16.05.2013
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PRO ASYL fordert Visaerleichterungen für syrische Flüchtlinge und eine Beratungshotline für in Deutschland lebende Angehörige.

Moha­med A. (Name geän­dert) ist einer der ca. 300 000 syri­schen Flücht­lin­ge in der Tür­kei. Ver­wand­te aus Deutsch­land wol­len ihn zu sich holen  – aber wie? Moha­med bean­tragt ein Tou­ris­ten­vi­sum bei einer deut­schen Aus­lands­ver­tre­tung in der Türkei.

Sei­ne Ver­wand­ten in Deutsch­land rei­chen eine Ver­pflich­tungs­er­klä­rung ein. Dar­in geben sie an, dass sie wäh­rend sei­nes Auf­ent­halts in Deutsch­land alle anfal­len­den Lebens­hal­tungs­kos­ten und sogar die Aus­rei­se­kos­ten für Moha­med über­neh­men. Aber im April 2013 wird Moha­meds Antrag vom deut­schen Gene­ral­kon­su­lat in Istan­bul abge­lehnt: Die Behör­de sieht erheb­li­che Zwei­fel an sei­ner „Rück­kehr­wil­lig­keit“.

Restrik­ti­ve Visapraxis

Ähn­lich wie Moha­med geht es der­zeit vie­len syri­schen Flücht­lin­gen, deren in Deutsch­land leben­den Ver­wand­ten sie zu sich holen wol­len. Der Grund: Die deut­schen Behör­den ver­tre­ten die Auf­fas­sung, sie könn­ten kei­ne Visa ertei­len, wenn Zwei­fel dar­an bestün­den, dass Antrag­stel­ler vor Ablauf der Gül­tig­keits­dau­er die EU wie­der verließen.

In Deutsch­land leben rund 40 000 syri­sche Staats­bür­ge­rin­nen und Staats­bür­ger, die Ver­wand­te aus Syri­en bei sich auf­neh­men wol­len. PRO ASYL und Bera­tungs­stel­len von Kir­chen­ver­bän­den und Initia­ti­ven sind gegen­wär­tig mit einer Viel­zahl von dies­be­züg­li­chen Anfra­gen kon­fron­tiert. Die Ange­hö­ri­gen stran­den oft hilf­los an und vor Euro­pas Gren­zen in men­schen­rechts­wid­ri­gen Zustän­den. In Grie­chen­land wer­den syri­sche Flücht­lin­ge inhaf­tiert und unmensch­li­chen Bedin­gun­gen unter­wor­fen. Rund 8 000 Schutz­su­chen­de aus Syri­en wur­den dort allein im Jahr 2012 inhaftiert.

Auf­nah­me von 5 000 Flücht­lin­gen unzureichend

PRO ASYL for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, eine bun­des­wei­te Bera­tungs­hot­line für in Deutsch­land leben­de syri­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, die ihre Ver­wand­ten auf­neh­men wol­len, ein­zu­rich­ten. In einem  unbü­ro­kra­ti­schen und  trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren müs­sen Wege benannt wer­den, wie Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge legal ein­rei­sen kön­nen. Bis­lang gibt es nur Ver­spre­chen, Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen zu hel­fen, aber kei­ne Taten. Die Zusa­ge, 5 000 Flücht­lin­gen aus Syri­en in die­sem Jahr die Ein­rei­se nach Deutsch­land zu gestat­ten, ist ein wich­ti­ger, aber bei wei­tem unzu­rei­chen­der Schritt.

Nächs­te Woche tagt die Kon­fe­renz der Innen­mi­nis­ter von Bund und Län­dern. PRO ASYL for­dert dazu auf, die Syri­en­kri­se auf die Tages­ord­nung zu set­zen und appel­liert an die Bundesregierung:

- Deutsch­land und die ande­re Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on müs­sen groß­zü­gig Visa erteilen.

- Die Hilfs­be­reit­schaft der in Deutsch­land leben­den syri­schen Ange­hö­ri­gen muss sei­tens der Poli­tik unter­stützt werden.Der Nach­zug von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen muss außer­halb eines eng begrenz­ten Kon­tin­gen­tes mög­lich sein.

- PRO ASYL errei­chen Berich­te von an Euro­pas Gren­zen gestran­de­ten Flücht­lin­gen, deren Wei­ter­rei­se zu ihren in Deutsch­land leben­den Ver­wand­ten ver­sperrt ist. Ihre Asyl­ver­fah­ren sol­len in Deutsch­land durch­ge­führt wer­den. Die Ver­ant­wor­tung für die Flücht­lings­auf­nah­me darf nicht den Grenz­staa­ten der EU auf­ge­bür­det werden.

Akti­ons­tag „Stopp – Schau hin!“ 

Anläss­lich des Akti­ons­ta­ges  „Stopp – Schau hin!“, mit dem 28 Orga­ni­sa­tio­nen zu mehr Soli­da­ri­tät für syri­sche Flücht­lin­ge auf­ru­fen appel­liert PRO ASYL an die Bun­des­re­gie­rung an Bun­des­re­gie­rung und Län­der, ihre Hilfs­maß­nah­men für syri­sche Kriegs­flücht­lin­ge zu verstärken.

PRO ASYL steht syri­schen Flücht­lin­gen mit Bera­tung und Rechts­hil­fe zur Sei­te und appel­liert an die Bevöl­ke­rung, syri­sche Flücht­lin­ge mit Spen­den zu unterstützen. 

An der Akti­on „Stopp – Schau hin!“ neh­men fol­gen­de Orga­ni­sa­tio­nen teil:

action mede­or, ADRA,  Akti­on Deutsch­land Hilft, Arbei­ter-Sama­ri­ter-Bund, Ärz­te der Welt, arche noVa,  AWO Inter­na­tio­nal, CARE Deutsch­land-Luxem­burg , Habi­tat for Huma­ni­ty, Han­di­cap Inter­na­tio­nal, Help – Hil­fe zur Selbst­hil­fe, Hel­pA­GE, Hoff­nungs­zei­chen e.V. ‚Hume­di­ca, Isla­mic Reli­ef Deutsch­land,  Johan­ni­ter-Unfall-Hil­fe, Mal­te­ser Inter­na­tio­nal,  Mise­re­or, Oxfam Deutsch­land, PRO ASYL, Save the Child­ren, Ter­ra Tech, ter­res des hom­mes, UN World Food Pro­gram­me , UNHCR Deutsch­land, UNO-Flücht­lings­hil­fe, Welt­hun­ger­hil­fe, World Vision

Walls of Shame – Bericht zur Situa­ti­on von Flücht­lin­gen im Evros-Gebiet, Griechenland

Wir brau­chen offe­ne Türen für Ver­folg­te! – PRO ASYL-Appell an die Bundeskanzlerin

 STOPP. Schau hin! – Akti­ons­tag für Opfer der Syri­en­kri­se (15.05.13)

 Flücht­lings­auf­nah­me aus Syri­en – Ers­te Ein­schät­zun­gen von PRO ASYL (21.03.13)

 Not der syri­schen Flücht­lin­ge spitzt sich zu (15.01.13)