiterreise in die EU bisher leicht möglich

Kos­ten­lo­se Rei­se­bus­se brin­gen die Geflüch­te­ten aus Palan­ca ent­we­der in die mol­daui­sche  Haupt­stadt Chișinău, wo auf dem Mes­se­ge­län­de eben­falls ein »Blue Dot« ein­ge­rich­tet wur­de, oder  direkt nach Rumä­ni­en. Dort wur­de in der Grenz­stadt Huși ein wei­te­res Zelt­la­ger auf­ge­baut.  Mög­lich macht die schnel­le Wei­ter­rei­se per Bus die  Initia­ti­ve »Green Cor­ri­dor« der mol­daui­schen und der rumä­ni­schen Regie­rung , an der auch der UNHCR und die IOM betei­ligt sind. Bis zum 24. Mai 2022 reis­ten nach Anga­ben der IOM knapp über 10.000 ukrai­ni­sche Geflüch­te­te über den Kor­ri­dor direkt von Palan­ca nach Rumä­ni­en weiter.

Zudem wur­de Mol­dau, auf Initia­ti­ve der deut­schen Regie­rung, Anfang April 2022 zuge­si­chert, 12.000 Ukrainer*innen mit Direkt­flü­gen in EU-Staa­ten aus­zu­flie­gen. Bis Ende Mai fan­den 29 Flü­ge  im Rah­men der Luft­brü­cke statt, die meis­ten davon nach Öster­reich und Deutsch­land. Bis Mit­te Mai wur­den etwas mehr als 1.000 Ukrainer*innen ausgeflogen.

Die­se Zahl ist im Ver­gleich zu den­je­ni­gen, die Mol­dau über den »Green Cor­ri­dor« oder selbst­or­ga­ni­siert ver­las­sen haben, augen­schein­lich rela­tiv gering. Das dürf­te vor allem dar­an lie­gen, dass die Aus­rei­se über die Luft­brü­cke für die Betrof­fe­nen mit einem zeit­auf­wen­di­gen büro­kra­ti­schen Pro­zess ver­bun­den ist. Eigen­stän­dig oder mit Bus­sen des »Green Cor­ri­dor« wei­ter­zu­rei­sen, geht in der Pra­xis ein­fach wesent­lich schnel­ler. Daher ist die Luft­brü­cke der EU-Staa­ten vor allem für Men­schen eine wich­ti­ge Opti­on, die einen beson­de­ren Schutz­be­darf haben oder nicht in der Lage sind, ihre Wei­ter­rei­se selbst zu bewäl­ti­gen. Sowohl der »Green Cor­ri­dor« als auch die Luft­brü­cke der EU-Staa­ten zei­gen, dass Geflüch­te­ten rela­tiv schnell und prag­ma­tisch die Wei­ter­rei­se in die EU ermög­licht wer­den kann – wenn der poli­ti­sche Wil­le vor­han­den ist.

Große Welle der Solidarität auch in Moldau

Inner­halb der mol­daui­schen Gesell­schaft ließ sich eine gro­ße Wel­le der Hilfs­be­reit­schaft mit den Kriegs­flücht­lin­gen aus der Ukrai­ne beob­ach­ten: Neben der direk­ten Unter­stüt­zung nach der Ankunft und bei der Wei­ter­rei­se öff­ne­ten auch in Mol­dau vie­le Men­schen ihre Türen, um ukrai­ni­sche Geflüch­te­te auf­zu­neh­men. Schät­zungs­wei­se 15.000 Fami­li­en haben ukrai­ni­sche Geflüch­te­te bei sich auf­ge­nom­men. Sogar ein luxu­riö­ses Wein­gut in der Nähe von Palan­ca brach­te kur­zer­hand ukrai­ni­sche Geflüch­te­te unter. Zudem exis­tie­ren etwa 90 staat­li­che Auf­nah­me­zen­tren, die sich über das gan­ze Land ver­tei­len und eine Kapa­zi­tät von ins­ge­samt etwa 7.500 Plät­zen haben. Gegen­wär­tig sind die­se Plät­ze nur zur Hälf­te belegt.

Grund­sätz­lich dür­fen sich ukrai­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge bis zu 90 Tagen ohne spe­zi­el­le Erlaub­nis in Mol­dau auf­hal­ten, wobei davon aus­zu­ge­hen ist, dass die­se Frist vor dem Hin­ter­grund der Ver­län­ge­rung des Aus­nah­me­zu­stan­des zwi­schen­zeit­lich ver­län­gert bezie­hungs­wei­se auf­ge­ho­ben wur­de. Da Mol­dau kein EU-Mit­glied ist, gilt die Richt­li­nie über den vor­über­ge­hen­den Schutz (auch »Mas­sen­zu­strom­s­richt­li­nie« genannt) dort nicht. Ukrai­ni­schen Geflüch­te­ten bleibt somit nur, einen Asyl­an­trag beim »Asyl­um and Inte­gra­ti­on Direc­to­ra­te« zu stel­len, wel­ches über die Zuer­ken­nung des Flücht­lings­sta­tus oder eines huma­ni­tä­ren Schutz­sta­tus entscheidet.

7.573

Asyl­an­trä­ge gab es 2022 in Mol­dau. 2020 waren es gera­de ein­mal 86.

Sprunghafter Anstieg der Asylanträge

Laut Anga­ben der mol­dauischen Regie­rung wur­den bis zum 23. Mai 2022 ins­ge­samt 7.573 Asyl­an­trä­ge gestellt. Zum Ver­gleich: Im Gesamt­jahr 2020 wur­den gera­de ein­mal 86 Asyl­an­trä­ge in Mol­dau gestellt. In recht­li­cher Hin­sicht haben aner­kann­te Flücht­lin­ge und die  mit huma­ni­tä­rem Schutz­sta­tus nahe­zu die­sel­ben Rech­te wie mol­daui­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, was etwa den Zugang zum Arbeits­markt oder zu Gesund­heits­ver­sor­gung angeht. Wie vie­le Ukrainer*innen bis­her tat­säch­lich einen Schutz­sta­tus erhal­ten haben, ist nicht bekannt.

Als finan­zi­el­le Unter­stüt­zung kön­nen ukrai­ni­sche Fami­li­en oder beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen unab­hän­gig davon, ob sie einen Asyl­an­trag gestellt haben, eine monat­li­che Zah­lung von 110 Euro pro Per­son bean­tra­gen. Allein­rei­sen­de Per­so­nen ohne beson­de­ren Schutz­be­darf erhal­ten kei­ne finan­zi­el­le Unter­stüt­zung. Die monat­li­che Zah­lung wird vom UNHCR auf eine Pre­paid-Kar­te aus­ge­zahlt, die aus­schließ­lich in Mol­dau ver­wen­det wer­den kann. Wei­ter­hin kön­nen Haus­hal­te, die min­des­tens zwei ukrai­ni­sche Geflüch­te­te bei sich auf­ge­nom­men haben, zwei Zuschüs­se von jeweils 170 Euro bean­tra­gen, die vom »UN World Food Pro­gram­me« aus­ge­zahlt wer­den. Bis Mai 2022 haben 55.000 ukrai­ni­sche Geflüch­te­te und 10.500 Auf­nah­me­fa­mi­li­en Leis­tun­gen erhalten.

Internationale Unterstützung bei Gesundheitsversorgung

Die Gesund­heits­ver­sor­gung in Mol­dau ist sowohl für Moldauer*innen als auch für ukrai­ni­sche Geflüch­te­te pro­ble­ma­tisch, das staat­li­che Gesund­heits­sys­tem gilt als schwach. Die WHO ent­sand­te daher sechs »Emer­gen­cy Medi­cal Teams« nach Mol­dau. Wei­te­re 14 Teams kön­nen bei Bedarf akti­viert wer­den. Auch ande­re Orga­ni­sa­tio­nen, wie etwa Ärz­te ohne Gren­zen, schick­ten medi­zi­ni­sche Teams nach Mol­dau. Finan­zi­el­le Unter­stüt­zung erhält die mol­daui­sche Gesund­heits­be­hör­de seit Mit­te April zudem vom »United Nati­ons Popu­la­ti­ons Fund«. Mit die­sen Mit­teln soll sicher­ge­stellt wer­den, dass ukrai­ni­sche Frau­en medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung hin­sicht­lich Fami­li­en­pla­nung, Schwan­ger­schaft und Geburt nicht nur im Not­fall erhal­ten und sich auf Gebär­mut­ter­hals­krebs tes­ten las­sen können.

Äußerst pro­ble­ma­tisch ist, dass ukrai­ni­sche Kin­der zwar  Kin­der­gär­ten und Grund­schu­len besu­chen kön­nen, nicht jedoch wei­ter­füh­ren­de Schu­len. Statt­des­sen wer­den sie auf Online-Unter­richt aus der Ukrai­ne verwiesen.

Zudem wies Human Rights Watch vor Kur­zem auf den dis­kri­mi­nie­ren­den Umgang der mol­daui­schen Behör­den mit Rom*nja hin, die aus der Ukrai­ne geflüch­tet sind: In dem Bericht  kri­ti­sier­te Human Rights Watch beson­ders, dass Rom*nja in einem spe­zi­el­len Auf­nah­me­zen­trum getrennt von ande­ren Geflüch­te­ten aus der Ukrai­ne unter­ge­bracht wer­den, in dem die Bedin­gun­gen weit­aus schlech­ter seien.

Entwicklungen in Moldau sind untrennbar mit Odessa verknüpft 

Dass sich der mol­daui­sche Staat ent­schie­den hat, unge­ach­tet der öko­no­misch und poli­tisch schwie­ri­gen Lage des klei­nen Lan­des die Gren­zen für Geflüch­te­te aus der Ukrai­ne offen zu hal­ten, ist trotz aller Defi­zi­te posi­tiv zu bewer­ten. Dabei ist vor allem das Enga­ge­ment der loka­len Zivil­ge­sell­schaft von her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung. Gleich­zei­tig ist offen­sicht­lich, dass Mol­dau trotz des Enga­ge­ments diver­ser inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen kaum in der Lage gewe­sen wäre, eine hal­be Mil­li­on Ukrainer*innen dau­er­haft auf­zu­neh­men und adäquat zu ver­sor­gen. Die Mög­lich­keit der unkom­pli­zier­ten Wei­ter­rei­se in EU-Staa­ten ist daher elementar.

Wie sich die Situa­ti­on in Mol­dau ent­wi­ckeln wird, hängt untrenn­bar vom wei­te­ren Ver­lauf des Krie­ges ab.

Die­sen Kor­ri­dor auch wei­ter­hin offen zu hal­ten, liegt dabei nicht nur im Inter­es­se Mol­d­aus, son­dern auch der EU, die wenig Inter­es­se an einer sich zuspit­zen­den Situa­ti­on in Mol­dau haben dürf­te. Dabei soll­te  auch  bedacht wer­den, dass sich eine durch­aus beacht­li­che Zahl von Ukrainer*innen dazu ent­schie­den hat, in Mol­dau zu blei­ben oder in die Ukrai­ne zurückzukehren.

Wie sich die Situa­ti­on in Mol­dau ent­wi­ckeln wird, hängt untrenn­bar vom wei­te­ren Ver­lauf des Krie­ges ab: Soll­te das Gebiet um Odes­sa, so wie viel­fach befürch­tet, tat­säch­lich zum Kriegs­ge­biet wer­den, ist damit zu rech­nen, dass inner­halb kür­zes­ter Zeit Hun­dert­tau­sen­de Men­schen nach Mol­dau flie­hen wer­den. Dies wie­der­um bräch­te gänz­lich neue Her­aus­for­de­run­gen nicht nur für Mol­dau, son­dern auch für die EU mit sich.

Marc Speer (bordermonitoring.eu)