23.01.2014
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Syrische Flüchtlinge in Sofia: Für hundert Menschen eine Toilette. Noch immer sind die Lebensbedingungen für Flüchtlinge in bulgarischen Lagern menschenunwürdig. Bild: flickr/UNHCR/D.Kashavelov

In einem Update vom 20. Januar zu seinem jüngsten Länderbericht beklagt das UN-Flüchtlingshilfswerk insbesondere die Überfüllung und mangelhafte Bedingungen in bulgarischen Haftlagern und weist auf die Gefahr von rassistischer Gewalt gegen Flüchtlinge hin.

Einer Umfra­ge vom Dezem­ber 2013 zufol­ge haben nur 41 Pro­zent der bul­ga­ri­schen Bevöl­ke­rung nichts gegen Flücht­lin­ge in ihrem Land. 59 Pro­zent sind stark dage­gen, dass Bul­ga­ri­en Flücht­lin­ge auf­nimmt.  In sei­nem Bericht  vom 2. Janu­ar hat­te UNHCR nicht nur Stim­mungs­ma­che durch bestimm­te Poli­ti­ker, son­dern auch ras­sis­ti­sche Angrif­fe gegen Flücht­lin­ge doku­men­tiert.

Noch immer sieht UNHCR für Flücht­lin­ge in Bul­ga­ri­en das Risi­ko unmensch­li­cher und ernied­ri­gen­der Behand­lung und bekräf­tigt sei­ne For­de­rung nach einem Über­stel­lungs­stopp in die­se Län­der. Inhalt­lich ver­weist das Update auf den UNHCR-Bericht vom 2. Janu­ar, in dem das Flücht­lings­kom­mis­sa­ri­at sys­te­mi­sche Män­gel im Asyl­sys­tem Bul­ga­ri­ens beklagt.

Asyl­sta­tis­tik Bul­ga­ri­en

Laut UNHCR sind vor­läu­fi­gen Sta­tis­ti­ken zufol­ge im Jahr 2013 6.600 Schutz­su­chen­de aus Syri­en  sowie 2000  aus Afgha­ni­stan in Bul­ga­ri­en ein­ge­reist, die meis­ten haben Asyl bean­tragt. Nach  Infor­ma­tio­nen der Bul­ga­ri­schen Flücht­lings­be­hör­de SAR leben in den sie­ben Lagern des Lan­des der­zeit knapp 4.700 Flücht­lin­ge, rund noch ein­mal so vie­le schla­gen sich auf eige­ne Faust in Bul­ga­ri­en durch. In den Mona­ten Okto­ber und Novem­ber 2013 erreich­ten UNHCR zufol­ge täg­lich 100 Flücht­lin­ge Bul­ga­ri­en.

Nach der Schlie­ßung der grie­chisch-tür­ki­schen Land­gren­ze hat­ten ins­be­son­de­re syri­sche Bür­ger­kriegs­flücht­lin­ge ver­stärkt ver­sucht, der Per­spek­tiv­lo­sig­keit und der Unsi­cher­heit im tür­ki­schen Tran­sit durch die Wei­ter­flucht nach Euro­pa über Bul­ga­ri­en zu ent­kom­men. 

Boll­werk gegen Flücht­lin­ge an der Gren­ze zur Tür­kei

Die Gren­ze zur Tür­kei rie­gelt Bul­ga­ri­en nun durch einen Zaun ab. Bis Mit­te März soll das Boll­werk gegen Flücht­lin­ge fer­tig sein und 33 Kilo­me­ter von ins­ge­samt 274 Kilo­me­tern ver­sper­ren. Zudem wur­den laut UNHCR seit Novem­ber 1.500 zusätz­li­che Poli­zei­be­am­te an die Gren­ze ver­legt. In den ers­ten Janu­ar­wo­chen 2014 kamen laut UNHCR ins­ge­samt nur 32 Per­so­nen in Bul­ga­ri­en an.

Nach der aktu­el­len UN-Sta­tis­tik sind mehr als 2,3 Mil­lio­nen Syri­en­flücht­lin­ge außer­halb des Lan­des regis­triert wor­den. An der Fes­tung Euro­pa wird unter­des­sen wei­ter gebaut.

Län­der­be­rich­te: UNHCR vom 2. Janu­ar + Update vom 20. Janu­ar; ECRE

Medi­en­be­rich­te: bal­kan­in­sight; Voice of Ame­ri­ca; 

 PRO ASYL-Bericht: Schwe­re Miss­hand­lun­gen von Flücht­lin­gen in Bul­ga­ri­en (15.04.15)

 Flücht­lin­ge in Bul­ga­ri­en: miss­han­delt, ernied­rigt, im Stich gelas­sen (23.05.14)

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