13.02.2012
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Aus den Staaten Osteuropas werden immer mehr Kältetote gemeldet, insgesamt wurden in Europa diesen Winter mehr als 600 Menschen gezählt, die an der Kälte - und das heißt oft auch: an Armut starben. Foto: flickr / zharth

In vielen serbischen Gemeinden wurde aufgrund des harten Winters der Notstand ausgerufen. Dennoch sollen am morgigen Dienstag wieder Menschen nach Serbien abgeschoben werden.

Der Schnee macht der­zeit vie­le Stra­ßen Ser­bi­ens unpas­sier­bar, auf­grund von Ener­gie­knapp­heit rief die Regie­rung sogar Betrie­be und Schu­len auf, vor­über­ge­hend zu schlie­ßen. Doch die Abschie­bungs­ma­schi­ne­rie der EU lässt sich von den kal­ten Tem­pe­ra­tu­ren nicht auf­hal­ten: Am mor­gi­gen Diens­tag sol­len über 80 Men­schen von Düs­sel­dorf aus mit einem Fron­tex-Sam­mel­ab­schie­be­flug zwangs­wei­se nach Ser­bi­en gebracht wer­den – dar­un­ter vor allem Roma, denen auch ohne Käl­te und Schnee in Ser­bi­en Not droht.

Sozia­le Aus­gren­zung, Dis­kri­mi­nie­rung und Armut machen beson­ders Roma und den Ange­hö­ri­gen ande­rer Min­der­hei­ten das Leben in Ser­bi­en zur Höl­le. Roma sind in Ser­bi­en oft gezwun­gen, in men­schen­un­wür­di­gen Ver­hält­nis­sen wie etwa dem Flücht­lings­la­ger in Buja­no­vac zu Leben, in dem sich Infor­ma­tio­nen der Orga­ni­sa­ti­on „Alle blei­ben“ nach gan­ze Fami­li­en einen ein­zi­gen Raum von etwa 20 Qua­drat­me­ter tei­len müs­sen. Vie­le der Bewoh­ner des Lagers sind aus dem Koso­vo nach Ser­bi­en geflüch­tet, leben schon seit mehr als zehn Jah­ren unter die­sen Bedin­gun­gen. Nicht ohne Grund gehört Ser­bi­en zu den Haupt­her­kunfts­län­dern von Asyl­su­chen­den in Deutsch­land, auch wenn die deut­schen Behör­den so gut wie alle Asyl­an­trä­ge ser­bi­scher Roma als „offen­sicht­lich unbe­grün­det“ abwei­sen. 

„Alle Blei­ben“ berich­tet unter ande­rem von einer schwer­kran­ken, älte­ren Frau, die aus der Abschie­be­haft­an­stalt in Büren nach Ser­bi­en abge­scho­ben wer­den soll. Dort gibt es nie­mand, der sie unter­stüt­zen könn­te, da ihre gesam­te Fami­lie in Deutsch­land lebt. 

Schon unter nor­ma­len Umstän­den wären Abschie­bun­gen von Roma nach Ser­bi­en kri­tik­wür­dig. Unter den gege­be­nen Umstän­den, in denen Obdach­lo­sig­keit, Elends-Unter­künf­te und man­geln­des Heiz­ma­te­ri­al den Tod bedeu­ten kön­nen, sind Abschie­bun­gen von dis­kri­mi­nier­ten Min­der­hei­ten nach Ser­bi­en oder in den Koso­vo mehr als skan­da­lös.

Pro­tes­te gegen die Abschie­bung soll es am Flug­ha­fen Düs­sel­dorf um 8 Uhr am Gate zwi­schen Feu­er­wehr und Tor 36 (gegen­über Park­haus 7) und um 10 Uhr am Ter­mi­nal B in der Abflug­hal­le geben. Mehr Infor­ma­tio­nen

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